Genetik von Essstörungen: Nur 10â12% Ăberlappung mit BMI
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer großangelegten Untersuchung des schwedischen Karolinska-Instituts, deren Ergebnisse am 19. August 2026 im Fachjournal Nature Mental Health veröffentlicht wurden, konnten Forscher neue Erkenntnisse über die genetische Architektur von Essstörungen gewinnen.
Die Studie stützt sich auf eine breite Datenbasis und identifiziert spezifische Genorte, die mit verschiedenen Formen pathologischen Essverhaltens korrelieren. Damit liefert die Forschung wichtige Belege für die biologische Eigenständigkeit dieser Erkrankungen.
Umfangreiche Datenanalyse am Karolinska-Institut
Die Wissenschaftler analysierten für die Untersuchung die Gendaten von insgesamt 39.279 Personen, die unter Essanfällen (Binge-Eating) leiden, sowie von 24.223 Betroffenen mit Magersucht (Anorexia nervosa). Um eine statistische Belastbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, wurden diese Daten mit einer Kontrollgruppe von mehr als 1,2 Millionen Personen abgeglichen.
Im Rahmen dieser Analyse konnten die Forscher insgesamt sechs genetische Marker identifizieren, die spezifisch mit Essanfällen in Verbindung stehen. Für das Krankheitsbild der Magersucht wurden acht Marker lokalisiert, von denen zwei in der wissenschaftlichen Literatur bisher als unbekannt galten. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Essstörungen auf einer komplexen genetischen Grundlage basieren, die sich je nach Krankheitsbild unterscheidet.
Geringe Korrelation zwischen BMI-Genetik und Essstörungen
Ein wesentlicher Aspekt der am 19. August 2026 publizierten Daten ist das Verhältnis zwischen der Genetik von Essstörungen und jener des Body-Mass-Index (BMI). Die Auswertungen zeigen, dass die genetische Varianz von Essstörungen nur zu einem geringen Teil durch die Genetik des Körpergewichts erklärt werden kann.
Die neue Studie des Karolinska-Instituts zeigt: Essstörungen sind genetisch eigenständig – und nicht allein eine Frage des Gewichts. Für Betroffene und Angehörige eröffnen sich dadurch neue Wege zu Diagnose und Therapie. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Den Forschungsergebnissen zufolge überlappt die Genetik von Essanfällen lediglich zu etwa 12 Prozent mit den für den BMI relevanten Genen. Bei der Magersucht ist dieser Anteil mit rund 10 Prozent noch geringer.
Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass Essstörungen als eigenständige Leiden zu betrachten sind, die weit über die reine Regulation des Körpergewichts hinausgehen. Die biologischen Mechanismen, die diese Störungen antreiben, scheinen demnach weitgehend unabhängig von der genetischen Veranlagung für ein bestimmtes Gewicht zu agieren.
Verbindung zu neuropsychiatrischen Erkrankungen
Die Studie des Karolinska-Instituts legt zudem nahe, dass unterschiedliche Formen von Essstörungen verschiedene biologische Ursprünge haben. Dies wird insbesondere durch die beobachteten Korrelationen mit anderen neuropsychiatrischen Zuständen deutlich.
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Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass die genetische Disposition für Essanfälle signifikante Überschneidungen mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) aufweist. Im Gegensatz dazu zeigt die genetische Signatur der Magersucht eine Korrelation mit Zwangsstörungen (OCD). Diese Differenzierung deutet darauf hin, dass Binge-Eating und Anorexie auf grundlegend unterschiedlichen neurobiologischen Prozessen beruhen könnten.
Zusammenfassend weisen die am 19. August 2026 vorgestellten Ergebnisse darauf hin, dass die klinische Einordnung von Essstörungen künftig stärker deren spezifische biologische und psychiatrische Profile berücksichtigen muss. Die Entdeckung der neuen Genorte bietet eine Grundlage für ein tieferes Verständnis der Krankheitsentstehung jenseits etablierter Erklärungsmodelle, die primär auf das Körpergewicht fokussieren.
