General Motors: Neue Rechnerarchitektur bringt 40-fache Rechenleistung
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deGeneral Motors richtet seine Fahrzeugentwicklung grundlegend neu aus. Der US-Automobilkonzern stellt künftig intelligenz-definierte Fahrzeuge in den Mittelpunkt und plant, autonome Technologien in seine absatzstärksten Modellreihen zu integrieren, um sich im weltweiten Wettbewerb zu behaupten.
Wie aus Berichten vom 21. Oktober 2026 hervorgeht, bildet eine neu konzipierte Zentralrechner-Architektur (Central Compute Unit, CCU) den Kern dieses Vorhabens.
Der Zentralrechner soll die rund 40-fache Rechenleistung heutiger GM-Modelle bereitstellen, den Verkabelungsaufwand um 30 Prozent verringern und bis zu 50 Prozent schnellere Mobilfunkverbindungen erlauben. Der Ersteinsatz ist für das Jahr 2028 im vollelektrischen Cadillac ESCALADE IQ vorgesehen.
Rollout von Highway-Autonomie und breiter Rechnerarchitektur
Mit dem Start im Cadillac Escalade IQ sowie im Escalade iQL führt GM ab 2028 ein System für die sogenannte Eyes-off-Autonomie ein, bei dem Fahrende die Aufmerksamkeit zeitweise vom Verkehrsgeschehen abwenden können.
Die Funktion soll zunächst auf Highways nutzbar sein und später auf weitere Straßentypen ausgedehnt werden. Anschließend ist eine Ausweitung auf volumenstarke Full-Size-SUVs und Light-Duty-Pickups geplant; einen Zeitrahmen dafür nannte das Unternehmen noch nicht.
Die neue Rechnerarchitektur beschränkt sich nicht auf das Premiumsegment oder reine Elektroantriebe. Die CCU soll künftig ebenso in Verbrenner-Fahrzeugen sowie in Modellen wie dem Chevrolet Traverse, Buick Enclave, GMC Acadia sowie den großen SUVs Chevrolet Tahoe, Chevrolet Suburban und GMC Yukon arbeiten.
Als datenseitige Basis dienen nach Unternehmensangaben mehr als 1,2 Milliarden Meilen, die Kunden im Hands-free-Modus des Fahrassistenzsystems Super Cruise in fast 750.000 Fahrzeugen zurückgelegt haben. Ergänzend erfassen hunderte Testfahrzeuge monatlich rund eine Million Meilen an Multisensor-Daten.
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Über computergestützte Simulationen generiert GM täglich über drei Milliarden virtuelle Meilen, was der Fahrleistung von rund 2,5 Millionen Fahrzeugen bei 50 Meilen pro Stunde entspricht. US-Amerikaner verbringen laut Berichten jährlich 95 Milliarden Stunden am Steuer und legen dabei 2,76 Billionen Meilen zurück.
Halbierung der Entwicklungszeit und KI-gestützte Konstruktion
GM beabsichtigt zudem, die traditionelle Entwicklungsdauer für neue Fahrzeuge von vier bis fünf Jahren auf rund zwei Jahre vom Konzept bis zum Serienanlauf zu verkürzen. Einen festen Zeitpunkt für das Erreichen dieser Vorgabe nannte GM nicht.
Daten des Beratungshauses AlixPartners verdeutlichen den Druck der Branche: Demnach bringen chinesische Automobilhersteller Neufahrzeuge mit Entwicklungszyklen von zwei bis drei Jahren doppelt so schnell auf den Markt, benötigen 40 bis 50 Prozent geringere Investitionen und verfügen über einen Kostenvorteil von 30 Prozent.
Um die Zyklen zu straffen, setzt GM vermehrt auf Methoden des maschinellen Lernens. Chief Product Officer Sterling Anderson berichtete, dass das Werkzeug Themed Aero aerodynamische Berechnungen in etwa 60 Sekunden ausgibt, für die zuvor bis zu 60 Stunden numerische Strömungsmechanik (CFD) nötig waren. Strukturanalysen nähmen nun wenige Stunden statt vier Monate in Anspruch.
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Ein 6,6-Liter-V8-Motor für den 2027 Chevrolet Silverado sei in einem Drittel der sonst üblichen Zeit und zu 80 Prozent der Prototypkosten entstanden. Bei der Corvette ZR1 sei eine Höchstgeschwindigkeit von 233 Meilen pro Stunde virtuell ermittelt, im realen Versuch mit 231 Meilen pro Stunde gemessen und nach Feinabstimmungen exakt bei 233 Meilen pro Stunde realisiert worden.
Neue Batterietechnologie und Ausbau digitaler Dienste
Flankiert wird die Strategie von der vierten Generation der konzerneigenen Elektrofahrzeugplattform. Diese nutzt erstmals in Serie lithium-mangan-reiche prismatische Batteriezellen (LMR), die im Joint Venture Ultium Cells mit LG Energy Solution im US-amerikanischen Spring Hill im Bundesstaat Tennessee gefertigt werden.
Die LMR-Technik soll eine 33 Prozent höhere Energiedichte als Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) zu vergleichbaren Kosten bieten und rund 20 Prozent mehr Reichweite je Kilowattstunde bereitstellen. Künftige GM-Elektromodelle sollen 25 Prozent aerodynamischer, 15 Prozent leichter und mit 40 Prozent weniger Bauteilen je Antriebsstrang gefertigt werden; die Batterien bauen 20 Prozent kompakter.
Über 300.000 Entwürfe wurden vor dem Bau erster Muster virtuell erprobt. Dadurch gelangte das LMR-Paket in einem Monat vom Konzept zur Freigabe, während die Laborzeit von mehr als 60.000 auf 256 Stunden sank und die Paketmontage um 30 Prozent schneller ablief.
Im Softwarebereich führt der Konzern in den kommenden Monaten den OnStar AI Assistant im Modelljahr 2027 des Cadillac LYRIQ über drahtlose Software-Aktualisierungen (Over-the-Air) im Abonnement ein.
Eine Ausdehnung auf Modellreihen wie den Chevrolet Silverado und GMC Sierra ist für das Folgejahr avisiert, teilweise über Nachrüstungen. Bis 2027 sollen alle digitalen Anwendungen unter der Marke OnStar gebündelt werden, die gegenwärtig 12 Millionen Abonnenten in 22 Märkten zählt.
Für das Jahr 2025 liegt die Software-Amortisation bei GM bei 866 Millionen US-Dollar. Analysten von UBS prognostizieren für GM einen Anstieg der Umsätze mit digitalen Angeboten von 3,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 9,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2036. Laut Erhebungen von PwC liegen die Margen softwarebasierter Dienste bei 30 bis 40 Prozent, verglichen mit etwa 10 Prozent beim klassischen Fahrzeugverkauf.
