Glioblastom: Immuntherapie vor OP wirkt deutlich besser
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Forschungsergebnisse der UniversitĂ€t Genf (UNIGE) und der Genfer UniversitĂ€tsspitĂ€ler (HUG) liefern neue Erkenntnisse zur Behandlung von Glioblastomen. Eine Untersuchung an Mausmodellen, deren Ergebnisse Anfang September 2026 bekannt wurden, deutet darauf hin, dass der Zeitpunkt einer Immuntherapie mit CAR-T-Zellen entscheidend fĂŒr den Heilungserfolg sein könnte.
Demnach erweist sich eine Verabreichung der modifizierten Immunzellen vor einem chirurgischen Eingriff als signifikant wirksamer im Vergleich zu einer postoperativen Anwendung.
Einfluss des Operationszeitpunkts auf den Therapieerfolg
Die in der Fachzeitschrift Nature Communications publizierte Studie untersuchte die EffektivitÀt von GD2-CAR-T-Zellen bei der BekÀmpfung von Hirntumoren. In den Versuchen erzielte die prÀoperative Gabe dieser Zellen eine beispiellose Tumorkontrolle. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei der herkömmlichen Vorgehensweise, bei der die Immuntherapie erst nach der operativen Entfernung des Tumorgewebes erfolgt, eine deutlich geringere Wirkung.
Die Forscher fĂŒhren dieses PhĂ€nomen auf die biologischen Reaktionen des Körpers unmittelbar nach einer Operation zurĂŒck. Der chirurgische Eingriff löse einen spezifischen Reparaturprozess im Gehirngewebe aus.
Dieser Prozess fĂŒhrt laut den Studienergebnissen zu einer Erhöhung des sogenannten TREM2-Proteins. Dieses Protein wiederum bewirkt, dass der im Gehirn verbleibende Tumor eine höhere WiderstandsfĂ€higkeit gegen die körpereigene Immunabwehr sowie gegen die therapeutisch zugefĂŒhrten CAR-T-Zellen entwickelt.
Mechanismen der Tumorresistenz durch das TREM2-Protein
Die Identifizierung von TREM2 als SchlĂŒsselfaktor fĂŒr die postoperative Resistenzbildung markiert einen wesentlichen Fortschritt im VerstĂ€ndnis der Tumorbiologie. Da die Operation das Mikromilieu des Tumors verĂ€ndert, erschweren die dadurch ausgelösten zellulĂ€ren Mechanismen den Erfolg einer nachgelagerten Immuntherapie.
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Um diese Barriere zu ĂŒberwinden, testeten die Wissenschaftler der UNIGE und des HUG eine kombinierte Strategie. Durch die zusĂ€tzliche Gabe von TREM2-CAR-T-Zellen in Verbindung mit den ursprĂŒnglichen GD2-CAR-T-Zellen konnte das Ăberleben der Versuchstiere weiter verlĂ€ngert werden. Dieser kombinierte Ansatz zielt darauf ab, sowohl die Tumorzellen direkt anzugreifen als auch die durch den Heilungsprozess induzierten Schutzmechanismen des Tumors zu neutralisieren.
Validierung und klinische Perspektiven
Die an Mausmodellen gewonnenen Daten wurden von den Forschungsteams bereits in menschlichem Tumorgewebe bestĂ€tigt. Dies unterstreicht die potenzielle Relevanz der Ergebnisse fĂŒr die klinische Praxis beim Menschen. Das Glioblastom gilt als eine der aggressivsten Formen von Hirntumoren, bei der herkömmliche Behandlungsmethoden oft an Grenzen stoĂen.
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Basierend auf diesen Erkenntnissen ist fĂŒr das Jahr 2027 eine klinische Phase-1-Studie geplant. In diesem Rahmen soll untersucht werden, inwieweit sich die prĂ€operative Immuntherapie sicher und effektiv auf menschliche Patienten ĂŒbertragen lĂ€sst.
Experten sehen in der Neugestaltung der Behandlungssequenz â also der Immuntherapie als erstem Schritt vor der Resektion â einen möglichen Paradigmenwechsel in der Neuroonkologie. Die Analyse der Genfer Forscher legt nahe, dass die Nutzung des intakten Tumormilieus vor einem Eingriff die Schlagkraft genetisch verĂ€nderter T-Zellen erheblich steigern kann.
