Fußscreening, Diabetes

Fußscreening bei Diabetes: 140 Fachkräfte in Suriname geschult

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Internationale Schulungen, vernetzte Versorgung und Sensor-Einlagen sollen Fußkomplikationen bei Diabetes früh erkennen und behandeln.
Ein heller, steriler Podologie-Behandlungsraum mit medizinischer Ausstattung in ruhigem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Fußpflege und eine strukturierte podologische Betreuung spielen eine entscheidende Rolle, um schwere Komplikationen und Amputationen bei Menschen mit Diabetes zu verhindern. Zahlreiche internationale Erhebungen und klinische Erfahrungen verdeutlichen, dass chronische Wunden an den unteren Extremitäten oft vermeidbar sind, wenn Schädigungen frühzeitig erkannt und konsequent versorgt werden.

Klinische Risikofaktoren und typische Krankheitsverläufe

Schäden an den Füßen entwickeln sich bei einer Diabeteserkrankung meist schleichend. Zu den frühen Symptomen gehört eine sockenförmige Sensibilitätsstörung, die distal beginnt und im weiteren Verlauf proximal fortschreitet. Betroffene bemerken häufig ein vermindertes Berührungs-, Lage-, Temperatur- und Schmerzempfinden.

Bei einer motorischen Neuropathie drohen Atrophien der Fußmuskulatur sowie Krallenzehen. Kommt eine autonome Neuropathie hinzu, gehen Regulationsmechanismen für Schweiß, Temperatur und Durchblutung verloren. Die Folge sind verdickte Schwielen und rissige Haut, aus denen sich im weiteren Verlauf Ulzera, Infektionen, Knochenentzündungen oder eine Charcot-Arthropathie entwickeln können.

Bereits im Stadium eines Prädiabetes können Nervenschäden distale sensomotorische Polyneuropathien hervorrufen, weshalb Fachleute bei entsprechenden Defiziten den Ausgleich eines Vitamin-B1-Mangels empfehlen.

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Daten aus der Foot Status Database in Dänemark, publiziert im Fachjournal Diabetes, Obesity, and CardioMetabolic CARE, unterstreichen das Ausmaß der Problematik: Demnach wiesen 48 Prozent der erfassten Patienten eine Neuropathie auf, während 91 Prozent mindestens eine Fußfehlstellung hatten. Ein aktives diabetisches Fußulkus lag bei 4,2 Prozent vor.

In Aserbaidschan entwickeln nach statistischen Angaben rund 25 Prozent der Diabetespatienten im Laufe ihres Lebens ein trophisches, neuropathisches oder ischämisches Geschwür der unteren Extremitäten. Tritt ein trophisches Fersenulkus auf, fällt dort in 80 Prozent der Fälle die Entscheidung für eine Amputation. Bei einer vier bis fünf von zehn Patienten liegt zudem ein Gefäßverschluss vor.

Eine Untersuchung des Knöchel-Arm-Index (ABI) kostet vor Ort 10 bis 20 Aserbaidschan-Manat. Allerdings stehen landesweit lediglich 10 bis 12 Podologen zur Verfügung, und es gibt keine spezialisierten Diabetik-Fuß-Kabinette. Ein invasiver Radiologe berichtete jedoch, dass durch entsprechende radiologische Eingriffe 90 von 100 Patienten mit Amputationsindikation gerettet werden können.

Internationale Initiativen und Versorgungsstrukturen

Um Gefahren rechtzeitig abzuwenden, setzen Gesundheitssysteme weltweit auf Schulungen und strukturierte Netzwerke. Am 29. und 30. Oktober 2026 wurden in Suriname im Auditorium des Ministeriums für Volksgesundheit, Wohlfahrt und Arbeit landesweit etwa 140 Pflegekräfte und Ärzte im standardisierten Fußscreening geschult und zertifiziert.

Das Training war Teil des Programms NCT-HEARTS und entstand in Zusammenarbeit mit dem Ministerium sowie der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO). Die Maßnahme vermittelte unter anderem die Bewertung nach der Sims-Klassifikation, Überweisungskriterien für die Zweitlinienversorgung sowie Kenntnisse zu gesundheitsförderndem Fußverhalten.

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In Deutschland zeigt sich, dass eine frühzeitige Behandlung und engmaschige Betreuung im Verbund wirksam vor Amputationen schützen. Entsprechende Arztnetze werden unter anderem von der AOK über Versorgungsverträge gefördert.

In Schleswig-Holstein tragen teilnehmende Ärzte beim Selektivvertrag zum diabetischen Fußsyndrom Patientendaten in eine indikationsspezifische elektronische Fallakte über das HealthPortal von gevko ein. Für schwere Fälle steht die hyperbare Sauerstofftherapie künftig auch im ambulanten Bereich zur Verfügung.

Technologische Innovationen und wirtschaftliche Herausforderungen

Parallel zur klinischen Praxis treiben Forschungsteams neue Hilfsmittel voran. An der Universität León am Campus Ponferrada entwickelt das Projekt 3D-FootCare unter Leitung von Professorin Raquel Leirós in Kooperation mit Forschern aus A Coruña und Extremadura maßgefertigte Einlagen aus dem 3D-Drucker. Diese sind mit Sensoren ausgestattet, um die Fußauflage kontinuierlich zu überwachen und Geschwüre zu verhindern.

Die Stiftung La Caixa finanziert die einjährige technische Machbarkeit; bei erfolgreichem Verlauf ist eine klinische Validierung in Ponferrada und Ferrol vorgesehen.

In Deutschland forschen das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik (IWM) und das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) gemeinsam mit Industriepartnern im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt LAUF an digitalisierten Fertigungsverfahren via selektivem Lasersintern, um kostengünstige, mechanisch prüfbare Einlagen bereitzustellen.

Gleichzeitig verweisen Experten auf bestehende Finanzierungslücken. Auf dem XXII. Forum Rynku Zdrowia in Warschau legte Professor Leszek Czupryniak vom Universitätsklinischen Zentrum WUM dar, dass Krankenhäuser in Polen für die Behandlung eines diabetischen Fußsyndroms 5.000 bis 6.000 Z?oty erhalten, während die tatsächlichen Kosten bei 11.000 bis 12.000 Z?oty liegen. Er forderte eine deutliche Verbesserung der Vergütung im Leistungskatalog des Nationalen Gesundheitsfonds, da eine angemessene Finanzierung Amputationen und schwere Folgeerkrankungen verhindern könne.

Für Patienten bleibt die Basishygiene grundlegend: Fachleute raten zu täglichen Fußkontrollen, Fußbädern mit maximal 40 Grad Celsius sowie jährlichen Kontrollen ab Diagnosestellung, die bei bestehenden Komplikationen vierteljährlich erfolgen sollten.

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