Gesundheitsdigitalisierung, Linnemann

Gesundheitsdigitalisierung: Linnemann startet E-Rezept-Offensive

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 12:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neuer Gesundheitsminister Linnemann treibt Digitalisierung voran: E-Rezept-Direktübermittlung, Faxverbot bis 2029 und Leistungskürzungen bei Kassen.

Gesundheitsdigitalisierung: Linnemanns Reformen und E-Rezept-Pflicht ab 2026
Moderne deutsche Apotheke mit digitalem Tablet, das eine E-Rezept-Oberfläche anzeigt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der deutsche Gesundheitssektor erlebt einen tiefgreifenden Wandel: Mit dem Amtsantritt des neuen Gesundheitsministers Dr. Carsten Linnemann und gleich zwei Reformgesetzen startet die digitale Transformation in eine entscheidende Phase. Praxen, Apotheken und Patienten müssen sich auf weitreichende Veränderungen einstellen – von der direkten E-Rezept-Übermittlung bis zum Aus für Faxgeräte.

Linnemann übernimmt Gesundheitsministerium

Dr. Carsten Linnemann wurde am 29. Juli 2026 als neuer Bundesgesundheitsminister vereidigt. Er tritt die Nachfolge von Nina Warken an. Der Führungswechsel fällt zeitlich mit der Umsetzung zweier zentraler Gesetze zusammen: dem Apotheken-Versorgungs- und Verwaltungsgesetz (ApoVWG) sowie dem GKV-Stabilisierungsgesetz (GKV-BStabG). Beide Regelungen verändern die Abläufe bei digitalen Verschreibungen und die Erstattungspraxis der Krankenkassen grundlegend.

Direkte E-Rezept-Übermittlung für Pflegeeinrichtungen

Seit dem 30. Juli 2026 dürfen Arztpraxen elektronische Rezept-Tokens direkt an Apotheken senden, die Pflegeheime versorgen. Diese Regelung stellt eine gezielte Ausnahme vom grundsätzlichen Verbot der Rezeptzuweisung dar und ist bis Ende 2028 befristet. Bis 2029 sollen dann sämtliche Pflegeheime direkt an den zentralen E-Rezept-Fachdienst der Gematik angebunden sein.

Voraussetzung für die Nutzung der digitalen Direktübertragung: Die Apotheke muss über einen gültigen Versorgungsvertrag für Pflegeeinrichtungen verfügen. Die Umstellung dürfte besonders für Heimversorger eine spürbare Erleichterung bedeuten – Schluss mit Zettelwirtschaft und Botenfahrten.

Krankenkassen: Weniger Leistungen, höhere Apothekenhonorare

Das GKV-Stabilisierungsgesetz bringt für Versicherte spürbare Einschnitte. Cannabisblüten werden nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet. Anerkannt bleiben künftig nur noch Extrakte und bestimmte Fertigarzneimittel wie Dronabinol oder Nabilon – allerdings weiterhin nur nach vorheriger Genehmigung. Auch homöopathische und anthroposophische Arzneimittel sind aus dem GKV-Leistungskatalog gestrichen und müssen nun privat verordnet werden.

Parallel dazu hat die Bundesregierung eine zweistufige Erhöhung der Apothekenhonorare beschlossen. Der Festzuschlag für verschreibungspflichtige Arzneimittel stieg im Juli 2026 auf 9,00 Euro und soll im Januar 2027 auf 9,50 Euro angehoben werden. Für die Krankenkassen bedeutet das Mehrkosten von rund 250 Millionen Euro in diesem Jahr – ab 2027 sogar jährlich etwa 875 Millionen Euro. Kein Wunder also, dass die Kassen wenig Begeisterung zeigen.

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Elektronische Hilfsmittelverordnung nimmt Fahrt auf

Die Digitalisierung erfasst nun auch die Verordnung von Hilfsmitteln wie Bandagen, Orthesen und Kompressionsstrümpfen. In einem Projekt mit sieben Krankenkassen und dem IT-Dienstleister CGM wird die elektronische Hilfsmittelverordnung („eHiMi") in die Telematikinfrastruktur integriert. Papierformulare bleiben vorerst gültig, doch die digitalen Verordnungen lassen sich direkt in der Praxissoftware erstellen und über die Kassen-Apps verarbeiten.

Das Ende des Faxgeräts ist besiegelt

Die Bundesregierung zieht die digitale Schippe nach: Das GeDIG-Gesetz, das Mitte Juli 2026 vom Kabinett verabschiedet wurde, sieht ein Faxverbot im Gesundheitswesen bis Herbst 2029 vor. Gleichzeitig werden elektronische Überweisungen (E-Überweisungen) ab dem 1. September 2029 zur Pflicht. Der dafür vorgesehene Dienst bei der Gematik arbeitet unabhängig von der elektronischen Patientenakte (ePA) – ein bewusster Schritt, um die Systeme nicht zu überlasten.

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Technische Hürden und Wachstum im Markt

So vielversprechend die neuen Möglichkeiten klingen, so holprig gestaltet sich die Umsetzung. Ende Juli 2026 meldete die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) Störungen bei der E-Rezept-Verarbeitung. Die Gematik widersprach: Es habe keine systemweiten Ausfälle gegeben, Probleme einzelner Komponenten seien behoben. Dennoch laufen technische Analysen und Verbesserungen, um die Infrastruktur zu stabilisieren.

Während die gesetzlichen Krankenkassen mit den Kosten kämpfen, zeigen sich private Anbieter optimistisch. Redcare Pharmacy hat nach einem starken zweiten Quartal seine Umsatzprognose für 2026 angehoben. Rund 1,7 Millionen aktive Kunden zählt der Online-Anbieter im deutschen Rezeptmarkt. Die EBITDA-Marge erreichte mit 3,5 Prozent den höchsten Stand seit zehn Jahren – trotz der Kosten für die Umsetzung der verpflichtenden digitalen Signaturanforderungen. Ein klares Signal, dass das Geschäft mit digitalen Gesundheitsdienstleistungen boomt.

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