GLP-1-Markt: Volumen steigt bis 2030 auf 135 Milliarden Dollar
24.06.2026 - 20:52:44 | boerse-global.de
Während Novo Nordisk und Eli Lilly ihre Positionen verteidigen, drängen neue Wettbewerber mit alternativen Wirkmechanismen in den Markt.
Neuer Wirkstoff: Viking Therapeutics geht in die Offensive
Das US-Unternehmen Viking Therapeutics hat im Juni 2026 grünes Licht von der FDA für eine klinische Phase-1-Studie erhalten. Der Wirkstoff VK3019 setzt auf einen anderen Ansatz als die bekannten GLP-1-Rezeptor-Agonisten: Es handelt sich um einen Amylin-Rezeptor-Agonisten.
Die Studie läuft an gesunden Erwachsenen mit einem BMI von mindestens 30. Im Fokus stehen zunächst Sicherheit und Verträglichkeit einer einmaligen Injektion. Der Vorstoß zeigt: Die Branche sucht gezielt nach neuen therapeutischen Ansätzen jenseits der etablierten Wirkstoffklassen.
Orale Präparate: Der Kampf um die Pille
Ein entscheidender Faktor für die Zukunft des Marktes sind orale Darreichungsformen. Patienten wünschen sich Alternativen zu den dominierenden Spritzen. Eli Lilly plant die Markteinführung seiner Abnehmpille Orforglipron in Europa und Großbritannien für die zweite Jahreshälfte 2026 oder Anfang 2027. Das Unternehmen setzt dabei verstärkt auf Telehealth-Plattformen und richtet sich an Selbstzahler.
Parallel dazu hat die britische Arzneimittelbehörde MHRA im Juni 2026 eine orale Variante des Wirkstoffs Semaglutid von Novo Nordisk zur Gewichtskontrolle zugelassen. Die Entscheidung basiert auf der OASIS-4-Phase-3-Studie und gilt für Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht mit mindestens einer Begleiterkrankung.
Marktanalysen der UBS prognostizieren: Orale Versionen könnten bis 2030 rund 20 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen.
Schutz geistigen Eigentums: Novo Nordisk geht juristisch vor
Der kommerzielle Erfolg lockt Nachahmer an. Novo Nordisk geht weltweit gegen die unbefugte Herstellung von Semaglutid-Produkten vor. Im Juni 2026 erwirkte der Konzern vor dem Gauteng High Court in Südafrika eine einstweilige Verfügung gegen den Hersteller iDexis.
Der GLP-1-Markt soll bis 2030 auf 135 Mrd. Dollar wachsen – mit oralen Präparaten als wichtigem Treiber. Unser Strategie-Guide hilft Ihnen, neue Wettbewerber und Preisdruck richtig einzuordnen. Kostenlosen Strategie-Guide anfordern
In den USA hat Novo Nordisk bereits 132 Klagen in 40 Bundesstaaten eingereicht und 44 dauerhafte Unterlassungsverfügungen durchgesetzt. Der Schutz des geistigen Eigentums wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Preispolitik: Europa droht Investitionsabfluss
Die internationale Preispolitik sorgt für Spannungen. Vertreter des europäischen Pharmaverbandes EFPIA warnten im Juni 2026 vor einem Abfluss von Investitionen aus Europa. Der Grund: Die US-amerikanische Preispolitik (Most-Favored-Nation-Prinzip) wirkt sich negativ auf Erstattungsverhandlungen in europäischen Märkten aus.
Die Folgen sind bereits sichtbar. Eli Lilly hat angekündigt, geplante Investitionen von 2,3 Milliarden Euro zu halbieren. Auch Boehringer Ingelheim soll Ausbaupläne im Umfang von 900 Millionen Euro gestrichen haben.
Marktprognosen: Milliardenvolumen bis 2030
Der Gesamtmarkt für GLP-1-basierte Medikamente wird laut UBS bis 2030 ein Volumen von 130 bis 135 Milliarden US-Dollar erreichen. Die Zahl der behandelten Patienten könnte von derzeit etwa 25 Millionen auf rund 40 Millionen ansteigen.
Prognosen zufolge könnte Eli Lilly dabei einen Marktanteil von etwa 65 Prozent erreichen, während für Novo Nordisk ein Anteil von circa 15 Prozent erwartet wird.
Strategische Diversifizierung: Lilly kauft sich ein
Investieren in GLP-1: Welche Kandidaten haben das größte Potenzial? Unser Guide enthält eine Bewertungs-Checkliste für neue Wirkstoffe und orale Alternativen. Strategie-Guide per E-Mail sichern
Um ihre Positionen langfristig abzusichern, investieren die Marktführer in angrenzende Therapiebereiche. Eli Lilly schloss im Juni 2026 die Übernahme von Centessa Pharmaceuticals ab, um Wirkstoffe gegen Schlaf-Wach-Störungen wie Narkolepsie zu sichern.
Zudem erweiterte das Unternehmen eine Kooperation mit Abbisko Therapeutics. Der Forschungspakt sieht Zahlungen von bis zu 1,9 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung neuer Krebsmedikamente und immunonkologischer Therapien vor. Abbisko übernimmt dabei die frühe Phase der Wirkstoffforschung.
