Glaukom-Therapie: Gen GHRHR stellt 70% Sehvermögen wieder her
26.06.2026 - 00:39:27 | boerse-global.de
Drei Studien, die im Juni 2026 veröffentlicht wurden, könnten die Behandlung von Netzhauterkrankungen und Glaukom grundlegend verändern.
Farbsehen entschlüsselt
Ein Team des Paul Scherrer Instituts (PSI) hat erstmals die 3D-Struktur menschlicher Zapfenopsine bestimmt. Diese Proteine in der Netzhaut sind für das Farbsehen und die Sehschärfe bei Tageslicht verantwortlich.
Die am 25. Juni in Science veröffentlichte Studie liefert die Grundlage, um Farbblindheit und altersbedingte Makuladegeneration (AMD) besser zu verstehen. „Ohne diese Strukturkenntnis sind gezielte Therapien kaum möglich", erklärten die Forscherinnen Polina Isaikina und Sarah L. Schmidt.
Glaukom: Neues Zielmolekül entdeckt
Wissenschaftler der Chinese University of Hong Kong (CUHK) identifizierten das Gen GHRHR als potenziellen Angriffspunkt für die Glaukom-Therapie. In einer Studie an Mäusen stellten GHRHR-Inhibitoren fast 70 Prozent des Sehvermögens wieder her.
Die Überlebensrate der retinalen Ganglienzellen stieg um 50 Prozent. Eine klinische Anwendung könnte in fünf bis sieben Jahren möglich sein.
Parallel dazu züchteten russische Forscher lebende Fragmente menschlicher Spender-Netzhäute im Labor. Das Gewebe wird innerhalb von sechs Stunden nach dem Tod entnommen. Die Methode soll die Entwicklung von Gentherapien für degenerative Augenerkrankungen beschleunigen.
Implantate und Biosimilars überzeugen
Eine italienische Studie aus Bari belegte die Wirksamkeit des Dexamethason-Implantats Ozurdex. Der proaktive Einsatz verbesserte die Sehkraft bei Patienten mit diabetischem Makulaödem und retinalem Venenverschluss.
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Gleichzeitig bestätigte eine Metaanalyse: Aflibercept-Biosimilars sind dem Originalpräparat Eylea ebenbürtig. Bei der Behandlung der feuchten AMD zeigten sich nach 52 Wochen keine klinisch relevanten Unterschiede bei Sehschärfe oder Netzhautdicke. Sicherheitsbedenken traten nicht auf.
Netzhaut passt sich an Erfahrungen an
Das King’s College London wies an Zebrafischen nach: Frühe visuelle Erfahrungen verändern die Form und Funktion von Netzhaut-Neuronen dauerhaft. Fische, die in Umgebungen mit horizontalen oder vertikalen Streifen aufwuchsen, entwickelten unterschiedliche neuronale Strukturen.
Die Studie, veröffentlicht am 24. Juni in Neuron, gilt als erster Beleg für erfahrungsbasierte Plastizität direkt in der Netzhaut.
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Die Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchte parallel das Zytoskelettprotein MAP1B. Es reguliert im Zellkern neuraler Stammzellen deren Zustand und fördert im Zellplasma die Differenzierung. Diese Mechanismen sind für das Verständnis der Gehirnentwicklung und damit verbundener Erkrankungen zentral.
Gentechnik an Embryonen: Präzise Baseneditierung
Fachmedien berichteten Ende Juni über Fortschritte in der Gentechnik. Studien der Columbia University und der University of Cambridge demonstrierten den präzisen Einsatz der Baseneditierung an menschlichen Embryonen. Die ethisch streng regulierten Forschungen dienen der Grundlagenforschung über frühe Entwicklungsprozesse.
