Gießbert, Fulda

Gießbert in Fulda: Autonomer Roboter bewässert nachts und spart 20%

27.05.2026 - 17:24:47 | boerse-global.de

In Fulda bewässert der Roboter "Gießbert" nachts Friedhöfe und spart 20 Prozent Wasser. Das Land Hessen fördert zudem IoT-Leckagesensoren und Schwammstadt-Projekte.

Gießbert in Fulda: Autonomer Roboter bewässert nachts und spart 20% - Foto: über boerse-global.de
Gießbert in Fulda: Autonomer Roboter bewässert nachts und spart 20% - Foto: über boerse-global.de

Hessen setzt auf High-Tech gegen Wasserknappheit und Personalmangel. In Fulda bewässert erstmals ein autonomer Roboter die Grünflächen eines Friedhofs – und das ausgerechnet nachts.

Die Friedhofsgärtnerei Kümmel in Fulda hat Anfang Mai einen speziellen Roboter in Dienst gestellt. „Gießbert“ heißt das 120.000 Euro teure Gerät des Herstellers Innok Robotics. Es soll eines der drängendsten Probleme der Branche lösen: den Mangel an Arbeitskräften bei gleichzeitig steigenden Temperaturen.

Nachtschicht mit System

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Der Roboter ist mit einem 215 Liter fassenden Wassertank ausgestattet und kann bis zu 15 Stunden am Stück arbeiten. Sein Einsatzzeitpunkt ist bewusst gewählt: Gießbert fährt nachts. Der Grund liegt auf der Hand: „In den kühleren Nachtstunden verdunstet weniger Wasser“, erklärt die Gärtnerei. Die Einsparung liege bei rund 20 Prozent im Vergleich zur Bewässerung am Tag.

Bundesweit sind bereits 30 bis 40 ähnliche Geräte im Einsatz – doch in Hessen ist der Fuldaer Roboter der erste seiner Art. Der Zeitpunkt könnte kaum passender sein: Die Temperaturen in der Region sollen in den kommenden Tagen auf bis zu 33 Grad steigen.

Mähroboter unter Beschuss

Während die Bewässerungsautomaten auf grünes Licht setzen, stehen andere Roboter zunehmend unter Druck. Seit dem 1. Mai 2026 gilt im Landkreis Gießen ein nächtliches Verbot für Mähroboter. Von einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang müssen die Geräte in der Garage bleiben.

Der Grund: Igelschutz. Die stacheligen Tiere, die seit 2024 als potenziell gefährdet gelten, sind nachtaktiv und erleiden oft schwere Verletzungen durch die automatischen Klingen. Marburg hatte ein ähnliches Verbot bereits Ende 2025 erlassen. Drei weitere Landkreise und vier Städte in Hessen prüfen laut Behördenkreisen ebenfalls entsprechende Regelungen.

Schwammstadt und High-Tech-Wasser

Der Gießbert-Einsatz ist nur ein Mosaikstein in einer größeren Strategie. In Frankfurt finanziert Amazon Web Services (AWS) ein milliardenschweres Wassersparprojekt, das bis 2028 läuft. In 500 öffentlichen Gebäuden – darunter Schulen und Krankenhäuser – installiert die Firma Shayp IoT-gestützte Leckage-Detektoren. Ziel: Mehr als 320 Millionen Liter Wasser einsparen.

In Büdingen entsteht derweil ein neuer Stadtpark nach dem Schwammstadt-Prinzip. Über 15.000 Stauden werden auf 2.000 Quadratmetern gepflanzt, 15 Regenbecken entlang der Eberhard-Bauner-Allee fassen rund 6.500 Kubikmeter Wasser. 97 neue Bäume sollen zusätzlich für Abkühlung sorgen.

Waldumbau und Moor-Renaturierung

Auch die Wälder werden fit gemacht. Im Spessart arbeitet die Organisation EcoTree an der Renaturierung von rund 200 Hektar Feuchtgebieten. Das Projekt soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein und dem Ökosystem jährlich mehr als 57 Millionen Liter Wasser zurückgeben.

Die Stadt Frankfurt investiert parallel in die Abwasserinfrastruktur. Auf dem Gelände der Kläranlage SEF entstand zwischen Februar und September 2025 eine moderne Schlammfaulungsanlage. Ingenieurbüros bewegten dafür 45.000 Kubikmeter Erde auf einer Fläche von 5.800 Quadratmetern.

Was die Wissenschaft sagt

Die Dringlichkeit dieser Maßnahmen untermauert das Modellprojekt „Klimaschutz PLUS“. Im Mai 2026 schloss das Forstamt Burgwald den ersten Teilabschnitt ab. Die Studie, die bis 2100 reicht, kommt zu einem klaren Ergebnis: Klimaschutz gelingt nur durch aktive Anpassung und den Aufbau stabiler Mischwälder. Entscheidend sei die richtige Mischung aus Laub- und Nadelhölzern – je nach Standort.

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Ausblick

Ob Gießbert Schule macht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die 15-Stunden-Akkulaufzeit und die autonome Navigation machen die Roboter für Kommunen attraktiv, die unter Personalmangel leiden. Gleichzeitig müssen Betreiber künftig genau abwägen: High-Tech-Bewässerung wird gefördert, Mähroboter werden eingeschränkt.

Das AWS-Projekt läuft noch bis 2028, die Spessart-Renaturierung soll Ende 2027 abgeschlossen sein. Hessens Wasserstrategie setzt zunehmend auf eine Kombination aus digitaler Überwachung und natürlichen Lösungen – Gießbert ist nur der Anfang.

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