Führungskräfte unter Druck: 52 Prozent empfinden Gespräche über Belastung als angespannt
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 09:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deBelastungen durch Transformation und Wandel
Im Wirtschaftsmagazin manager magazin berichten in der Ausgabe 11/2026 vier Führungskräfte, unter ihnen die Gründerin Lisa Gradow, über ihre persönlichen Herangehensweisen zur Bewältigung außergewöhnlicher beruflicher Anforderungen.
Phänomene wie tiefgreifende Konzernumbauten, der beschleunigte Einsatz künstlicher Intelligenz und verschärfter Konkurrenzdruck stellen Managementetagen vor komplexe Aufgaben.
Als zentrale Säulen der individuellen Resilienz heben die Führungskräfte das Treffen klarer Entscheidungen unter hohem Druck, das bewusste Teilen von Verantwortung sowie die aktive Nutzung eigener Kraftquellen hervor. Spezifische Kennzahlen zu Stress oder Burn-out wurden in den Berichten nicht genannt, doch die Schilderungen spiegeln eine breitere Diskussion in der Managementpraxis wider.
Unsichtbare Erschöpfung und internationale Bestandsaufnahme
Das Phänomen überlasteter Entscheidungsträger wird auch international thematisiert. Ein Fachbeitrag für Forbes Coaches beschreibt das Auftreten von sogenanntem High-Functioning Burnout bei Spitzenkräften: Führungskräfte lieferten nach außen hin weiterhin gewohnte Ergebnisse ab, brächen innerlich jedoch zusammen, ohne die eigene Überlastung rechtzeitig wahrzunehmen.
Wer sich mit dem hohen Druck in der Managementebene befasst, erkennt schnell, dass fachliche Exzellenz allein oft nicht vor Erschöpfung schützt. Dieser kostenlose Leitfaden erklärt die psychologischen Werkzeuge, die wirksame Führungskräfte für eine gesunde Teamdynamik nutzen. Psychologische Werkzeuge für Führungskräfte entdecken
Als Beleg für den weltweiten Führungsdruck verweist der Beitrag auf den Bericht «Global Leadership Forecast 2025» der Organisation DDI, in dessen Rahmen fast 11.000 Führungskräfte in über 50 Ländern befragt wurden.
Gleichzeitig weisen Experten und die International Stress Management Association auf die Notwendigkeit systematischer betrieblicher Maßnahmen hin. Erhebungen von Fair Play Talks zufolge stehen weltweit rund 40 Prozent der Arbeitnehmer unter starkem täglichem Stress, wobei Führungskräfte überdurchschnittlich stark betroffen sind.
Herausforderungen im betrieblichen Führungsalltag
Wie stark emotionale und organisatorische Hürden den Führungsalltag prägen, zeigt auch die finnische Untersuchung «Esihenkilötutkimus 2025» des Gesundheitsdienstleisters Terveystalo unter 300 Befragten. Laut der Erhebung empfinden 52 Prozent der Führungskräfte das Ansprechen psychischer Belastungen bei ihren Mitarbeitenden als angespannt.
Als wesentliche Ursachen für die eigene Überlastung identifizieren die Führungskräfte zwischenmenschliche Konflikte, Wertekonflikte, ein hohes Arbeitsvolumen sowie belastende Aufgaben in der Gremien- und Vorstandsarbeit.
Führungskräfte stehen oft vor der Herausforderung, trotz hoher Belastung die Motivation ihres Teams sicherzustellen und psychologische Sicherheit zu fördern. Das Gratis-E-Book liefert 4 konkrete Strategien und eine praktische Tabelle für sofort umsetzbare Ergebnisse im Führungsalltag. Gratis-E-Book zur Führungspsychologie herunterladen
Ansätze für Entlastung und psychologische Stabilität
Zur Bewältigung dieser Herausforderungen empfiehlt Terveystalo eine offene betriebliche Gesprächskultur, flexible Arbeitsstrukturen sowie die frühzeitige Einbindung der Arbeitsmedizin. Die Psychologin Tiina Tuominen betont in diesem Zusammenhang, dass das Wohlbefinden innerhalb einer Organisation maßgeblich bei einer stabilen und gesunden Führung beginne.
Auf individueller Ebene spielt zudem der psychologische Umgang mit Leistungsansprüchen eine wesentliche Rolle. Ein Bericht der Techniker Krankenkasse hebt hervor, dass ausgeprägte Selbstkritik meist ein erlerntes und veränderbares Verhaltensmuster darstelle.
Entsprechende Studien belegen laut der Kasse, dass selbstnachsichtige Menschen widerstandsfähiger seien, unter Belastung klarere Entscheidungen träfen und sich nach Rückschlägen schneller erholten. Das Teilen von Verantwortung und das bewusste Setzen von Grenzen gewinnen vor diesem Hintergrund als Führungskompetenzen an Bedeutung.
