GLP-1-PrÀparate: 29 Milliarden Euro Adipositas-Kosten pro Jahr in Deutschland
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sonja Optendrenk fordert eine Neubewertung von GLP-1-PrÀparaten wie Wegovy und Mounjaro. Die bisherige Einstufung als Lifestyle-Medikamente verhindere die Versorgung medizinisch notwendiger Behandlungen.
Streit um KostenĂŒbernahme
Seit Juli 2026 fĂŒhrt Optendrenk den Vorsitz des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), dem zentralen Entscheidungsgremium fĂŒr den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. In dieser Funktion sprach sie sich fĂŒr eine Neuaufstellung der Adipositas-Therapie aus. Die Vorsitzende verwies auf internationale Vorbilder wie GroĂbritannien, wo Fettleibigkeit als eigenstĂ€ndige, chronische Erkrankung anerkannt und behandelt werde.
Eine rein industrielle Preispolitik reiche nicht aus, um die Versorgungssicherheit zu gewÀhrleisten. Stattdessen solle der Gesetzgeber den G-BA beauftragen, konkrete Erstattungskriterien festzulegen. Dabei gehe es um die Identifikation spezifischer Patientengruppen, die Behandlungsdauer und die Einbindung in umfassende Versorgungskonzepte.
Milliardenmarkt mit enormen Kosten
Hinter der Debatte stehen erhebliche volkswirtschaftliche Belastungen. SchĂ€tzungen zufolge verursacht Adipositas in Deutschland jĂ€hrliche Kosten von rund 29 Milliarden Euro. Die Zahlen von 2025 verdeutlichen die Dimension: 67 Prozent der MĂ€nner und 53 Prozent der Frauen gelten als ĂŒbergewichtig.
Gleichzeitig boomen die PrĂ€parate weltweit. Mounjaro erzielte 2025 einen Umsatz von 22,97 Milliarden US-Dollar, Ozempic folgte mit 19,21 Milliarden. Zepbound (13,54 Milliarden) und Wegovy (11,96 Milliarden) zĂ€hlten ebenfalls zu den umsatzstĂ€rksten Arzneimitteln. In Deutschland kannten 63 Prozent der Befragten die Spritzen, ĂŒber vier Millionen Haushalte nutzten sie oder erwogen eine Anwendung.
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Patienten zahlen selbst
Die monatlichen Behandlungskosten liegen bei mehreren hundert Euro â privat zu tragen. Die Preisbildung folgt der Arzneimittelpreisverordnung. Ein Ozempic-Fertigpen (0,25 mg) kostet 105,18 Euro, eine Dreierpackung (0,5 mg) 291,37 Euro.
Der Endpreis setzt sich zusammen aus Herstellerabgabepreis, GroĂhandelszuschlag (73 Cent plus 3,15 Prozent) und Apothekenzuschlag (9 Euro plus 3 Prozent). Dazu kommen Pauschalen fĂŒr Notdienst und pharmazeutische Leistungen sowie 19 Prozent Mehrwertsteuer.
Experten warnen vor Jo-Jo-Effekt
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Trotz der potenziellen Vorteile mahnen Fachleute zur Vorsicht. Nach dem Absetzen der Spritzen steigt das Gewicht hÀufig schnell wieder an. Eine reine Medikamentengabe ohne ErnÀhrungs- oder Bewegungstherapie gilt als kritisch.
Zudem fehlen Langzeitstudien zur dauerhaften Anwendung. Der G-BA, der fĂŒr rund 74 Millionen Versicherte entscheidet, muss den medizinischen Nutzen gegen die Kostenrisiken fĂŒr das Solidarsystem abwĂ€gen. Eine Erstattung wĂŒrde eine prĂ€zise Definition erfordern, ab welchem Schweregrad und unter welchen Bedingungen sie gerechtfertigt ist.
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