Generation Z altert 92% schneller: Forscher schlagen Alarm
Veröffentlicht: 03.07.2026 um 19:56 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Longevity-Branche wächst rasant. Immer mehr Anbieter verkaufen Supplemente und Diagnostik, die den NAD-Spiegel messen. Der gilt in der Selbstoptimierungsszene als zentraler Indikator für zelluläre Alterung. Doch eine aktuelle Studie stellt diese Praxis infrage.
Blutwerte sagen wenig ĂĽber Gewebealter
Forscher veröffentlichten am 2. Juni in „Nature Metabolism“ Ergebnisse, die zeigen: Der NAD-Wert im Vollblut bleibt über verschiedene Altersstufen hinweg weitgehend stabil. Ein herkömmlicher Bluttest – Anbieter verlangen zwischen 40 und 120 Euro pro Monat – liefert keine verlässliche Aussage über den NAD-Status in Organen und Geweben.
Eine Untersuchung von Nestlé, ebenfalls in „Nature Metabolism“, bestätigte zwar: Vorstufen wie Nicotinamid-Ribosid (NR) und Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) heben den NAD-Spiegel bei gesunden Erwachsenen innerhalb von zwei Wochen an. Dennoch fehlt eine klare Korrelation zwischen diesen Blutwerten und einer Verlangsamung des biologischen Alterns. Die Forscher beobachteten zudem komplexe Interaktionen der Supplemente mit dem Darmmikrobiom – individuelle Stoffwechselvoraussetzungen spielen eine große Rolle.
Organ-Alterung als FrĂĽhwarnsystem
Präziser wird es durch die Analyse spezifischer Zelltypen. Die Stanford University nutzt Blutproteine, um das biologische Alter von elf Organsystemen und 40 Zelltypen zu bestimmen. Die Daten von rund 45.000 Teilnehmern zeigen: Eine beschleunigte Alterung bestimmter Zellen signalisiert ein massiv erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen.
Eine vorzeitige Alterung der Astrozyten – Stützzellen im Gehirn – korreliert mit einem 12,59-fach höheren Alzheimer-Risiko. Bei beschleunigter Alterung von Skelettmuskelzellen steigt das ALS-Risiko um das 12,74-Fache. Mit einem „Polycellular Aging Risk Score“ lässt sich die Überlebenswahrscheinlichkeit prognostizieren: Bei extremen Alterungswerten sank sie von 90 auf 34 Prozent. Unternehmen wie Teal Omics und Vero Bioscience arbeiten daran, diese Tests innerhalb von zwei bis drei Jahren auf den Markt zu bringen.
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JĂĽngere Generationen altern schneller
Forscher schlagen Alarm: Die nach 1965 Geborenen altern biologisch schneller als ihre Vorgänger. Eine Analyse von UK-Biobank- und US-Daten zeigt den Effekt besonders deutlich bei der Generation Z (Jahrgänge nach 1990). Ihr biologisches Alter liegt 92 Prozent höher als das der zwischen 1965 und 1969 Geborenen im vergleichbaren Lebensstadium.
Die beschleunigte Alterung geht mit einem signifikant erhöhten Krebsrisiko vor dem 55. Lebensjahr einher. Pro Standardabweichung beim biologischen Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Krebserkrankungen der Lunge, des Magen-Darm-Trakts oder der Gebärmutter um etwa 8 Prozent. Dr. Jan Hennigs vom YEARS Medical Center Berlin betont daher die Bedeutung der Präventionsmedizin. Die Kontrolle der „Big Five“ – Übergewicht, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Cholesterin – könne die gesunde Lebensspanne um mehr als zehn Jahre verlängern.
Medikamente mit ĂĽberraschender Wirkung
Auch Medikamente rücken in den Fokus. Daten des National Institutes of Health vom Juli 2026 deuten darauf hin: SGLT2-Hemmer, primär zur Diabetes-Behandlung eingesetzt, senken das Alzheimer-Risiko um 43 Prozent. GLP-1-Agonisten zeigen mit einer Senkung um 33 Prozent präventives Potenzial.
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Dagegen warnt eine im Juni veröffentlichte Studie in „Nature Metabolism“ vor der Langzeiteinnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI). Die Untersuchung an 66.000 Probanden ergab: Die dauerhafte Nutzung dieser Säureblocker erhöht das Demenzrisiko um 44 Prozent.
Einblicke in extreme Langlebigkeit liefert die Forschung am Darmmikrobiom. Eine Analyse in „Cell Reports Medicine“ untersuchte die Darmflora von über 100 Hundertjährigen. Bei Maria Branyas Morera, die im Alter von 117 Jahren starb, lag das biologische Alter bis zu 23 Jahre unter ihrem chronologischen Alter. Ihr Mikrobiom zeichnete sich durch eine fünffach höhere Konzentration an Bifidobakterien aus. Forscher führen das auf eine lebenslang beibehaltene mediterrane Diät und den täglichen Konsum von Joghurt zurück.
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