Gesund altern: Kraft- und Gleichgewichtstraining sichern UnabhÀngigkeit ab 60
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
FachbeitrĂ€ge und internationale Gesundheitsdaten unterstreichen die wachsende Bedeutung kombinierter Trainingsformen fĂŒr ein gesundes Altern. Um die physische UnabhĂ€ngigkeit jenseits des 60. Lebensjahres langfristig zu sichern, reicht einfaches Gehen allein nicht aus.
Erforderlich ist vielmehr eine gezielte VerknĂŒpfung von Krafttraining und GleichgewichtsĂŒbungen. WĂ€hrend Kraftreize Alltagsbewegungen wie das Treppensteigen und das Tragen von Lasten unterstĂŒtzen, beugt die Schulung der Balance StĂŒrzen vor.
Sarkopenie und die gesundheitlichen Folgen von StĂŒrzen
Der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und -funktion, in der Medizin als Sarkopenie bezeichnet, setzt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bereits ab Mitte 30 ein. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrifft diese Degeneration bis zu 50 Prozent der ĂŒber 80-JĂ€hrigen, wobei sich die Mehrzahl der FĂ€lle bei Personen ab 70 Jahren manifestiert.
Die Risiken sind erheblich: Neben StĂŒrzen und KnochenbrĂŒchen drohen kognitive EinschrĂ€nkungen wie Demenz sowie wiederholte Klinikaufenthalte. Zur Diagnose dienen Verfahren wie der DXA-Scan zur Messung der Muskelmasse, Bestimmungen der Handgriffkraft sowie standardisierte Funktionstests wie die Short Physical Performance Battery (SPPB) oder der Timed-Up-and-Go-Test (TUG).
Wie gravierend die Folgen mangelnder StabilitĂ€t sind, belegen internationale Unfallstatistiken. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC stĂŒrzt jĂ€hrlich einer von vier Erwachsenen im Alter ab 65 Jahren; ĂŒber 2,8 Millionen sturzbedingte Verletzungen mĂŒssen pro Jahr in den Notaufnahmen der Vereinigten Staaten behandelt werden.
In der Schweiz verzeichnen die Behörden eine Ă€hnliche Problematik: Laut der Beratungsstelle fĂŒr UnfallverhĂŒtung (BfU) sterben dort jĂ€hrlich 1.700 Menschen an den Folgen von StĂŒrzen, davon 95 Prozent im Alter von ĂŒber 65 Jahren.
Die HĂ€lfte dieser folgenschweren Ereignisse passiert in der eigenen Wohnung. Die direkten Behandlungskosten fĂŒr SpitĂ€ler, Operationen und Rehabilitation belaufen sich laut BfU auf 1,8 Milliarden Franken pro Jahr, wobei die tatsĂ€chlichen gesellschaftlichen Gesamtkosten noch deutlich darĂŒber liegen.
Bewegungsmangel und offizielle Richtlinien
Die WHO empfiehlt Ă€lteren Erwachsenen ein wöchentliches Pensum von 150 bis 300 Minuten moderater AusdaueraktivitĂ€t, kombiniert mit MuskelkrĂ€ftigung an mindestens zwei Tagen sowie Ăbungen fĂŒr Gleichgewicht und funktionelle Kraft an drei oder mehr Tagen pro Woche.
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Dass diese Vorgaben im Alltag selten erreicht werden, zeigt unter anderem eine Studie des Zentrums fĂŒr öffentliche Gesundheit der MedUni Wien unter Leitung von Cristina Fastl. Aus einer Datenbasis von 3.995 Personen ab 65 Jahren ging hervor, dass lediglich 29,6 Prozent der Ă€lteren Bevölkerung in Ăsterreich die aeroben Mindestziele erfĂŒllen.
Modellrechnungen der Wissenschaftler ergaben, dass bei Erreichen dieser Richtwerte bis zu 46,6 Prozent der SchlaganfÀlle, 40,8 Prozent der Herzinfarkte und 35,8 Prozent der FÀlle von Diabetes mellitus hypothetisch vermeidbar wÀren.
Auch AktivitĂ€ten unterhalb der offiziellen Schwellenwerte bringen jedoch bereits einen gesundheitlichen Nutzen. Fachleute wie die Ărztin AurĂ©lie Tahar von den UniversitĂ€tsspitĂ€lern Genf, wo seit zwei Jahren ein entsprechendes PrĂ€ventionsprogramm angeboten wird, raten Ă€lteren Menschen zu regelmĂ€Ăiger Bewegung in Verbindung mit einer proteinreichen Kost.
Warnsignale wie Brustschmerzen, ungewöhnliche Atemnot, Schwindel oder vorangegangene StĂŒrze dĂŒrfen keinesfalls verharmlost werden und erfordern eine unmittelbare Ă€rztliche AbklĂ€rung.
Gezieltes Muskeltraining und kognitive BalanceĂŒbungen
Beim Krafttraining kommt der GesĂ€Ămuskulatur â bestehend aus Gluteus maximus, medius und minimus â eine zentrale Rolle zu. Eine SchwĂ€che dieser Muskeln ĂŒberlastet Oberschenkel und RĂŒcken, beeintrĂ€chtigt die Haltung und fĂŒhrt zu GelenkschĂ€den. Ein gezieltes GesĂ€Ămuskeltraining stabilisiert das Becken und die WirbelsĂ€ule, dĂ€mpft StoĂbelastungen ab und mindert Knie- sowie RĂŒckenschmerzen.
Physiotherapeuten heben hervor, dass eine funktionsfĂ€hige GesĂ€Ămuskulatur die Grundvoraussetzung fĂŒr elementare Handlungen wie das Aufstehen von der Toilette oder das Aussteigen aus öffentlichen Verkehrsmittel bildet. Zu den empfohlenen Ăbungen zĂ€hlen Kniebeugen, Beckenheben, die GesĂ€ĂbrĂŒcke, HĂŒftabduktionen und Treppensteigen.
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Um die SturzprĂ€vention weiter zu verbessern, empfehlen Experten sogenannte Dual-Task-Ăbungen. Hierbei wird das Balancetraining gleichzeitig mit einer kognitiven Aufgabe kombiniert â etwa das Stehen auf einem Bein wĂ€hrend des Faltens von WĂ€sche oder das Gehen beim Telefonieren. Dies senkt das Sturzrisiko und schult parallel die Hirnleistung.
FĂŒr die sichere DurchfĂŒhrung zu Hause sollten vorab potenzielle Stolperfallen beseitigt, rutschfeste Matten genutzt und eine ausreichende Beleuchtung gewĂ€hrleistet werden.
