Gesundheitsvorsorge, AOK-Chef

Gesundheitsvorsorge: 88% wollen gesund altern, nur 20% handeln aktiv

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

AOK-Chef fordert Umstellung der Vergütung auf Prävention, um die durchschnittlich 12-jährige Morbiditätslücke zu verkürzen und Anreize für gesundheitsbewusstes Verhalten zu schaffen.

AOK-Chef Packmohr: Prävention statt Reparaturmedizin im Gesundheitswesen
Ein Arzt im Gespräch mit einem Patienten in einer modernen, hellen Praxis zur Gesundheitsberatung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In der Debatte um die langfristige Finanzierbarkeit und Effektivität des deutschen Gesundheitswesens gewinnen Forderungen nach einer strukturellen Neuausrichtung an Gewicht. Markus Packmohr, Chef der AOK Bodensee-Oberschwaben, plädierte im August 2026 für eine grundlegende Reform des bestehenden Vergütungssystems. Im Zentrum seiner Analyse steht die Abkehr von einer rein kurativ ausgerichteten „Reparaturmedizin“ hin zu einem Modell, das die Gesundheitsvorsorge und den langfristigen Erhalt der Vitalität finanziell honoriert.

Die Herausforderung der Morbiditätslücke

Ein wesentliches Argument für die Umgestaltung der Honorarstrukturen ist die in Deutschland beobachtete Morbiditätslücke. Nach Angaben von Packmohr beträgt dieser Zeitraum, in dem Menschen zwar leben, aber bereits durch chronische Erkrankungen oder körperliche Einschränkungen belastet sind, im Durchschnitt 12 Jahre. Ziel einer Reform müsse es sein, diese Spanne zu verkürzen, indem medizinische Leistungen nicht erst beim Eintreten einer Krankheit vergütet werden, sondern bereits beim erfolgreichen Verhindern derselben.

Bisherige Anreizsysteme konzentrieren sich primär auf die Behandlung akuter Leiden. Ein präventionsorientiertes System würde hingegen sicherstellen, dass die Aufrechterhaltung der Gesundheit für Leistungserbringer ebenso attraktiv wird wie die Therapie von Erkrankungen.

Diskrepanz zwischen Gesundheitswunsch und Eigeninitiative

Hintergrund der Reformüberlegungen ist auch eine auffällige Lücke zwischen dem persönlichen Anspruch der Bürger und deren tatsächlichem Verhalten. Packmohr verwies in diesem Zusammenhang auf Ergebnisse einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey. Demnach gaben 88 % der Deutschen an, gesund altern zu wollen. Gleichzeitig zeigten die Daten jedoch, dass lediglich 20 % der Befragten proaktiv Maßnahmen ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen.

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Die AOK Bodensee-Oberschwaben, die rund 240.000 Versicherte betreut, sieht in dieser Diskrepanz einen klaren Handlungsauftrag für die Politik und die Sozialversicherungsträger. Es reiche nicht aus, auf die Freiwilligkeit der Versicherten zu setzen, wenn die systemischen Rahmenbedingungen keine ausreichenden Impulse für ein gesundheitsbewusstes Leben setzen.

Vorschläge für neue Anreizstrukturen und Verpflichtungen

Um die Präventionsquote signifikant zu erhöhen, brachte der AOK-Chef im August 2026 konkrete Maßnahmen ins Gespräch. Ein zentrales Element seines Vorschlags ist die Einführung von verpflichtenden Präventionskursen. Diese sollen sicherstellen, dass Versicherte frühzeitig mit gesundheitsfördernden Maßnahmen in Kontakt kommen und Risiken minimiert werden, bevor sie zu behandlungsbedürftigen chronischen Leiden führen.

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Darüber hinaus schlug Packmohr die Prüfung eines Gesundheitszuschlags für bestimmte Risikofaktoren vor. Ein solches Instrument könnte als finanzieller Anreiz dienen, um individuelles Fehlverhalten zu adressieren und die Eigenverantwortung der Versicherten innerhalb des solidarischen Systems zu stärken. Die Neugestaltung der Vergütung würde demnach eine Honorierung vorsehen, die sich weniger an der Menge der durchgeführten Behandlungen, sondern verstärkt an der messbaren Vermeidung von Morbidität orientiert.

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