Gicht: Akuter Anfall erhöht Herzrhythmusstörungen um 44%
Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 08:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein akuter Gichtanfall geht offenbar mit einem kurzfristig erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen einher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus England und Schweden, veröffentlicht im Fachjournal Lancet Primary Care 2026, über die medonline.at berichtete. Die Untersuchung liefert damit einen weiteren Baustein zum Verständnis, wie akute Entzündungsschübe bei Gicht sich auf die Herzgesundheit auswirken können.
Deutlich erhöhtes Risiko in beiden Ländern
Die Forschenden ermittelten für den Zeitraum von 30 Tagen nach einem Gichtanfall eine adjustierte Odds Ratio für Tachyarrhythmien von 1,41 in der englischen Kohorte und von 1,71 in der schwedischen Kohorte.
Eine ergänzende Selbstkontroll-Analyse, bei der Betroffene über die Zeit hinweg mit sich selbst verglichen wurden, zeigte ein noch deutlicheres Bild: In England war das Risiko in den ersten 30 Tagen nach dem Anfall um 44 Prozent erhöht, in Schweden lag es sogar mehr als vierfach über dem Ausgangsniveau.
Auch im Zeitraum von 31 bis 60 Tagen nach dem Gichtanfall blieb das Risiko für Herzrhythmusstörungen den Daten zufolge noch erhöht, wenngleich das akute Fenster in den ersten vier Wochen am stärksten ausgeprägt war. Dieser zeitliche Verlauf deutet darauf hin, dass die entzündliche Reaktion, die einen Gichtanfall begleitet, über Wochen hinweg Auswirkungen auf die Herzfunktion haben könnte.
Vorhofflimmern dominiert das Bild
Unter den beobachteten Tachyarrhythmien machten Vorhofflimmern und Vorhofflattern mehr als 80 Prozent der Fälle aus. Diese beiden Rhythmusstörungen des Vorhofs stehen damit im Zentrum des beobachteten Zusammenhangs und dürften die Ergebnisse der Studie maßgeblich prägen.
Die Studie aus England und Schweden zeigt: In den ersten 30 Tagen nach einem akuten Gichtanfall war das Risiko für Herzrhythmusstörungen um 44 Prozent erhöht — Vorhofflimmern machte dabei mehr als 80 Prozent der Fälle aus. Wer die Wochen nach dem Schub bewusst gestaltet, kann Warnzeichen früher erkennen und beim Arzt gezielter nachfragen. Kostenlosen Leitfaden zu Gicht und Herz anfordern
Gleichzeitig relativiert ein weiterer Befund die praktische Tragweite aus Sicht der Herzpatienten: Nur 1 bis 2 Prozent der Personen, die innerhalb von 30 Tagen eine Tachyarrhythmie entwickelten, hatten zuvor tatsächlich einen Gichtanfall erlitten. Ein Gichtanfall ist demnach zwar mit einem erhöhten relativen Risiko verbunden, spielt aber als Auslöser für Herzrhythmusstörungen in der Gesamtbevölkerung nur eine untergeordnete Rolle.
Einordnung für die Praxis
Die Ergebnisse aus England und Schweden legen nahe, dass Ärztinnen und Ärzte bei Patientinnen und Patienten mit akuten Gichtanfällen ein gewisses Bewusstsein für mögliche Herzrhythmusprobleme in den folgenden Wochen entwickeln sollten – insbesondere bei Menschen, die ohnehin kardiovaskuläre Risikofaktoren mitbringen.
Gicht selbst ist eine entzündliche Erkrankung, die durch Ablagerungen von Harnsäurekristallen in den Gelenken entsteht und häufig mit weiteren Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht. Die neuen Daten fügen diesem Bild eine zeitlich begrenzte, aber messbare Verbindung zu Vorhofflimmern und verwandten Rhythmusstörungen hinzu.
Herzstolpern, Herzrasen oder Kurzatmigkeit in den Wochen nach einem Gichtschub? Viele Betroffene wissen nicht, welche Symptome sie abklären lassen sollten — und welche nicht. Der kostenlose Leitfaden ordnet die Studiendaten ein und hilft Ihnen, das eigene Risiko realistisch einzuschätzen. Jetzt Herz-Warnsymptome einordnen
Für Betroffene bedeutet dies vor allem, in den Wochen nach einem akuten Gichtschub auf mögliche Symptome wie Herzstolpern, Herzrasen oder Kurzatmigkeit zu achten und diese ärztlich abklären zu lassen.
Angesichts des insgesamt niedrigen Anteils von Gichtanfällen unter allen Tachyarrhythmie-Fällen besteht jedoch kein Grund zur allgemeinen Beunruhigung – die Studie liefert vielmehr einen Hinweis für eine gezieltere Risikoeinschätzung in der individuellen Nachsorge.
