Genetische, Risiken

Genetische Risiken: Jeder Mensch liegt bei drei Krankheiten in den Top 10 Prozent

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 17:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Genomanalyse zeigt hÀufig hohe relative Risikowerte, betont aber, dass diese keine Erkrankung vorhersagen.
Eine Nahaufnahme eines glÀsernen DNA-Modells vor einem unscharfen, dunklen Laborhintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Eine im Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Genome Medicine veröffentlichte Untersuchung zeigt, wie verbreitet genetische Veranlagungen fĂŒr komplexe Leiden in der Bevölkerung sind. Ein 16-köpfiges Forschungsteam um Caroline Wright von der UniversitĂ€t Exeter analysierte dafĂŒr knapp eine Million Genome.

Die DatensĂ€tze stammten aus der UK Biobank mit 490.541 Profilen sowie der US-Initiative All of Us mit 414.830 Profilen. Die auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft fĂŒr Humangenetik vorgestellten Ergebnisse verdeutlichen, dass statistische Spitzenwerte bei Krankheitsrisiken keinen Ausnahmebefund darstellen, sondern den Regelfall abbilden.

Bei der Auswertung sogenannter polygener Risikoscores fĂŒr 28 hĂ€ufige Leiden – darunter Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schizophrenie, Alzheimer, Parkinson, Arthritis und Osteoporose – zeigte sich ein klares Muster: Der Durchschnittsmensch zĂ€hlt bei rund drei dieser Erkrankungen zu den obersten 10 Prozent der Risikoverteilung. Zudem gehört eine von fĂŒnf Personen bei mindestens einer der untersuchten Krankheiten sogar zu den obersten ein Prozent des polygenen Risikoscores.

Millionen Abweichungen im menschlichen Erbgut

Das menschliche Genom umfasst etwa 3,1 Milliarden Basenpaare. Die Auswertung der UniversitĂ€t Exeter ergab, dass jedes Erbgut im Durchschnitt rund fĂŒnf Millionen Abweichungen vom Referenzgenom aufweist. Lediglich 1,5 Prozent dieser Varianten gelten als selten. Rund 10.000 dieser Abweichungen verĂ€ndern Proteine.

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Zudem trÀgt jeder Mensch durchschnittlich ein bis drei seltene Varianten mit einem bereits nachgewiesenen Zusammenhang zu schweren Erbkrankheiten. Hinzu kommen etwa 50 seltene Varianten unklarer klinischer Bedeutung. Das Erbgut unterliegt auch beim Generationenwechsel stetigen VerÀnderungen: Nachkommen weisen im Schnitt 63 neue sogenannte De-novo-Varianten auf. Diese Zahl nimmt um 1,2 Mutationen pro Lebensjahr des Vaters zu.

Aussagekraft und Grenzen statistischer Risikowerte

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass ein erhöhtes genetisches Risiko keineswegs mit einer tatsÀchlichen Erkrankung gleichzusetzen ist. Der reale Gesundheitszustand der Studienteilnehmer wurde in der Untersuchung nicht erfasst. Eine Einordnung in die obersten 10 Prozent eines polygenen Scores beschreibt lediglich die relative Position innerhalb einer Vergleichsgruppe und bedeutet keine Erkrankungswahrscheinlichkeit von 90 Prozent.

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Genetische Befunde mĂŒssen daher stets im Zusammenspiel mit klinischen Symptomen, der individuellen Familienanamnese und Ă€ußeren Umweltfaktoren bewertet werden. Hinzu kommt eine methodische EinschrĂ€nkung: Die zugrunde liegenden DatensĂ€tze beschrĂ€nken sich auf Personen mit westeuropĂ€ischer Abstammung, weshalb sich die Resultate nicht uneingeschrĂ€nkt auf andere Bevölkerungsgruppen ĂŒbertragen lassen.

Vor diesem Hintergrund warnen die Forschenden vor Überdiagnosen durch den ĂŒbermĂ€ĂŸigen Einsatz unkritischer Gentests. Fachleute verweisen auf das notwendige Gleichgewicht zwischen diagnostischem Nutzen und den Gefahren von Fehlinterpretationen. Dabei gelte es strikt zwischen frei verkĂ€uflichen Gentests fĂŒr Endverbraucher und gezielten medizinischen Diagnosetests im klinischen Rahmen zu unterscheiden.

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