Geldwäschebekämpfung: Capital One schließt 300 Konten nach AML-Audit
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 08:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Internationale Finanzinstitute und Aufsichtsbehörden erhöhen den Druck auf interne Compliance-Systeme. Neue Gerichtsverfahren, strengere EU-Regularien und verschärfte Kontrollen in Asien und Lateinamerika zeigen: Geldwäschebekämpfung wird zur Chefsache.
Capital One verknüpft Kontoschließungen mit internen Risikoprüfungen
In einer Gerichtseinreichung vom 1. August 2026 hat Capital One Financial Corp. die Schließung von mehr als 300 Konten der Trump Organization offiziell auf interne Anti-Geldwäsche-Protokolle (AML) zurückgeführt. Die Bank beantragt die Abweisung einer Klage, die im März 2025 vor einem Bundesgericht in Florida eingereicht wurde. Die Kläger hatten behauptet, die Kontoschließungen seien politisch motiviert gewesen und stünden im Zusammenhang mit Ereignissen Anfang 2021.
Capital One erklärte, die Entscheidung zur Beendigung der Geschäftsbeziehung sei nach einer monatelangen Analyse durch das AML-Team gefallen. Dabei seien Transaktionsmuster identifiziert worden, die den Vorgaben der????richtlinien entsprechen. Die Bank habe die geplanten Kontoschließungen bereits im März 2021 angekündigt. Rechtsexperten bewerten die Einreichung als Novum: Erstmals verknüpft ein Finanzinstitut offiziell Geldwäschebedenken mit dem Familienunternehmen des früheren US-Präsidenten – ohne jedoch explizit illegale Aktivitäten vorzuwerfen.
EU-Behörden fordern strengere KI- und AML-Kontrollen
Während Finanzunternehmen zunehmend moderne Technologien in ihre Compliance-Systeme integrieren, warnen Regulierungsbehörden vor den damit verbundenen operationellen Risiken. Am 31. Juli 2026 veröffentlichten die Europäischen Aufsichtsbehörden – bestehend aus EBA, EIOPA und ESMA – eine Stellungnahme zu IKT-Risiken durch hochmoderne KI-Modelle. Die Regulierer betonen die Notwendigkeit verbesserter Governance und einheitlicher Überwachung, um potenzielle Schwachstellen im Finanzsektor zu minimieren.
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Parallel dazu arbeitet die neue EU-Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche (AMLA) an ihrer vollen operativen Einsatzfähigkeit. Die in Frankfurt ansässige Agentur ist seit dem 1. Juli 2025 aktiv und soll bis 2028 die direkte Aufsicht über Hochrisiko-Finanzunternehmen übernehmen. Nach aktuellen Umsetzungsplänen wird die Behörde voraussichtlich bis zum 1. Juli 2027 etwa 40 Gruppen für die direkte Überwachung auswählen. Einheitliche EU-Standards sollen am 10. Juli 2027 in Kraft treten.
Globale Standards: Asien und Lateinamerika ziehen nach
Nationale Regierungen modernisieren ihre Anforderungen an wirtschaftliche Eigentümer und risikobasierte Rahmenwerke, um internationalen Erwartungen zu entsprechen. In Vietnam hat die Resolution 66.23/2026/NQ-CP vom 24. Juli 2026 neue Regelungen zur Identifizierung wirtschaftlicher Eigentümer eingeführt. Als wirtschaftlicher Eigentümer gilt demnach eine Person, die mindestens 25 Prozent des Kapitals hält oder Kontrolle ausübt. Eine Auffangregelung benennt zudem das höchste Managementmitglied. Diese Vorschriften bleiben bis zum 28. Februar 2027 in Kraft.
In Chile ersetzt eine neue risikobasierte Verordnung einen über ein Jahrzehnt alten Regulierungsrahmen für 25 Casinos. Ab dem 1. Oktober 2026 sind dort die Einrichtung von Präventionsausschüssen und strengere Sorgfaltspflichten im Umgang mit politisch exponierten Personen (PEPs) vorgeschrieben. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben 2026 ihr erstes Forum zur Compliance nicht-finanzieller Unternehmen und Berufe – etwa Immobilienmakler und Edelmetallhändler – abgehalten. Im Fokus standen die Bewertungskriterien der Financial Action Task Force (FATF).
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Durchsetzungsmaßnahmen: Bußgelder und Klagen belasten Unternehmen
Infrastrukturdefizite führen weiterhin zu erheblichen Geldstrafen und rechtlichen Auseinandersetzungen. RBC Capital Markets hat sich kürzlich mit der US-Finanzaufsicht FINRA geeinigt und zahlt eine Geldstrafe von 275.000 US-Dollar wegen Mängeln bei der AML-Überwachung zwischen Februar 2016 und September 2023. Die Aufsichtsbehörde stellte fest, dass die Überwachungsregeln des Unternehmens in diesem Zeitraum fehlerhaft konfiguriert waren.
Im Privatsektor sieht sich die Wise Group plc einer Sammelklage gegenüber, nachdem der Aktienkurs deutlich gefallen war. Die Klage deckt den Zeitraum vom 11. Mai 2026 bis zum 23. Juli 2026 ab und wirft dem Unternehmen irreführende Aussagen zu seinen AML-Kontrollen vor. Der Kurssturz folgte auf Berichte über Ermittlungen in Belgien und die Ablehnung eines Treuhandbank-Antrags durch das Office of the Comptroller of the Currency am 24. Juli 2026. Investoren, die die Klage anführen möchten, haben bis zum 28. September 2026 Zeit, ihre Anträge einzureichen.
Strategische Partnerschaften im digitalen Banking
Trotz des regulatorischen Drucks treiben Finanzinstitute den Ausbau ihrer digitalen Infrastruktur durch neue Allianzen voran. Am 31. Juli 2026 gaben Asprofin Bank und Digital TRVST eine Partnerschaft im Bereich Banking-as-a-Service bekannt. Die Zusammenarbeit zielt auf ein jährliches Transaktionsvolumen von rund 5 Milliarden US-Dollar ab. Der Migrationsprozess begann bereits im Frühjahr 2026 – ein Zeichen für den branchenweiten Trend zu integrierter digitaler Compliance und Transaktionsverarbeitung.
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