Gicht, Tee

Gicht und Tee: Studien zeigen, warum das HeißgetrĂ€nk den HarnsĂ€urespiegel nicht erhöht

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 01:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Tee gilt nicht als Gichtrisiko; Zucker und Alkohol sind stÀrker mit der Erkrankung verbunden, Olivenstoffe werden weiter erforscht.

Tee bei Gicht: Studien sehen kein erhöhtes Risiko durch Teekonsum
Ein glĂ€serne Teekanne mit ziehendem Tee auf einem hellen Holztisch im natĂŒrlichen Licht. Illustration mit AI erstellt.

FachbeitrÀge ordnen die physiologischen Auswirkungen verschiedener Teesorten auf den HarnsÀurespiegel bei Gichtpatienten wissenschaftlich ein. Zugleich beleuchten neuere Analysen verbreitete Annahmen zur Wirkung weiterer pflanzlicher Lebensmittelbestandteile wie den Inhaltsstoffen von Olivenöl. Entgegen mancher Vorbehalte belegen Untersuchungen, dass Tee an sich den HarnsÀurespiegel nicht anhebt.

Puringehalt und biochemische Effekte von Teesorten

Tee weist von Natur aus einen sehr geringen Puringehalt auf. Dies gilt fĂŒr unfermentierten GrĂŒntee ebenso wie fĂŒr teilfermentierten Oolong und vollfermentierten schwarzen Tee.

Bestimmte Inhaltsstoffe können den Organismus bei der KrankheitsbewĂ€ltigung unterstĂŒtzen: Catechine wie Epigallocatechingallat (EGCG), die insbesondere in GrĂŒntee sowie schwach fermentiertem Oolong enthalten sind, zeigen laut Studien entzĂŒndungshemmende Eigenschaften. Zudem regt der Teegenuss das Trinkvolumen an, was die Ausscheidung von HarnsĂ€ure ĂŒber die Nieren fördert.

GichtanfĂ€lle im zeitlichen Zusammenhang mit Teekonsum lassen sich hĂ€ufig auf Begleitfaktoren zurĂŒckfĂŒhren. Dazu zĂ€hlt vor allem der Konsum von gezuckertem Tee, da Fructose den HarnsĂ€urespiegel steigen lĂ€sst. Ebenso können eine durch Koffein begĂŒnstigte Dehydratation oder eine generelle Empfindlichkeit im akuten Schub eine Rolle spielen.

Fachleute empfehlen Betroffenen daher, Tee stets ungesĂŒĂŸt, mild und nicht zu stark zubereitet zu trinken. Als Richtschnur gilt ein Wasser-Tee-VerhĂ€ltnis von 1:1. Zudem sollte das HeißgetrĂ€nk nicht auf nĂŒchternen Magen, sondern etwa eine Stunde nach Mahlzeiten konsumiert werden. GrundsĂ€tzlich ersetzt Teetrinken jedoch keine medikamentöse harnsĂ€uresenkende Therapie.

Die Studienlage zu Tee, Kaffee und weiteren Risikofaktoren

Große Beobachtungsstudien zeigen, dass Tee und der Gesamtkoffeingehalt der Nahrung nicht mit einem erhöhten Gichtrisiko assoziiert sind. Im Gegensatz dazu wird Kaffeekonsum hĂ€ufig mit einem geringeren Krankheitsrisiko verknĂŒpft.

Die bislang grĂ¶ĂŸte Kohorte, eine zwölfjĂ€hrige Untersuchung von Forschern um Choi, Willett und Curhan an 45.869 MĂ€nnern ohne Gichtanamnese im Rahmen der Health Professionals Follow-Up Study, dokumentierte 757 bestĂ€tigte GichtfĂ€lle.

Im Vergleich zu Personen ohne Kaffeekonsum lag das relative Risiko bei weniger als einer Tasse bei 0,97, bei einer bis drei Tassen bei 0,92, bei vier bis fĂŒnf Tassen bei 0,60 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,41 bis 0,87) und bei mindestens sechs Tassen tĂ€glich bei 0,41 (0,19 bis 0,88).

Entkoffeinierter Kaffee ergab in derselben Kohorte relative Risiken von 0,83 fĂŒr weniger als eine Tasse, 0,67 fĂŒr eine bis drei Tassen sowie 0,73 (0,46 bis 1,17) fĂŒr vier oder mehr Tassen.

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Tee hat von Natur aus einen sehr geringen Puringehalt — das gilt fĂŒr GrĂŒntee, Oolong und schwarzen Tee gleichermaßen. Beobachtungsstudien zeigen: Tee und der Gesamtkoffeingehalt der Nahrung sind nicht mit einem erhöhten Gichtrisiko verbunden. Die eigentlichen Auslöser sitzen woanders. Kostenlosen Guide fĂŒr gichtfreundliche GetrĂ€nke anfordern

Ein Review im Journal BMJ Open aus dem Jahr 2016 ĂŒber elf Beobachtungsstudien ergab ein gepooltes relatives Risiko von 0,43 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,31 bis 0,59) fĂŒr die höchste gegenĂŒber der niedrigsten Kaffeekategorie. Eine Meta-Analyse im Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition aus dem Jahr 2018 ermittelte ein Odds Ratio von 0,47 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,37 bis 0,59).

