Gelenkschmerzen in den Wechseljahren: Hormone helfen nur begrenzt
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 05:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von Gelenkverschleiß entwickelt sich an mehreren Fronten weiter – von neuartigen Implantaten über aktualisierte Bewegungsrichtlinien bis hin zu Fragen der Versorgungsgerechtigkeit. Ein aktuelles Beispiel liefert die Rheintor-Klinik in Neuss, wo Mitte August 2026 erstmals eine neuartige Keramik-Hüftprothese eingesetzt wurde, bei der sowohl Hüftkappe als auch Pfanne vollständig aus Keramik bestehen.
Erste Operation in Neuss
Patient Frank Schrade, 68 Jahre alt, war der erste, der mit dem neuen Implantat versorgt wurde. Der zentrale Vorteil der Materialkombination liegt darin, dass sie Metallabrieb sowie die Freisetzung von Metall-Ionen ins Blut vermeidet – ein Problem, das bei herkömmlichen Metall-Metall- oder Metall-Kunststoff-Gleitpaarungen auftreten kann.
Nach Angaben der Klinik profitieren davon besonders Frauen mit kleineren Gelenken, da bei ihnen die Belastung durch Abrieb anders ausfällt als bei größeren Implantaten.
Bemerkenswert am Verlauf: Schrade stand noch am selben Tag der Operation wieder auf. Die Rheintor-Klinik verweist auf ihre Erfahrung mit derartigen Eingriffen – seit Einführung entsprechender Verfahren wurden dort insgesamt rund 2.500 Oberflächenprothesen implantiert. Die neue Keramik-Variante reiht sich in dieses Portfolio ein und soll insbesondere jüngeren und aktiveren Patienten eine langlebigere und materialschonendere Alternative bieten.
Bewegungsempfehlungen im Wandel
Parallel zu solchen operativen Fortschritten haben sich auch die konservativen Behandlungsansätze bei Arthritis und Arthrose weiterentwickelt. Die europäische Fachgesellschaft EULAR aktualisierte 2025 ihre Bewegungsempfehlungen und berücksichtigt darin erstmals Aspekte wie sedentäres Verhalten, digitale Anwendungen und verhaltensbezogene Strategien zur Unterstützung von Betroffenen.
Die zuständige Task Force setzte sich aus 26 Mitgliedern aus 17 Ländern zusammen und stützte ihre Empfehlungen auf 54 systematische Übersichtsarbeiten, 31 randomisierte kontrollierte Studien sowie 25 qualitative Studien.
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Hormonelle Einflüsse auf Gelenkbeschwerden
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt betrifft den Zusammenhang zwischen Wechseljahren und Gelenkschmerzen. Nach Angaben von Maven Clinic kann der Östrogenabfall in der Menopause Gelenkbeschwerden auslösen. Eine Hormonersatztherapie (HRT) könne unterstützend wirken, werde jedoch nicht als alleinige Behandlung empfohlen.
Die Women's Health Initiative-Studie zeigte demnach nur eine minimale Schmerzreduktion von unter 0,1 Punkten auf einer Skala von 0 bis 3, allerdings weniger Hüft- und Knieoperationen bei alleiniger Östrogengabe.
Die kleinere HOPE-e-Studie mit 28 Frauen mit Handarthrose beobachtete bei rund der Hälfte der Teilnehmerinnen einen Schmerzschub nach Absetzen der Therapie, verglichen mit etwa 17 Prozent in der Placebogruppe.
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Eine Duke-Studie mit rund 2.000 Frauen fand zudem, dass HRT das Risiko einer Frozen Shoulder halbierte. Die North American Menopause Society (NAMS) sieht dennoch keinen offiziellen Grund, HRT gezielt zu verordnen.
In Schweden zeigt sich laut der Gesundheitsbehörde Sozialstyrelsen zudem ein soziales Ungleichgewicht: Hormonbehandlungen im Klimakterium werden in wohlhabenden Gebieten viermal häufiger verordnet. Die Anwendungsrate bei Frauen über 45 stieg von 5,1 Prozent im Jahr 2021 auf 8,4 Prozent im Jahr 2025, was rund 205.000 Frauen betraf.
Professor Angelica Lindén Hirschberg vom Karolinska-Institut wies auf die ungleiche Versorgung hin; eine Preissteigerung von 60 Prozent bei Hormonpflastern im Juli habe die Ungleichheit weiter verschärft, obwohl sieben von zehn Frauen entsprechende Symptome aufweisen.
Naturheilkundliche und osteopathische Ansätze
Auch traditionelle Heilverfahren stehen im Fokus aktueller Forschung: In Bad Wörishofen untersucht ein Forschungsprojekt die Kneipp-Lehre bei prämenopausalen und menopausalen Beschwerden. Das Konzept basiert auf fünf Säulen – Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und Lebensordnung – und wird an der staatlich anerkannten Sebastian-Kneipp-Schule vermittelt. Die Lehre wurde 2015 als Immaterielles Kulturerbe aufgenommen.
Eine forsa-Umfrage von Februar/März 2026 unter 1.100 Erwachsenen mit Rückenbeschwerden ergab zudem, dass zusätzlich osteopathisch behandelte Personen zufriedener waren: 54 Prozent gaben sich sehr zufrieden gegenüber 37 Prozent ohne osteopathische Behandlung.
Zudem suchten sie seltener den Hausarzt auf (35 Prozent gegenüber 51 Prozent), verbrachten weniger Nächte im Krankenhaus (0,1 gegenüber 0,6 Nächte, ein Rückgang von 83 Prozent) und benötigten seltener Medikamente (63 Prozent gegenüber 70 Prozent). Insgesamt nutzen der Umfrage zufolge 19 Millionen Menschen Osteopathie.
