Geldanlage in Österreich: Wertpapiere liegen mit 40 Prozent vor Bausparen
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 20:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die finanzielle Vorsorge gewinnt in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten spürbar an Relevanz, während die tatsächlichen Spielräume für Rücklagen kleiner werden.
Eine von Imas im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen durchgeführte Sparstudie unter 1.382 Befragten zeigt eine bemerkenswerte Diskrepanz: Zwar stufen 83 Prozent der Menschen in Österreich das Sparen als wichtig oder sehr wichtig ein – der höchste Wert seit über zehn Jahren –, doch der tatsächlich zur Seite gelegte Betrag sinkt.
Im Schnitt sparen die Österreicherinnen und Österreicher 306 Euro monatlich, was einem Rückgang von 14 Euro gegenüber dem Vorjahr entspricht und inflationsbereinigt dem Niveau von 2016 gleicht.
Sinkende Sparbeträge und wachsende Belastung
Die angespannte finanzielle Lage schlägt sich deutlich in der Zufriedenheit und den Sparquoten nieder. Lediglich etwas mehr als ein Drittel der Befragten zeigt sich mit dem erreichten Sparbetrag zufrieden; im Jahr 2016 lag dieser Anteil noch bei 50 Prozent.
Gleichzeitig gibt ein Drittel an, derzeit überhaupt kein Geld zur Seite legen zu können, was einem Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zudem sank die Sparquote der privaten Haushalte laut Statistik Austria im Jahr 2025 bereits auf 10,0 Prozent, während das WIFO für das laufende Jahr einen weiteren Rückgang auf 8,7 Prozent erwartet.
Bei den Sparsummen zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während Männer monatlich durchschnittlich 384 Euro ansparen, liegt der Wert bei Frauen bei 227 Euro – ein Minus von rund 40 Prozent.
Regional betrachtet beläuft sich der monatliche Sparbetrag in der Steiermark auf durchschnittlich 294 beziehungsweise 296 Euro, während in Kärnten mit durchschnittlich 284 Euro rund 28 Euro weniger als im Vorjahr zurückgelegt werden.
Notgroschen steht an erster Stelle
Die Motive für den Vermögensaufbau werden vor allem von Sicherheitsüberlegungen bestimmt. Für 91 Prozent der Befragten dient das Ersparte als Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben, gefolgt von der allgemeinen finanziellen Absicherung mit 77 Prozent und dem Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit mit 73 Prozent.
Die aktuelle Sparstudie zeigt eine klare Verschiebung: Wertpapiere liegen mit 40 Prozent erstmals vor dem Bausparen, und jeder zweite Wertpapieranleger nutzt inzwischen ETFs. Wer sein Geld nicht unverzinst auf dem Girokonto verlieren will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Schritte — vom ETF-Sparplan ab 70 Euro bis zum passenden Notgroschen. Jetzt kostenlosen Spar-Leitfaden anfordern
Besonders bei der Generation Z genießt das Thema Priorität: Über 90 Prozent dieser Altersgruppe bezeichnen Sparen als wichtigen Faktor, wobei 61 Prozent gezielt Rücklagen für eine spätere Immobilienfinanzierung bilden.
Strukturwandel bei den Sparformen
Während traditionelle Instrumente wie das Sparbuch oder Sparkonto mit 79 Prozent Nutzung weiterhin die Rangliste anführen, vollzieht sich bei den Veranlagungen eine Verschiebung: Wertpapiere liegen mit einem Anteil von 40 Prozent erstmals vor dem klassischen Bausparen, das auf 34 Prozent zurückfiel.
Bei Wertpapieranlegern nutzen inzwischen 50 Prozent börsengehandelte Indexfonds (ETFs), nach 38 Prozent im Vorjahr. In der Generation Z greifen bereits 72 Prozent der Anleger zu ETFs. Auch Gold und andere Edelmetalle legten um sechs Prozentpunkte auf 30 Prozent zu.
Dagegen warnte Oliver Kröpfl, Vorstand der Steiermärkischen Sparkasse, vor den realen Wertverlusten, wenn Gelder unverzinst auf Girokonten oder bar verwahrt werden.
Ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher kann derzeit gar nichts zur Seite legen, und die Sparquote der Haushalte sinkt weiter. Wer trotz knapper Spielräume einen Puffer aufbauen will, braucht zuerst einen klaren Plan: Notgroschen in Höhe von drei bis sechs Monatsausgaben, jederzeit verfügbar, bevor überhaupt an Rendite gedacht wird. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen die Reihenfolge Schritt für Schritt. Notgroschen-Leitfaden jetzt herunterladen
Sein Vorstandskollege Georg Bucher plädiert vor diesem Hintergrund für eine stärkere finanzielle Allgemeinbildung und verdeutlichte das Potenzial regelmäßiger Veranlagungen: Bereits monatliche Einzahlungen von 70 Euro in Fonds könnten über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren zu sechsstelligen Beträgen anwachsen.
Zugleich behält der traditionelle Weltspartag am 30. Oktober seinen Stellenwert, da mehr als ein Viertel der Befragten diesen Termin für einen persönlichen Filialbesuch nutzt.
