Glucosamin: Beliebtes Gelenk-Mittel erhöht Demenz-Risiko um 25%
Veröffentlicht: 20.06.2026 um 19:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine neue Studie zeigt einen ĂŒberraschenden Zusammenhang: Das beliebte Gelenk-Mittel Glucosamin steht im Verdacht, kognitive BeeintrĂ€chtigungen zu beschleunigen.
Forscher der University of Florida haben Daten von rund 65.000 Patienten ausgewertet. Das Ergebnis gibt zu denken: Bei Menschen mit leichten kognitiven Störungen stieg die Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine Demenz-Erkrankung um 25 Prozent. Bei bereits an Alzheimer erkrankten Patienten war das Sterberisiko innerhalb von fĂŒnf Jahren ebenfalls um 25 Prozent erhöht.
Die im Fachjournal Nature Metabolism veröffentlichte Studie analysierte Gesundheitsdaten aus den Jahren 2012 bis 2024. Rund acht Prozent der untersuchten Personen nahmen regelmĂ€Ăig Glucosamin ein.
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Zucker als Hirn-Killer
Das Forschungsteam identifizierte einen möglichen Mechanismus hinter diesen Beobachtungen. Die sogenannte Hyperglykosylierung â eine ĂŒbermĂ€Ăige Bindung von ZuckermolekĂŒlen an Proteine â war in gedĂ€chtnisrelevanten Hirnregionen besonders stark ausgeprĂ€gt.
Diese biochemischen VerĂ€nderungen könnten die Bildung von Amyloid-Beta-Plaques und Tau-Ablagerungen verstĂ€rken. Beide gelten als charakteristisch fĂŒr die Alzheimer-Krankheit.
Tierversuche untermauern die These: MÀuse mit Alzheimer-Pathologie zeigten nach tÀglicher Gabe von 2.500 mg Glucosamin messbare GedÀchtnisverschlechterungen.
Der Seniorautor Ramon Sun betont jedoch: âEs handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Ergebnisse sind vorlĂ€ufig und zeigen eine statistische Assoziation, keinen Kausalbeweis."
In der aktuellen S3-Leitlinie wird Glucosamin bereits nicht zur Behandlung empfohlen.
Die gute Nachricht: Es gibt auch Schutzfaktoren
WÀhrend Glucosamin als Risikofaktor identifiziert wurde, zeigen andere Studien positive Entwicklungen. Eine in JAMA veröffentlichte Langzeitstudie belegt: Bestimmte Diabetes-Medikamente senken das Alzheimer-Risiko deutlich. SGLT2-Inhibitoren um 43 Prozent, GLP-1-Rezeptoragonisten um 33 Prozent.
Die Effekte gehen offenbar ĂŒber die reine Blutzuckerkontrolle hinaus und wirken direkt auf EntzĂŒndungsprozesse im Gehirn.
Auch eine Impfung gegen GĂŒrtelrose (Shingrix) könnte das Demenzrisiko um 24 Prozent senken, wie Daten im Annals of Internal Medicine nahelegen.
Nicht jeder Ansatz hÀlt, was er verspricht
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Eine Doppelblindstudie der Keck Medicine of USC brachte dagegen ErnĂŒchterung: Die tĂ€gliche Einnahme von 2.000 mg DHA (Omega-3) ĂŒber sechs Monate zeigte bei Ă€lteren Erwachsenen keine positiven Effekte auf GedĂ€chtnis oder Gehirnvolumen â obwohl die Spiegel im Blut und in der GehirnflĂŒssigkeit deutlich anstiegen.
ZusĂ€tzlich rĂŒckt die biologische Alterung der Gehirnzellen in den Fokus. Eine Studie in Nature Medicine belegt: Eine extreme Alterung der Astrozyten kann das Erkrankungsrisiko bei genetisch vorbelasteten Personen verdreifachen.
Vor dem Hintergrund einer Prognose des WIdO, nach der die Demenz-PrĂ€valenz bis 2060 in einzelnen Regionen auf fast vier Prozent steigen könnte, gewinnen diese Erkenntnisse ĂŒber Risikofaktoren wie Glucosamin und prĂ€ventive AnsĂ€tze an Bedeutung.
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