Gesundheitssicherstellungsgesetz: Ärzte fordern Nationale Reserve
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesärztekammer (BÄK) hat mit Blick auf die Krisenfestigkeit der medizinischen Infrastruktur weitreichende Reformen sowie eine gesetzliche Neuregelung der Vorsorge angemahnt.
In einem am 2. September 2026 in Berlin vorgestellten Strategiepapier mit dem Titel „Im Krisenfall handlungsfähig: Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht“ plädiert die Organisation für eine strukturelle Stärkung des Sektors, um künftigen Ausnahmesituationen effektiver begegnen zu können.
Strategische Neuausrichtung durch ein Gesundheitssicherstellungsgesetz
BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt sprach sich im Rahmen der Veröffentlichung für die Verabschiedung eines sogenannten Gesundheitssicherstellungsgesetzes aus. Das vorgelegte Papier definiert dabei drei zentrale Handlungsfelder: die Optimierung des Zusammenwirkens der Akteure, die Verbesserung von Ausstattung und Bevorratung sowie die Sicherung der personellen Ressourcen.
Ein konkreter Kernpunkt der Forderungen ist die Einrichtung eines Lagezentrums Gesundheit. Zudem plädiert die Ärzteschaft für den Aufbau einer Nationalen Reserve Gesundheitsschutz (NRGS). Diese solle so dimensioniert werden, dass eine Bevorratung mit essenziellen medizinischen Gütern für einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten gewährleistet werden kann.
Kritik an Defiziten in der Arzneimittelversorgung
Unterstützung für eine gesetzliche Verankerung der Krisenvorsorge kommt auch aus dem Bereich der Pharmazie. Sven Seißelberg, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenpharmazie, kritisierte laut Berichten vom 2. September 2026 das Fehlen eines belastbaren Notfallplans für die Arzneimittelversorgung in Deutschland.
Ein Gutachten zur Krisenresilienz der Apotheken, das im Auftrag von Noweda und dem Deutschen Apotheker Verlag erstellt wurde, verdeutliche demnach das Fehlen staatlicher Unterstützung und strukturierter Notfallpläne.
Seißelberg fordert, dass das angestrebte Gesundheitssicherstellungsgesetz explizit die Arzneimittelversorgung regelt. Dabei müsse insbesondere die dezentrale Bevorratung gestärkt und eine finanzielle Unterstützung für Apotheken sichergestellt werden, um die Versorgungsfähigkeit im Ernstfall aufrechtzuerhalten.
Die Bundesärztekammer fordert ein Gesundheitssicherstellungsgesetz und eine Nationale Reserve für medizinische Güter. Wer als Entscheider im Gesundheitswesen jetzt handelt, kann Risiken in der Versorgung frühzeitig minimieren. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Einrichtung krisenfest machen – mit Checklisten und konkreten Handlungsempfehlungen. Leitfaden zur Krisenfestigkeit jetzt anfordern
Forderungen nach Reformen in der Notfallversorgung
Bereits am 1. September 2026 hatte die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) Nachbesserungen an den aktuellen Plänen zur Reform der Notfallversorgung verlangt. Die Organisation kritisierte unter anderem, dass ein geplantes Fachgremium nach § 133b SGB V nicht paritätisch besetzt sei. Zudem bemängelte die vfdb das Fehlen bundeseinheitlicher Standards und Unklarheiten bei der Finanzierung.
Als notwendige Schritte nannte der Verband die Etablierung integrierter Gesundheitsleitstellen sowie bundeseinheitliche Durchführungskompetenzen für Notfallsanitäter. Zudem dürfe das neue Gremium keine Bindungswirkung für künftige Kostenverhandlungen entfalten.
Finanzielle Herausforderungen in der Pflege und Langzeitversorgung
Die Debatte um die Resilienz des Systems wird durch massive finanzielle Forderungen aus dem Pflegesektor ergänzt. Vertreter der Langzeitpflege äußerten sich am 1. September 2026 im Rahmen einer Zukunftswerkstatt in Berlin ablehnend gegenüber dem aktuellen Entwurf für ein Pflege-Nachhaltigkeitsgesetz (PNOG). Sie fordern unter anderem die Rückzahlung von Corona-Hilfen in Höhe von 5,5 Milliarden Euro durch den Bund an die Pflegeversicherung.
Besonders kritisch wird die geplante Finanzierung der Digitalisierung bewertet. Während der Gesetzentwurf hierfür 1,6 Milliarden Euro vorsieht, beziffern Branchenvertreter den tatsächlichen Bedarf für den Anschluss an die Telematikinfrastruktur auf mindestens 9 Milliarden Euro.
Parallel dazu forderte die Deutsche Stiftung Patientenschutz am 2. September 2026 eine grundlegende Strukturreform durch die Zusammenlegung von privater und gesetzlicher Pflegeversicherung. Vorstand Eugen Brysch wies darauf hin, dass die Rücklagen der privaten Pflegeversicherung über 40 Milliarden Euro betragen würden.
Apotheker warnen: Deutschland hat keinen Notfallplan für die Arzneimittelversorgung. Die Politik diskutiert, doch wer jetzt die eigene Bevorratung und Notfallprozesse überprüft, sichert die Versorgung seiner Patienten. Dieser Report liefert Ihnen eine praxisnahe Anleitung zur Stärkung Ihrer Resilienz. Report zur Arzneimittel-Resilienz sichern
Eine Fusion könne demnach finanzielle Spielräume für 15 Jahre schaffen. Auch er kritisierte, dass der Bund zugesagte Mittel, wie die 5,5 Milliarden Euro für Corona-Kredite sowie jährliche Rentenversicherungsleistungen für pflegende Angehörige in Höhe von 5 Milliarden Euro, bislang nicht übernommen habe.
Eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) deute zudem darauf hin, dass geplante Schwellenwerterhöhungen lediglich Einsparungen von 2 Milliarden Euro statt der politisch anvisierten 4 Milliarden Euro jährlich erzielen könnten.