WĂ€hrend die Analyse aus dem Jahr 2016 keinen signifikanten Unterschied der Serum-HarnsĂ€ure zwischen der höchsten und niedrigsten Kaffeegruppe fand, zeigte die Auswertung von 2018 niedrigere Odds fĂŒr hohe HarnsĂ€urewerte bei MĂ€nnern, jedoch höhere bei Frauen (Odds Ratio 1,58; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,16 bis 2,16).

Eine Mendelsche Randomisierungsstudie in ACR Open Rheumatology aus dem Jahr 2022 stellte anhand japanischer Daten fest, dass habitueller Kaffeekonsum invers mit Gicht assoziiert war (nach HarnsÀure-Adjustierung Odds Ratio 0,50), wÀhrend europÀische DatensÀtze keinen signifikanten Zusammenhang aufwiesen. Die zugrunde liegenden Studien beruhen auf Selbstangaben und Beobachtungen.

Deutlich stĂ€rkere Risikotreiber bleiben andere Stoffe: Ein Review aus dem Jahr 2008 identifizierte zuckerhaltige Softdrinks und Fruktose als fĂŒhrende Risikofaktoren. Eine gepoolte Analyse aus dem Jahr 2018 bezifferte das Odds Ratio fĂŒr Gicht bei Alkoholkonsum auf etwa das 2,6-Fache und bei Fruktosezufuhr auf etwa das 2,1-Fache.

Forschung zu Oliveninhaltsstoffen und Stoffwechselfunktionen

Neben HeißgetrĂ€nken untersuchen Wissenschaftler auch spezifische Pflanzenstoffe aus Oliven. Hydroxytyrosol aus OlivenblĂ€ttern, OlivenfrĂŒchten und nativem Olivenöl wurde in kleineren Humanstudien erforscht: Bei 40 Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck senkte Olivenblattextrakt ĂŒber acht Wochen den oberen Blutdruckwert Ă€hnlich stark wie das Medikament Captopril, wobei sich auch der untere Wert und die Blutfette verbesserten.

In einer Untersuchung mit 46 ĂŒbergewichtigen MĂ€nnern ĂŒber zwölf Wochen besserten sich unter Olivenblattextrakt die Insulinempfindlichkeit und die Reaktion der insulinbildenden Zellen, wĂ€hrend ein EntzĂŒndungsbotenstoff anstieg.

Weitere kleine Untersuchungen zeigten weniger steife BlutgefĂ€ĂŸe bei 18 gesunden Menschen sowie eine stabile Knochendichte bei 64 postmenopausalen Frauen ĂŒber zwölf Monate unter Gabe von Olivenpolyphenolen mit Calcium. Hydroxytyrosol erreichte bei 20 Probanden aus nativem Olivenöl rascher höhere Blutwerte als aus anderen Ölen; Langzeitdaten zu VertrĂ€glichkeit und Wechselwirkungen stehen allerdings noch aus.

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Wenn nach einer Tasse Tee die Gicht zuschlĂ€gt, liegt es selten am Tee selbst: Gezuckerter Tee, Koffein-Dehydratation oder ein empfindlicher Magen im akuten Schub sind die hĂ€ufigen Begleiter. Unser Guide zeigt Ihnen, wie Sie Tee ungesĂŒĂŸt, mild und zum richtigen Zeitpunkt zubereiten — und welche GetrĂ€nke Sie stattdessen meiden sollten. Jetzt die 5 Regeln gegen HarnsĂ€ure-Spitzen sichern

Zudem wird die in nativem Olivenöl extra vorkommende ElenolsĂ€ure erforscht. Forschende der Virginia Tech stellten im Mausmodell fest, dass ElenolsĂ€ure nach einwöchiger Gabe den Blutzuckerspiegel senkte. Eine frĂŒhere Untersuchung an adipösen MĂ€usen zeigte eine Anregung von GLP-1 und PYY sowie eine Normalisierung der Glukosetoleranz bei einer Dosis von 50 mg/kg/Tag ĂŒber zwei Wochen.

Eine im Juni auf der Tagung NUTRITION 2024 vorgestellte, noch nicht begutachtete Tierstudie berichtete ĂŒber Gewichtsabnahmen und verbesserte Blutzuckerwerte bei adipösen MĂ€usen mit Typ-2-Diabetes. Ob sich diese Ergebnisse auf den Menschen ĂŒbertragen lassen, ist gegenwĂ€rtig noch offen.

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