Gen- und Zelltherapien: Studien in Deutschland brechen um 39 Prozent ein
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Bestandsaufnahme des pharmazeutischen Forschungs- und Entwicklungsstandorts Deutschland zeigt eine anhaltende Stagnation. Wie Fraunhofer Gesundheit, der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) und das Beratungsunternehmen Vintura laut einem Bericht vom 12. Oktober 2026 im Rahmen ihres gemeinsamen PROUD-Updates 2026 darlegen, zeichnet sich bei den zentralen Kennzahlen keine durchgreifende Erholung ab.
Von insgesamt 28 Indikatoren verbesserten sich gegenüber Oktober 2025 genau neun, während sich im selben Zeitraum ebenfalls neun Indikatoren verschlechterten. Die Analyse stützt sich auf eine Befragung von 71 Fachleuten und stellt die dritte Erhebung seit 2024 dar.
Rückschritte in der klinischen Phase und sinkendes Risikokapital
Vor allem bei den klinischen Entwicklungsschritten offenbaren sich deutliche Bremsspuren. Zwar legten in der Vorklinik die Publikationen um 3 Prozent und die Patente um 0,6 Prozent zu, doch in der klinischen Praxis gingen die Phase-I-Studien um 10 Prozent zurück.
Noch deutlicher fällt der Rückgang bei Studien zu Gen- und Zelltherapien aus, die ein Minus von 39 Prozent verzeichnen. Der deutsche Anteil an der weltweiten Patienten-Rekrutierung liegt derzeit bei rund 3,0 Prozent.
Zugleich steht der Sektor unter finanziellem und personellem Druck. Das Eigenkapital im Bereich Life-Science sank um 15 Prozent. Parallel dazu verringerte sich die Talent-Attraktivität um 4 Punkte auf einen Wert von 66. Auch die Erwartung an die Fachkräftequalifikation ging von 7,90 auf 7,29 zurück.
Die von Experten eingeschätzte Gesamtattraktivität des Standorts sank im zweiten Jahr in Folge auf 5,65 von 10 Punkten, nach 6,03 und 5,80 in den vorangegangenen Erhebungen.
Genehmigungszeiten verkürzt, Translationslücken bleiben bestehen
Neben den Rückgängen weist die Erhebung auch einzelne Verbesserungen aus. Wie aus einem Bericht vom 13. Oktober 2026 hervorgeht, stieg Deutschland im weltweiten Länderranking der klinischen Studien um eine Position auf. Zudem verkürzten sich die behördlichen Genehmigungsfristen für Studien um 19 Tage.
Die dritte PROUD-Erhebung seit 2024 zeigt: Von 28 Indikatoren haben sich neun verbessert und neun verschlechtert — bei Gen- und Zelltherapie-Studien steht ein Minus von 39 Prozent. Wer seine Studienplanung am Standort Deutschland verteidigen will, braucht die Zahlen und die Hebel. Jetzt kostenlosen Standort-Report anfordern
Demgegenüber wächst die Schere bei neuen Behandlungsoptionen: Die Zahl der von der US-Behörde FDA priorisierten, in der Europäischen Union jedoch nicht zugelassenen Arzneimittel erhöhte sich von 36 im Jahr 2023 auf 41 im Jahr 2025.
Köhl von Fraunhofer Gesundheit verwies auf ein anhaltendes Translationsproblem und betonte, dass Bürokratie sowie bestehende Finanzierungslücken die Wertschöpfung bremsten.
Meergans vom vfa warnte vor einer Abwanderung von geistigem Eigentum und einer indirekten Wirtschaftsförderung für andere Länder, weshalb eine klare Gesamtstrategie nötig sei. Die beteiligten Institutionen richten hierzu entsprechende Forderungen an die Hightech-Agenda-Roadmap des BMFTR.
Vor einer parlamentarischen Anhörung zum Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GeDIG) im Gesundheitsausschuss des Bundestages forderte der vfa laut einem Bericht vom 13. Oktober 2026 weitere gesetzliche Anpassungen.
Life-Science-Eigenkapital sinkt um 15 Prozent, die Talent-Attraktivität fällt auf 66 Punkte — und die Translationslücke zwischen Forschung und Therapie wächst weiter. Dieser Leitfaden zeigt, welche gesetzlichen Anpassungen forschende Pharmaunternehmen jetzt einfordern und wie Sie Ihre Standortstrategie absichern. Leitfaden zur Standortstrategie jetzt sichern
Dazu zählen einfache Zugangsverfahren, eine strukturierte Einbindung der forschenden Pharmaunternehmen in die nationale Umsetzung des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) sowie die Vergabe einer Forschungskennziffer für bestehende Datenbestände.
Geisthardt vom vfa unterstrich, dass sich der Erfolg künftiger Maßnahmen vor allem daran messe, wie schnell neue Erkenntnisse in konkrete Therapien übersetzt werden könnten.
