GLP-1-Medikamente, Gewichtsverlusts

GLP-1-Medikamente: Bis zu 39 Prozent des Gewichtsverlusts können Muskeln kosten

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 17:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
GLP-1-Präparate können das Gewicht senken, doch Muskelverlust und erneute Zunahme bleiben ohne begleitende Veränderungen möglich.
Eine minimalistische KĂĽchenzeile mit einer Waage und einer Schale mit frischem GemĂĽse und Vollkornprodukten. Illustration mit AI erstellt.

Moderne Medikamente zur Gewichtsreduktion verzeichnen eine hohe Nachfrage, doch die pharmazeutische Behandlung allein garantiert keinen langfristigen Erfolg.

Fachleute und wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen, dass GLP-1-Rezeptoragonisten und verwandte Wirkstoffe erst im Zusammenspiel mit einer Ernährungsumstellung, gezielter Bewegung und kontinuierlicher ärztlicher Betreuung tragfähige Ergebnisse liefern. Fehlen diese begleitenden Anpassungen, droht nach dem Ende der medikamentösen Therapie eine erneute Gewichtszunahme.

Gewichtsverlust und die Gefahr von Muskelabbau

Klinische Studien belegen, dass GLP-1-basierte Präparate zu einer bedeutsamen Reduktion des Körpergewichts sowie zu einer verbesserten Stoffwechselgesundheit führen können.

Prof. YurdagĂĽl Zopf vom Hector-Center am Uniklinikum Erlangen verweist darauf, dass Patienten unter Semaglutid in Untersuchungen im Durchschnitt etwa 15 % ihres Ausgangsgewichts verlieren, ehe sich ein neues Gleichgewicht einstellt.

Der Diabetologe Dr. Baptist Gallwitz beziffert den Gewichtsverlust durch GLP-1-Analoga auf rund 15–20 %, während ein chirurgischer Eingriff zur Gewichtsreduktion 25–40 % erreichen könne.

Nach Angaben von Víctor Nolasco, medizinischer Leiter von Adium für Zentralamerika und die Karibik, lag der Verlust bei traditionellen Tabletten bei 5–10 % und bei injizierbaren Präparaten der ersten Generation bei 10–15 %, während mit Tirzepatid Werte von bis zu 22 % erzielt würden.

Die reine Zahl auf der Waage spiegelt jedoch nicht zwingend den allgemeinen Gesundheitszustand wider. Wie Athletech News berichtet, kann bei einer starken Gewichtsabnahme neben Fett auch Magermasse einschlieĂźlich der Skelettmuskulatur verloren gehen.

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Maurizio Muscaritoli, Präsident der italienischen Fachgesellschaft Sinuc, berichtet unter Verweis auf Metaanalysen, dass 25–39 % der verlorenen Kilos auf Magermasse entfallen. Eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2024 mit 1.541 Semaglutid-Patienten zeigte Spannweiten zwischen 0–40 %, während andere Arbeiten bei etwa 15 % lagen.

In klinischen Studien betrug die Gewichtsreduktion 10–20 % über einen Zeitraum von 12–18 Monaten, während in der Studie SURMOUNT-4 unter 15 mg Tirzepatid ein mittlerer Verlust von minus 21 % gemessen wurde.

Ein Joint Advisory von vier US-Fachgesellschaften aus dem Jahr 2025 hebt hervor, dass rascher Gewichtsverlust das Risiko für den Abbau von Magermasse verstärkt, und empfiehlt neben der Zufuhr von ausreichend Protein zwei bis drei Krafttrainingseinheiten pro Woche sowie Kontrollen der Körperzusammensetzung.

Alltagsumstellung und sportliche Aktivität

Um die Muskulatur zu schützen, empfiehlt Prof. Zopf eine Kombination aus Kraft- und Ausdauertraining sowie eine ausreichende Zufuhr von Eiweiß. Zudem weisen einige Untersuchungen darauf hin, dass manche Behandelte während der Therapie weniger Schritte im Alltag zurücklegen.

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Erreicht das Gewicht ein Plateau, sollten daher neben der Medikamentendosis auch die Muskelmasse, die Proteinzufuhr sowie die Alltagsbewegung ĂĽberprĂĽft werden.

Eine Dosis dürfe niemals eigenmächtig verändert oder die Medikation ohne Rücksprache beendet werden; im Einzelfall könne ein Wechsel zu Tirzepatid erwogen werden, was jedoch keine Garantie biete, oder eine bariatrische Operation geprüft werden.

Die Ernährungsberaterin und Personal Trainerin Helena ?echurová betont, dass Verhaltensweisen beim Einkauf und bei der Menüplanung angepasst werden müssen, um einen Rückfall in alte Schemata zu verhindern. Sie rät dazu, Mahlzeiten selbst zuzubereiten, kleinere Mengen hochwertiger Zutaten zu wählen und Speisen im Voraus zu planen.

Zudem sei ein finanziell tragfähiges Konzept wichtig, da Aufwendungen für Medikamente, Beratung, Fitness und Nahrungsergänzungen zusammenkommen. Dass die Therapiekosten ins Gewicht fallen können, illustriert ein Selbstversuch im Rahmen des Formats „JENKE.

Report“: Kameramann Corny verlor innerhalb von vier Monaten 20 Kilo bei selbst gezahlten Kosten von rund 275 Euro monatlich. Zu den aufgetretenen Begleiterscheinungen zählten schwere Albträume in den ersten Tagen, Magenprobleme, Kopfschmerzen, veränderte Verdauung, verringerte Lebensfreude sowie ein nachlassendes sexuelles Verlangen.

Verbreitung und Sicherheitsrisiken

Der Handlungsbedarf bei Übergewicht ist auf gesellschaftlicher Ebene messbar. Die Schweizerische Gesundheitsbefragung 2022 des Bundesamts für Statistik ergab, dass rund 43 % der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in der Schweiz übergewichtig oder adipös waren, aufgeteilt in 31 % mit Übergewicht und 12 % mit Adipositas.

Angesichts der hohen Nachfrage nach medikamentöser Unterstützung mahnt die Schweizer Zulassungsbehörde Swissmedic zur Vorsicht: Da GLP-1-Rezeptoragonisten verschreibungspflichtig sind, warnt die Behörde vor gefälschten Präparaten aus Online-Shops, sozialen Netzwerken oder Kosmetikstudios.

Fachleute sind sich einig, dass eine langfristig wirksame Therapie zwingend auf multidisziplinärer Begleitung und nachhaltigen Verhaltensänderungen aufbauen muss.

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