Gesunde, Lebensweise

Gesunde Lebensweise: Studie verknüpft 23 Gewohnheiten mit 30 Prozent weniger Sterberisiko

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden ausgewogene Lebensgewohnheiten und soziale Aktivitäten mit geringerem Sterberisiko und stabiler Kognition im Alter.
Ein sonnendurchfluteter Parkweg mit herbstlichen Bäumen und leeren Holzbänken in einer ruhigen Grünanlage. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Analysen und Expertenvorträge unterstreichen zunehmend die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Prävention, um die Gesundheit der Bevölkerung bis ins hohe Alter zu erhalten.

Neben regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen rücken vor allem Faktoren wie Ernährung, körperliche Betätigung und die soziale Teilhabe in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Debatte darüber, wie ein langes und zugleich gesundes Leben gelingen kann.

Auf Fachpodien wie der Veranstaltungsreihe Menschen in Europa im Medienzentrum Passau diskutierten Beteiligte wie Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach, der Sportwissenschaftler Ingo Froböse und Wissenschaftsjournalistin Nina Ruge die Frage, inwieweit eine verlängerte Gesundheitsspanne machbar ist und welche Rolle das Zusammenspiel von Lebensstil und medizinischer Versorgung dabei spielt.

Ernährung und Bewegung als wissenschaftlich belegte Säulen

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern deutliche Hinweise darauf, dass alltägliche Verhaltensweisen das Sterblichkeits- und Krankheitsrisiko messbar beeinflussen. Eine am 9. Oktober 2026 im Fachmagazin American Journal of Clinical Nutrition erschienene Studie von Forschenden aus Madrid und Groningen begleitete 105.812 Erwachsene über im Mittel gut 13 Jahre innerhalb der Lifelines-Kohorte.

Anhand des sogenannten Medlife-Index mit 23 Gewohnheiten rund um Essen und Lebensweise zeigte sich, dass das oberste Viertel der Teilnehmenden ein um 30 Prozent niedrigeres Sterberisiko aufwies als die Gruppe mit den geringsten Punktwerten.

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In Verbindung mit einem oberen Einkommensdrittel sank das Sterberisiko sogar um 46 Prozent. Eine DZNE-Studie an Daten von rund 7.500 Erwachsenen ergab zudem, dass gesunde Ernährungsweisen mit einem langsameren biologischen Altern gemessen an der DNA-Methylierung verknüpft sind.

Gleichzeitig mahnen Mediziner zur Differenzierung. Professor Michael Denkinger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie, stellte in einem Beitrag Anfang Oktober klar, dass Altern keine Krankheit sei.

Für viele als Verjüngungsmittel angebotene Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine oder experimentelle Peptide gebe es beim Menschen keinen belastbaren Nachweis einer lebensverlängernden Wirkung. Gesichert seien vielmehr Rauchverzicht, wenig Alkohol, Impfungen, Früherkennung sowie gezieltes Training von Ausdauer, Beinkraft und Gleichgewicht.

Wie wirksam Bewegung ist, belegte die sogenannte LIFE-Studie an über 1.600 wenig aktiven Menschen zwischen 70 und 89 Jahren: Ein strukturiertes Trainingsprogramm konnte bei etwa jedem 19. Teilnehmenden den Verlust der Gehfähigkeit abwenden.

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Auswertungen der US-amerikanischen Nurses’ Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study zeigten zudem bei Personen mit der höchsten Gesamtaktivität ein signifikant geringeres Risiko für Demenzerkrankungen.

Kognitiver Erhalt durch soziale Teilhabe

Prävention im Alter geht nachweislich über rein physische Faktoren hinaus. Eine am 20. Oktober 2026 im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlichte Metaanalyse aus fÜnf Langzeitstudien mit 57.793 älteren Menschen aus 24 Ländern belegt, dass soziale Aktivitäten die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter stabilisieren.

Der positive Effekt stieg stufenweise bei zwei sowie drei oder mehr regelmäßigen Aktivitäten an, wobei sich insbesondere ein Engagement in Sportvereinen und im Ehrenamt als wirksam erwies.

Auch die Weltgesundheitsorganisation verweist darauf, dass nahezu die Hälfte des weltweiten Demenzrisikos auf beeinflussbare Faktoren entfällt. In ihren Leitlinien nennt die WHO neben körperlicher und geistiger Betätigung ausdrücklich soziale Kontakte als wichtigen Schutzfaktor.

Systemischer Handlungsbedarf bei den gesunden Lebensjahren

Die Diskussion um wirksame Präventionsstrategien trifft auf wachsende ökonomische Herausforderungen. Ein Positionspapier des Bosch Health Campus hebt hervor, dass Deutschland im Jahr 2025 nach vorläufigen Schätzungen knapp 580 Milliarden Euro für Gesundheit aufgewendet hat.

Trotz dieser hohen Ausgaben lag die gesunde Lebenserwartung im Jahr 2024 laut Daten von Eurostat bei lediglich 62,4 Jahren und damit unter dem EU-Durchschnitt von 65,2 Jahren. Experten fordern daher eine gezielte Neuausrichtung des Systems, um den Fokus stärker von reiner Behandlung auf die Förderung von Gesundheitskompetenz und wirksame Vorbeugung vor Ort zu verlagern.

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