Gesetzesflut, Kommunen

Gesetzesflut in Kommunen: 89 Prozent sehen neue Vorgaben als grĂ¶ĂŸtes Problem

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Befragung zeigt hohe Arbeitslast, hÀufige Burnout-FÀlle und Kritik an neuen Gesetzen; von 200 Reformvorhaben sind 15 umgesetzt.
Ein langer, menschenleerer Flur in einem VerwaltungsgebĂ€ude mit geschlossenen BĂŒrotĂŒren und kĂŒhlem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine hohe Arbeitsdichte, wiederkehrende PersonalausfĂ€lle und eine stetig wachsende Flut an GesetzesĂ€nderungen belasten die BeschĂ€ftigten in den kommunalen Ämtern Norddeutschlands gravierend. Dies verdeutlicht eine breit angelegte wissenschaftliche Erhebung des NDR in Kooperation mit der UniversitĂ€t Konstanz, der Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen und der Leibniz UniversitĂ€t Hannover unter mehr als 1.300 Mitarbeitenden kommunaler Behörden in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. An der Untersuchung nahm Hamburg nicht teil.

Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild der personellen Schieflage an der Basis der Verwaltung. Demnach gaben 79 Prozent der Befragten an, unter einer zu hohen Arbeitsbelastung zu leiden.

Zwei Drittel der BeschĂ€ftigten, genau 66 Prozent, berichteten von Burnout-FĂ€llen bei sich selbst oder im unmittelbaren Kollegenkreis. Diese anhaltende Überbeanspruchung hinterlĂ€sst auch bei der Personalbindung Spuren: 53 Prozent der teilnehmenden Angestellten dachten bereits ĂŒber eine KĂŒndigung nach.

PersonalausfÀlle und Regelungsflut als zentrale Treiber

Auf die Frage nach den Auslösern fĂŒr die angespannte Lage nannten 72 Prozent der befragten Mitarbeiter PersonalausfĂ€lle als eine Hauptursache. Ein noch grĂ¶ĂŸerer Teil sieht die Ursachen im System selbst: FĂŒr 89 Prozent stellen immer neue Gesetze das grĂ¶ĂŸte Problem im Arbeitsalltag dar.

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Wie dynamisch und arbeitsintensiv sich rechtliche Anpassungen gestalten können, zeigt sich am Beispiel des AuslĂ€nderrechts, das seit dem Jahr 2019 ĂŒber 40 Mal geĂ€ndert wurde.

Ein Sprecher des Deutschen StĂ€dte- und Gemeindebunds verwies auf NDR Info darauf, dass zu viele Vorgaben und Regelungen die Ursache fĂŒr die hohe Belastung darstellten. Diese Entwicklung sei ĂŒber einen langen Zeitraum entstanden und habe zu einer massiven KomplexitĂ€t der Verwaltungen gefĂŒhrt.

Wie sich diese Rahmenbedingungen auf Einzelschicksale auswirken, wird am Beispiel eines niedersĂ€chsischen Jugendamts sichtbar. Dort musste eine Mitarbeiterin statt der regulĂ€r vorgesehenen 60 FĂ€lle zeitweise 150 FĂ€lle möglicher KindeswohlgefĂ€hrdung bearbeiten und erkrankte infolge der Überlastung.

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Reformstau bei Bund und LĂ€ndern bremst Entlastung

Trotz der bekannten Probleme greifen politische Gegenmaßnahmen bislang nur schleppend. Zwar hatten Bund und LĂ€nder Ende 2025 eine gemeinsame Modernisierungsagenda beschlossen, die insgesamt 200 Einzelmaßnahmen zur Entlastung und Effizienzsteigerung vorsieht. Davon wurden nach den Erhebungen bislang jedoch lediglich 15 Vorhaben in die Praxis umgesetzt.

Ohne spĂŒrbare Reformen, BĂŒrokratieabbau und wirksame Vertretungsregelungen droht sich der Teufelskreis aus steigenden AusfĂ€llen, wachsender Aufgabenlast und drohenden KĂŒndigungen in den RathĂ€usern und LandratsĂ€mtern weiter zu verschĂ€rfen. Die Ergebnisse unterstreichen die Dringlichkeit, kommunale Strukturen an die reale KapazitĂ€t des Personals anzupassen.

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