Generation, Druck

Generation Z unter Druck: Schlafstörungen um 113 Prozent gestiegen

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Krankenkassendaten und Arbeitsmarktanalysen dokumentieren mehr psychische Belastungen, längere Ausfälle und besonderen Druck auf junge Beschäftigte.

Psychische Gesundheit: Neue Daten zeigen wachsenden Arbeitsdruck
Ein minimalistischer, leerer Arbeitsplatz mit einem geschlossenen Laptop vor einem Fenster in der Abenddämmerung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die kurzfristige Absage einer Lesung durch Sarah Kuttner am 27. August 2026 in Bad Ragaz (Schweiz) rückt das Thema der psychischen Gesundheit erneut in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Kuttner begründete diesen Schritt mit Erschöpfung und gab an, ihre eigene Belastbarkeit überschätzt zu haben.

Die Autorin und Moderatorin, die sich bei Fans und Veranstaltern entschuldigte, thematisiert seit Jahren offen ihre gesundheitlichen Herausforderungen, darunter Depressionen im Jahr 2007, Panikattacken im Jahr 2009 sowie eine im Jahr 2023 öffentlich gemachte ADHS-Diagnose. Ihr Fall steht beispielhaft für eine Entwicklung, die sich in aktuellen statistischen Erhebungen und Arbeitsmarktanalysen manifestiert.

Gesundheitliche Trends und statistische Häufungen

Die Zunahme psychischer Belastungen wird durch Daten verschiedener Krankenkassen gestützt. Laut Auswertungen der AOK für das Jahr 2024 gab es durchschnittlich 2,3 Krankmeldungen pro Beschäftigtem, was einem Höchstwert von 228 Arbeitsunfähigkeitsfällen je 100 Mitglieder entspricht.

Während Atemwegserkrankungen die häufigste Ursache darstellten, verzeichneten psychische Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren einen Anstieg der Ausfalltage um 43 Prozent. Pro Fall fielen Beschäftigte durchschnittlich 28,5 Tage aus.

Ergänzend dazu zeigen Daten der KKH für den Zeitraum von 2014 bis 2024 einen Anstieg ambulanter Diagnosen psychisch bedingter Schlafstörungen um 73,5 Prozent. Besonders betroffen ist demnach die Generation Z: Bei den 25- bis 29-Jährigen betrug der Zuwachs 113 Prozent.

Die Barmer bezifferte die Zahl der Versicherten mit Schlafstörungen für das Jahr 2023 auf 7,3 Prozent, was hochgerechnet etwa 6,2 Millionen Betroffene in Deutschland entspricht.

International zeigt sich ein ähnliches Bild: In Belgien waren Ende 2025 laut Angaben des Versicherungsinstituts Likiv über 155.000 Menschen wegen Depressionen oder Burnout länger als ein Jahr arbeitsunfähig – ein Plus von 32 Prozent innerhalb von vier Jahren.

Belastungsfaktoren in Ausbildung und Arbeitswelt

Besonders unter Auszubildenden ist der psychische Druck laut dem DGB-Ausbildungsreport 2026 hoch. 50,6 Prozent der befragten Nachwuchskräfte gaben an, psychisch belastet zu sein. Zudem erklärten 65,3 Prozent, von ihrer Vergütung nur unzureichend oder gar nicht leben zu können. Ein kritisches Ergebnis des Berichts ist, dass 41,7 Prozent der Belasteten niemanden haben, mit dem sie über ihre Situation sprechen können.

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In der politischen Debatte forderte Arbeitsministerin Bas (SPD) am 28. August 2026 eine Überprüfung der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag. Sie regte Ausnahmen für tarifgebundene Unternehmen an und forderte Gespräche über eine Flexibilisierung, um den Druck auf Arbeitnehmer und Arztpraxen zu senken.

Unterstützung erhielt dieser Vorstoß vom DGB, während das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kaum Veränderungen durch eine solche Maßnahme erwartet.

Wie prekär die Lage in einzelnen Branchen ist, verdeutlicht das Beispiel der ambulanten Pflege: Fachkräfte wie Mandy Salomon in Neubrandenburg bewältigen bei einer 35-Stunden-Woche oft neun Einsätze pro Morgen, während gleichzeitig ein massiver Nachwuchsmangel herrscht.

Strategien zur Stressbewältigung und Prävention

Die Wissenschaft und Experten untersuchen verstärkt Phänomene wie die sogenannte „Leisure Sickness“. Laut einer Umfrage der Internationalen Hochschule Bad Honnef-Bonn vom 28. August 2026 sind 22 Prozent der Deutschen davon betroffen; sie erkranken typischerweise zu Beginn von Ruhephasen an Symptomen wie Müdigkeit oder Übelkeit, bedingt durch einen plötzlichen Abfall des Cortisolspiegels. Der TK-Stressreport 2025 belegt zudem, dass sich zwei Drittel der Deutschen gestresst fühlen, verglichen mit 57 Prozent im Jahr 2013.

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Zur Kompensation nutzen 83 Prozent der Befragten Spaziergänge, 78 Prozent Hobbys und 73 Prozent Musik. Sportwissenschaftler wie Michèl Gleich raten dazu, Erholung als festen Bestandteil des Trainings zu planen und Ruhetage ohne schlechtes Gewissen einzuhalten.

Für Führungskräfte empfiehlt sich laut Expertenberichten das Lebensbalance-Modell nach Nossrath Peseschkian, das ein Gleichgewicht zwischen Arbeit, Sinn, Körper und sozialen Beziehungen anstrebt.

Während in sozialen Medien Trends wie „Cortisolmaxxing“ zur Stressreduktion propagiert werden, mahnen Mediziner wie der Endokrinologe Peter Wolf zur Vorsicht, da Cortisol-Messungen im Blut oft unzuverlässig seien und der Hormonhaushalt komplexen Mechanismen unterliege.

Auch niedrigschwellige Angebote wie die Comic-Workbooks „Neurorush“ von Andreas Huck zielen darauf ab, den Zugang zu Gefühlen zu erleichtern, wobei Fachleute hier auf die Bedeutung fachlicher Qualifikation bei solchen Hilfsmitteln hinweisen.

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