Gemini-Missbrauch: Google klagt gegen chinesische Cyberkriminelle
13.06.2026 - 17:35:38 | boerse-global.de
Google hat am Freitag eine bundesstaatliche Zivilklage gegen eine in China ansässige Cyberkriminellen-Organisation namens Outsider Enterprise eingereicht. Das Unternehmen wirft der Gruppe vor, seine Künstliche Intelligenz Gemini systematisch für großangelegte Phishing- und SMS-Betrugskampagnen missbraucht zu haben. Die Klage erfolgte parallel zu einer konzertierten Aktion mehrerer Strafverfolgungsbehörden mit dem Codenamen Operation Ghost Hook.
RICO-Klage und internationale Großrazzia
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Die Zivilklage, eingereicht vor einem US-Bundesgericht, stützt sich auf Verstöße gegen das Racketeer Influenced and Corrupt Organizations (RICO) Act, Markenrechtsverletzungen und die unbefugte Nutzung von Google-Cloud-Diensten. Zeitgleich zur juristischen Offensive zerschlugen das FBI und technische Partner zentrale Teile der Netzwerkinfrastruktur. Sie beschlagnahmten Server-Domains, einen Shopify-Online-Shop und rund 100.000 Euro aus digitalen Zahlungsportfolios.
Ermittlungen zufolge war die Organisation seit Juli 2023 aktiv und operierte in 55 Ländern. Outsider Enterprise ermöglichte massiven Finanzbetrug durch die automatisierte Erstellung täuschend echter Inhalte. Durch die Integration von Googles Gemini-KI konnten die Täter Phishing-Material in nie dagewesenem Umfang generieren. Das FBI betont, dass der Einsatz generativer KI die betrügerischen Nachrichten deutlich überzeugender und für herkömmliche Sicherheitsfilter schwerer erkennbar machte. Es ist das erste Mal, dass Google in den USA Klage wegen des Missbrauchs seiner Gemini-Plattform für Cyberkriminalität einreicht.
KI-gestützte Dimension: 1,5 Millionen schädliche Links
Das Ausmaß der Operation zeigt eindrucksvoll, wie effizient KI-gesteuerte Cyberkriminalität inzwischen agiert. Zwischen November 2025 und April 2026 generierte die Gruppe mehr als 1,5 Millionen schädliche URLs. Die Ermittler dokumentierten eine Infrastruktur aus 9.000 gefälschten Websites und über 1 Million betrügerischer Domains.
Besonders drastisch war die Intensität im Frühjahr 2026. Innerhalb von nur zwei Wochen im Mai verschickte das Netzwerk rund 2,5 Millionen betrügerische SMS an Mobilfunknutzer. Allein Android-Nutzer meldeten 55.000 dieser Nachrichten als Spam. Die Kommunikation gab sich oft als bekannte Unternehmen aus – darunter Google, YouTube, die US-Post (USPS) und das elektronische Mautsystem E-ZPass –, um Opfer zur Preisgabe sensibler Daten zu bewegen.
Phishing als Dienstleistung: Ab 88 Euro pro Woche
Outsider Enterprise agierte als „Phishing-as-a-Service“-Anbieter und verkaufte den Zugang zu seinen Werkzeugen an andere Kriminelle. Die Gruppe bot abonnementbasierte Phishing-Kits an – ab 88 Euro pro Woche oder 200 Euro pro Monat. Diese Kits enthielten 131 verschiedene Softwarepakete und mehr als 290 Vorlagen, die legitime Login-Seiten und Serviceportale täuschend echt nachbildeten.
Das FBI schätzt, dass die Aktivitäten dieses Netzwerks seit Sommer 2023 zum Diebstahl von 3,87 Millionen Kreditkarten und zu Gesamtverlusten von rund 1,9 Milliarden Euro führten. Dies reiht sich in einen größeren Trend ein: Bundesermittler verzeichneten im vergangenen Jahr KI-bezogene Cyberkriminalitätsschäden in Höhe von rund 893 Millionen Euro.
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Branchenübergreifende Zusammenarbeit
Die Zerschlagung erforderte eine enge Kooperation zwischen Privatwirtschaft und Behörden. Google arbeitete mit dem FBI und Lumen Technologies zusammen, um die digitalen Vermögenswerte der Gruppe zu identifizieren und zu beschlagnahmen. Zudem koordinierte sich der Konzern mit großen Telekommunikationsanbietern wie AT&T, T-Mobile und Verizon, um die 2,5 Millionen betrügerischen Nachrichten der letzten Wochen zu identifizieren und zu blockieren.
Google betont, dass es zwar monatlich mehr als 10 Milliarden betrügerische oder Spam-Nachrichten abfängt, jedoch rechtliche Schritte notwendig seien, um die Geschäftsmodelle ausgeklügelter krimineller Netzwerke nachhaltig zu zerstören. Das FBI bestätigte, dass die Integration von KI in diese Betrugsmaschen eine wachsende Herausforderung für die Cybersicherheit darstellt – ermöglicht sie doch kleinen Gruppen, globale Kampagnen durchzuführen, die zuvor enormen manuellen Aufwand erfordert hätten.
