Glucosamin, Alzheimer-Risiko

Glucosamin erhöht Alzheimer-Risiko um 25 Prozent

15.06.2026 - 07:15:16 | boerse-global.de

Aktuelle Forschung zeigt komplexe und teils riskante Wirkungen von Süßstoffen, zuckerfreien Diäten und Nahrungsergänzungsmitteln auf den Stoffwechsel.

Süßstoffe, Diäten & Co.: Neue Studien enthüllen Risiken
Glucosamin - Nahaufnahme einer mikroskopischen Ansicht von Darmbakterien, die mit künstlichen Süßstoffen interagieren, mit leuchtenden Farben. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Synthetische Süßstoffe, zuckerfreie Diäten und gängige Nahrungsergänzungsmittel – sie alle können den Körper nachhaltig beeinflussen. Gleich mehrere aktuelle Studien zeigen: Die Wirkung ist komplexer und oft riskanter als gedacht.

Süßstoffe verändern das Darmmikrobiom

Bereits 2022 veröffentlichte das Weizmann Institute of Science eine Studie im Fachmagazin Cell. 120 gesunde Erwachsene nahmen teil. Das Ergebnis: Saccharin und Sucralose veränderten die Zusammensetzung des Darmmikrobioms signifikant. Die Folge: Die Glukosetoleranz der Probanden verschlechterte sich.

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Bei Aspartam und Stevia zeigten sich ebenfalls Veränderungen der Darmflora. Eine signifikante Beeinträchtigung des Zuckerstoffwechsels blieb jedoch aus. Stuhltransplantationen in keimfreie Mäuse belegten: Das veränderte Mikrobiom war ursächlich für die gestörte Glukosetoleranz.

Die medizinische Fachwelt bewertet die Befunde unterschiedlich. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft stuft Süßstoffe innerhalb der empfohlenen Höchstmengen weiterhin als unbedenklich ein. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie warnt dagegen vor einem potenziell erhöhten Diabetesrisiko durch regelmäßigen Konsum.

Zuckerfreie Diät: Kein Gewichtsverlust, aber Entzündungen

Das Dasman Diabetes Institute aus Kuwait stellte im Juni 2026 auf dem ENDO-Kongress eine 16-wöchige Studie an Tiermodellen vor. Die Forscher analysierten die Effekte einer strikt zuckerfreien und gleichzeitig fettarmen Diät.

Die Testgruppen wiesen keinen Gewichtsunterschied zur Kontrollgruppe auf. Dennoch zeigten sich deutliche physiologische Veränderungen: eine gestörte Glukosetoleranz, reduzierte Insulinsensitivität, Entzündungsprozesse im Dickdarm und in der Leber sowie Anzeichen einer Fettleber. Auf mikrobiologischer Ebene wurde ein Rückgang des Bakteriums Lactobacillus murinus beobachtet.

Die Ergebnisse durchliefen noch kein Peer-Review-Verfahren. Sie geben aber wichtige Hinweise auf die Komplexität von Diäteffekten.

Glucosamin: Höheres Alzheimer- und Sterberisiko?

Neben Süßstoffen rücken auch andere ergänzende Wirkstoffe in den Fokus. Eine Mitte Juni 2026 in Nature Metabolism veröffentlichte Studie der UF Health untersuchte den Einfluss von Glucosamin – einem häufig bei Gelenkbeschwerden eingesetzten Präparat.

Die Analyse von Patientendaten aus dem Zeitraum 2012 bis 2024 ergab: Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen hatten eine um 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Progression hin zu Alzheimer, wenn sie Glucosamin einnahmen. Bei bereits an Demenz erkrankten Patienten stieg das Sterberisiko unter der Einnahme ebenfalls um 25 Prozent.

Versuche im Mausmodell stützten diese Beobachtungen. Eine tägliche Gabe von etwa 2500 Milligramm führte zu einer Verschlechterung der Gedächtnisleistung. Als potenzieller Mechanismus wurde eine Hyperglykosylierung von Proteinen im Gehirn identifiziert. Die Wissenschaftler betonten jedoch: Eine eindeutige Kausalität sei bisher nicht bewiesen. Sie forderten weiterführende klinische Studien.

Ozempic & Co.: Wie GLP-1-Agonisten das Gehirn verändern

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Unabhängig von Nahrungsergänzungsmitteln zeigen auch moderne Stoffwechselmedikamente aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten – wie Ozempic oder Wegovy – Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem. Untersuchungen der University of Colorado deuten darauf hin, dass diese Wirkstoffe die Gehirnstruktur beeinflussen können.

Bei Jugendlichen zeigten Hirnscans nach mehrmonatiger Anwendung eine verstärkte Vernetzung im sogenannten Salience Network. Dieses Netzwerk ist für die Bewertung von Reizen zuständig. Zusätzlich werden Effekte auf das dopaminerge Belohnungssystem und eine mögliche Reduktion von Entzündungen im Gehirn untersucht.

In diesem Zusammenhang gibt es Berichte über Begleiterscheinungen wie emotionale Abflachung oder verminderte Libido. Derzeit laufen klinische Studien, um zu prüfen, inwieweit diese Mechanismen bei der Behandlung von Suchterkrankungen – etwa in Bezug auf Alkohol oder Nikotin – genutzt werden können.

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