Ganztagsbetreuung ab August: Rechtsanspruch für Millionen Grundschüler
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ab August 2026 haben Grundschulkinder einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung – auch in den Ferien. Viele Städte und Landkreise stellen jetzt ihre Konzepte vor. Die Finanzierung sorgt für Streit.
Acht Wochen Betreuung pro Jahr: So sehen die Pläne aus
Der neue Rechtsanspruch startet stufenweise. Zunächst profitieren Erstklässler, in den Folgejahren kommen alle Grundschulklassen dazu. Die Kommunen müssen die Betreuung auch in den Ferien sicherstellen.
Der Landkreis Friesland setzt auf acht Wochen Betreuung pro Jahr. Vier Wochen in den Sommerferien, je zwei Wochen in den Herbst- und Osterferien. Die Volkshochschule übernimmt die Organisation. Täglich acht Stunden Betreuung stehen zur Verfügung. Rund 928 Kinder sind anspruchsberechtigt. Die Verwaltung rechnet aber nur mit einer Nachfrage von etwa elf Prozent.
Ähnlich läuft es im Landkreis Göttingen. Auch dort sind acht Wochen Ferienbetreuung geplant. Die Beiträge staffeln sich nach Einkommen. Für die Herbstferien läuft die Anmeldefrist bis zum 9. September 2026.
Millioneninvestitionen – und trotzdem klafft eine Finanzierungslücke
Der Ausbau der Infrastruktur verschlingt immense Summen. Mannheim investiert rund 38,9 Millionen Euro in acht Grundschulen. Neubauten, Sanierungen und größere Mensen stehen auf dem Programm. Das Land Baden-Württemberg übernimmt einen Großteil der Kosten.
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Andere Kommunen melden finanzielle Engpässe. Bad Saulgau verzeichnet ein Minus von fast 570.000 Euro bei Schulkindbetreuung und Jugendarbeit. Die Stadtverwaltung fordert höhere Elternbeiträge. Man fühle sich bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs alleingelassen.
Landrat Sven Ambrosy kritisiert die Finanzierung durch Bund und Länder scharf. Bei Vollauslastung müsse der Landkreis Friesland jährlich rund 460.000 Euro selbst zahlen. Eine Summe, die viele Kommunen vor Probleme stellt.
Von Inklusion bis Berufsorientierung: Ferien mit Mehrwert
Die Betreuung wird pädagogisch immer vielfältiger. In Schaffhausen startete Mitte Juli 2026 ein inklusiver Ferienhort für 29 Kinder. Pro Infirmis und Cerebral trugen das Projekt. Gemeinsame Zirkusprojekte und Ausflüge standen auf dem Programm.
Berufsorientierung ist ein weiterer Trend. In St. Pölten fand vom 20. bis 24. Juli 2026 ein spezielles Programm statt. Rund 200 Teilnehmer erkundeten in 80 Workshops verschiedene Berufsfelder. Handwerk, Technik und Wirtschaft standen zur Auswahl. Wirtschaftskammern und regionale Familienpässe unterstützen das Angebot.
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Niederschwellige Angebote gewinnen ebenfalls an Bedeutung. In Düsseldorf ist bis zum 1. September 2026 ein mobiles Spiel- und Beratungsangebot unterwegs. Es steuert Unterkünfte für Geflüchtete und öffentliche Spielplätze an. Die Betreuung ist kostenfrei und direkt im Lebensumfeld der Kinder.
Was die Betreuung kostet: Von 35 bis 180 Euro pro Woche
Die Preise für die Ferienbetreuung variieren stark:
Pauschalmodelle: In Vöhringen kostet das zweiwöchige Programm im August 35 Euro pro Woche für das erste Kind. Geschwisterkinder sind teilweise kostenlos.
Wochenpauschalen: In Friesland zahlen Eltern 100 Euro pro Woche inklusive Mittagessen. Für Geschwister ohne Rechtsanspruch steigt der Betrag auf 200 Euro.
Soziale Staffelung: Im Landkreis Göttingen liegen die Beiträge je nach Einkommen zwischen 72 und 180 Euro pro Woche.
Die Spanne zeigt: Jede Kommune sucht ihren eigenen Weg zwischen Kosten-deckung und Entlastung für berufstätige Eltern. Vöhringen etwa schießt 30.000 Euro aus der Stadtkasse zu. Ob das langfristig reicht, bleibt offen. Die Ferienbetreuung wird die kommunale Haushaltspolitik noch lange beschäftigen.
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