Gewichtszunahme im Herbst: 195-Personen-Studie belegt nur 0,37 kg
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 11:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Einzug des Herbstes rücken vermehrt Berichte und Ratgeber über saisonale Müdigkeit, Antriebslosigkeit und natürliche Gegenmaßnahmen in den Fokus. Viele Menschen klagen bei kürzer werdenden Tagen über einen Leistungsabfall oder gedrückte Stimmung.
Wissenschaftliche Untersuchungen und medizinische Leitlinien differenzieren jedoch zwischen biologischen Anpassungsreaktionen des Körpers, verbreiteten Mythen und ernsthaften gesundheitlichen Ursachen.
Biologische Taktgeber und saisonale Effekte
Die physiologischen Gründe für herbstliche Trägheit sind gut erforscht. Eine im Journal of Physiological Anthropology thematisierte Wechselwirkung zeigt, dass die geringere Tageslichtmenge direkten Einfluss auf die innere Uhr nimmt. Durch die frühere Dunkelheit schüttet der Organismus vermehrt das Schlafhormon Melatonin aus, was das Müdigkeitsgefühl verstärken kann.
Gleichzeitig verläuft die Ausprägung saisonaler Stimmungstiefs individuell sehr unterschiedlich. Einer Studie der Universität Cambridge zufolge nehmen Beschwerden einer Winterdepression ab September zunehmend zu und erreichen ihren Höhepunkt in den Monaten Januar und Februar.
Allerdings führt der Jahreszeitenwechsel keineswegs zwangsläufig zu kollektiven Verstimmungen: Die Auswertung von 41 Studien ergab, dass es in der Gesamtbevölkerung keinen regelmäßigen saisonalen Stimmungsabfall gibt. Auch bei der oft befürchteten Gewichtszunahme korrigiert die Wissenschaft verbreitete Annahmen.
Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte US-Studie an 195 Erwachsenen zeigte, dass das Gewicht zwischen Thanksgiving und dem Jahreswechsel im Schnitt lediglich um 0,37 Kilogramm anstieg. Im weiteren Winterverlauf lag der Wert um 0,48 Kilogramm über dem Niveau des Frühherbstes – deutlich weniger als die oft vermuteten zwei bis drei Kilogramm.
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Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln und Raumklima
Häufig diskutierte Hausmittel und Nahrungsergänzungsmittel stehen bei Fachgesellschaften auf dem Prüfstand. Beim Thema Vitamin D empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) entsprechende Präparate ausschließlich für definierte Risikogruppen.
Die US-amerikanische Endocrine Society rät gesunden Erwachsenen unter 75 Jahren von einer regelmäßigen Einnahme ab, während das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor gesundheitlichen Risiken durch hohe Einzelmengen warnt.
Für das häusliche Wohlbefinden und die Energieeffizienz empfiehlt das Umweltbundesamt eine Raumtemperatur von rund 20 Grad in Wohnräumen; jedes Grad weniger verringere den Energieverbrauch spürbar.
Für eine behagliche Beleuchtung rät die Behörde zu einer warmen Lichtfarbe im Bereich von 2200 bis 2700 Kelvin. Zugleich warnen Experten vor zu trockener Raumluft: Tierstudien und Aerosol-Untersuchungen belegen, dass trockene Heizungsluft die Übertragung von Atemwegsviren im Innenraum begünstigen kann.
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Medizinische Ursachen von Erschöpfung abklären
Müdigkeit ist überdies ein häufiger Anlass für Arztbesuche, der weit über saisonale Phänomene hinausgehen kann. Nach Angaben aus Untersuchungen geben in hausärztlichen Praxen etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Patientinnen und Patienten Tagesmüdigkeit an.
Die S3-Leitlinie Müdigkeit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) definiert die Auslöser als ein komplexes Zusammenspiel aus biologischen, seelischen und sozialen Faktoren.
Bleibt die Erschöpfung primär ungeklärt, sind laut einer im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten systematischen Übersicht in rund 18,5 Prozent der Fälle Depressionen relevant. Bei etwa 2,8 Prozent der Betroffenen liegt eine Blutarmut vor, während bösartige Erkrankungen in rund 0,6 Prozent der Fälle diagnostiziert werden.
Für eine fundierte Basisdiagnostik bei anhaltender Müdigkeit sind laut medizinischem Standard die Bestimmung von Blutglukose, ein großes Blutbild, Entzündungswerte (BSG/CRP), Leberwerte sowie der Schilddrüsenwert TSH vorgesehen.
