Genie, Praxistest

Genie G2 im Praxistest: Vier von sechs Robotern bestehen den Dauereinsatz

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Shanghaier Geschäft erledigten die Roboter 1.730 Aufgaben; vier der sechs Maschinen bestanden den Praxistest.
Ein hell erleuchteter, moderner Verkaufsraum eines Convenience Stores bei Nacht mit ordentlich gefüllten Regalen. Illustration mit AI erstellt.

Das Robotikunternehmen AgiBot hat sechs humanoide Roboter des Typs Genie G2 in einem 24-stündigen Praxistest in einem Convenience Store im Shanghaier Bezirk Xuhui eingesetzt. Der Probelauf begann am 2. November 2026 um 10:00 Uhr CST und endete am 3. November 2026 um 10:00 Uhr CST. Unter dem Titel eines Dauereinsatzes ohne Feierabend wurde der gesamte Ablauf öffentlich per Livestream übertragen.

Realbetrieb unter Alltagsbedingungen

Das Geschäft blieb während des gesamten Versuchszeitraums für reguläre Kundschaft geöffnet, wobei auf inszenierte Rücksetzungen verzichtet wurde. Der Test gliederte sich in vier Abschnitte: den Mittagsansturm, den Abendandrang, eine Nachtschicht sowie das Frühstücksgeschäft.

Die humanoiden Maschinen übernahmen dabei vielseitige Tätigkeiten im Ladenalltag. Dazu zählten die Kundenbegrüßung, die Abholung und Ausgabe von Waren, das Auffüllen sowie Kontrollieren der Regale, die Zubereitung von Heißspeisen und Kaffee, das Säubern von Tischen sowie die Entsorgung von Müll.

Insgesamt führten die Einheiten 1.730 Aufgaben aus. Die Statistik verzeichnete 683 Begrüßungen und Bedienvorgänge von Kunden, 369 Warenabholungen und -lieferungen, 277 Regalarbeiten, 147 Kaffeezubereitungen, 128 Tischreinigungen sowie 126 Bestellungen im Frühstückssegment.

Mit einem Anteil von 39,5 Prozent bildeten Begrüßung und Service den größten Aufgabenblock. Im Schnitt kam jede Maschine auf rund 12 Aktionen pro Stunde.

Technische Ausstattung und Ausfallquote

Die Genie G2 basiert auf einem radgetriebenen Doppelarm-Konzept mit insgesamt 26 Freiheitsgraden. Jeweils 7 Freiheitsgrade entfallen auf die beiden Arme, die eine Nennlast von jeweils 5 kg tragen können. Drei Freiheitsgrade liegen in der Taille, zwei weitere in den Beinen.

Anzeige

Wer sich mit dem technologischen Wandel in der Industrie befasst, erkennt schnell das enorme Potenzial von Robotik und KI. Dieser kostenlose Report liefert konkrete Einblicke in Unternehmen, die von Milliarden-Investitionen in diese Zukunftstechnologien profitieren. Robotik und KI: So erkennen Sie die Profiteure der neuen Industrieära

Für die Fortbewegung sorgt ein omnidirektionales Fahrgestell mit vier Lenkrädern. Die Energieversorgung stützt sich auf ein Dual-Batteriesystem mit Schnellwechseloption (Hot-Swap) und automatischer Andockladung. Die Umgebung erfassen die Systeme über drei Fischaugenkameras sowie zwei Lidar-Sensoren für eine 360-Grad-Überwachung.

Softwareseitig nutzt die Plattform das Basismodell GO-3 Preview, das Nachtrainingssystem GenieEvolver sowie das Dispositionsframework GenieMaster mit einem vierstufigen Ausführungsprotokoll und zwei Selbstverbesserungsschleifen.

Den Belastungstest meisterten allerdings nicht alle Einheiten. Lediglich vier der sechs eingesetzten Roboter bestanden den Testlauf. Ein für Reinigungsarbeiten eingeteiltes Modell sowie ein Roboter zur Regalpatrouille fielen durch.

Grenzen des autonomen Betriebs

Der Livestream zeigte neben den erfolgreichen Interaktionen auch Stillstände, Wiederholungsversuche und manuelle Problemlösungen während des laufenden Betriebs. Beobachter wiesen darauf hin, dass die 24-stündige Übertragung keinen Beleg für eine vollständig unterbrechungsfreie Arbeit ohne Ladezyklen, Wartungen oder helfende Eingriffe von Menschen darstellt.

Anzeige

Der technologische Umbruch im Bereich der Automatisierung schreitet rasant voran und verändert ganze Branchen grundlegend. Ein aktueller Report fasst zusammen, wie KI und Robotik die Wirtschaft umkrempeln und welche Akteure von dieser Entwicklung am stärksten profitieren könnten. Experten-Analyse zur Industrierevolution jetzt kostenlos herunterladen

AgiBot legte weder ein vollständiges Interventionsprotokoll noch detaillierte Erfolgsquoten oder ein formales Bewertungssystem vor. Offen bleiben zudem Fragen nach Ladedauern, dem konkreten Ausmaß menschlicher Unterstützung, der Arbeitsgeschwindigkeit sowie den Gesamtkosten im direkten Vergleich zu menschlichem Personal.

Der Praxistest schloss an den Innovationstag des Unternehmens vom 29. Oktober 2026 an, bei dem ein Bewertungsmodell auf Basis von Roboteranzahl, autonomer Arbeitszeit und Ausgabeeffizienz vorgestellt worden war. Zudem präsentierte AgiBot dort den Typ G2 Max mit einer Traglast von 40 kg über beide Arme, der bei dem Test in Shanghai jedoch nicht zum Einsatz kam.

Vizepräsident Ren Guanghui erklärte, dass der Einsatz in einem Convenience Store umfassende Fähigkeiten der Systeme überprüfe. Insbesondere der Umgang mit flexiblen Gegenständen, komplexe physische Kontaktvorgänge und mehrstufige Handlungsabfolgen stellten nach wie vor anspruchsvolle Herausforderungen dar.

Belastbare Daten aus dem Versuch sollen innerhalb von ein bis zwei Wochen in die künftigen Strategieanpassungen einfließen. Nach der vorangegangenen Auslieferung des 20.000sten Roboters strebt AgiBot als nächsten Schritt einen regulären, bezahlten Einsatzvertrag mit einer Handelskette an.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70457428 |