Glucosamin-Studie, NahrungsergÀnzung

Glucosamin-Studie: NahrungsergÀnzung erhöht Demenz-Risiko um 25%

11.06.2026 - 00:01:36 | boerse-global.de

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen fĂŒr Heilmittel erreichen 2025 einen neuen Höchststand. Hauptgrund sind die teureren Blankoverordnungen.

Krankenkassen: Rekordausgaben fĂŒr Heilmittel durch Blankoverordnung
Glucosamin-Studie - Eine unscharfe Hand hĂ€lt ein pflanzliches Heilmittel; im Hintergrund sind unscharfe Finanzdokumente und ein Taschenrechner zu sehen. 11.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

2024 lagen die Ausgaben bei 13,3 Milliarden Euro, bis Ende 2025 stiegen sie auf 14,7 Milliarden Euro an – ein Plus von 10,4 Prozent. Und der Trend setzt sich fort: Im ersten Quartal 2026 verzeichnen die Kassen ein weiteres Plus von 8,7 Prozent.

Blankoverordnungen treiben die Kosten

Haupttreiber dieser Entwicklung sind die 2024 eingefĂŒhrten Blankoverordnungen. Sie erlauben Therapeuten, selbst ĂŒber Behandlungsauswahl und -frequenz zu entscheiden. Das hat handfeste finanzielle Folgen: WĂ€hrend eine klassische Ă€rztliche Verordnung in der Physiotherapie durchschnittlich 214 Euro kostet, schlĂ€gt eine Blankoverordnung mit satten 714 Euro zu Buche. Besonders bei Schultererkrankungen wurde im vierten Quartal 2025 bereits jede zweite Verordnung blanko ausgestellt.

Anzeige

RĂŒckenschmerzen, Verspannungen, MuskelschwĂ€che: Dieser Arzt hat eine ĂŒberraschend einfache Lösung. Prof. Dr. Wessinghage verrĂ€t 17 Übungen, die in nur 3 Minuten tĂ€glich sofortige Linderung bringen – jetzt kostenlos herunterladen. 17 sofort umsetzbare Übungen entdecken

Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, warnt vor einer unkontrollierten Ausweitung. „Blankoverordnungen sollten nur bei gesicherten Erkenntnissen ĂŒber VersorgungsqualitĂ€t und Effizienz ausgeweitet werden“, so Reimann. Helmut Schröder, wissenschaftlicher Leiter des WIdO, sieht zudem erhebliche Defizite bei der Messung der Behandlungsergebnisse.

Cannabis-PrÀparat vor Markteintritt

Ein neuer Wirkstoff steht in den Startlöchern: Exilby, ein standardisierter Cannabis-Extrakt des MĂŒnchner Unternehmens Vertanical. Zugelassen ist das PrĂ€parat zur Behandlung chronischer Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente. Ab September 2026 soll es in Deutschland und Österreich auf den Markt kommen – vorausgesetzt, die Preisverhandlungen mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) laufen erfolgreich.

Doch die klinische Bewertung fĂ€llt unter Experten geteilt aus. Eine Phase-3-Studie, dokumentiert in Nature Medicine, zeigte: Der Wirkstoff senkte die SchmerzintensitĂ€t um 1,9 Punkte auf einer Skala, die Placebo-Gruppe erreichte immerhin 1,4 Punkte. Der Unterschied von 0,5 Punkten? FĂŒr Fachleute wie Ulrike Bingel vom UniversitĂ€tsklinikum Essen klinisch kaum relevant. Zudem brachen 17 Prozent der Probanden die Studie wegen Nebenwirkungen ab.

Anzeige

Der OrthopĂ€de, dem 4 deutsche Olympiamannschaften vertrauten, erklĂ€rt seine wirksamsten Übungen. 17 einfache WunderĂŒbungen aus der Praxis eines Spitzenmediziners gegen chronische Beschwerden – jetzt gratis als PDF anfordern. Kostenlosen Ratgeber von Prof. Wessinghage sichern

Trotzdem fĂŒhrt die US-Gesundheitsbehörde FDA das PrĂ€parat als „Breakthrough Therapy“. Der Grund: Exilby könnte helfen, Opioid-Verschreibungen zu reduzieren. In Deutschland werden jĂ€hrlich 18 bis 20 Millionen solcher Rezepte ausgestellt.

Regulatorischer Druck auf Naturstoffe wÀchst

Nicht nur bei Heilmitteln, auch bei NahrungsergĂ€nzungsmitteln und Botanicals steigt der Druck. Der EuropĂ€ische Gerichtshof (April 2025) und der Bundesgerichtshof (Juni 2025) haben die gesundheitsbezogene Werbung fĂŒr pflanzliche Stoffe ohne spezifische EU-Zulassung stark eingeschrĂ€nkt. Werbeaussagen zu Stressreduktion oder Entgiftung sind ohne entsprechende Nachweise schlicht unzulĂ€ssig.

Gleichzeitig rĂŒcken Sicherheitsbedenken in den Fokus. Eine im Juni 2026 in Nature Metabolism veröffentlichte Studie der University of Florida deutet darauf hin: Die Einnahme von Glucosamin könnte bei Patienten mit leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigungen das Demenz-Risiko um 25 Prozent erhöhen. Auch ein gesteigertes Sterberisiko bei bereits erkrankten Alzheimer-Patienten wurde beobachtet – die KausalitĂ€t ist jedoch noch nicht abschließend belegt.

Ärzte vs. Apotheker: Wer darf was?

Die Abgrenzung zwischen Ă€rztlicher Diagnose und komplementĂ€rer Beratung sorgt fĂŒr standespolitische Spannungen. Die KassenĂ€rztliche Vereinigung Sachsen forderte im Juni 2026 die RĂŒcknahme eines Positionspapiers der Apothekerschaft. Dieses sah eine stĂ€rkere Rolle von Apotheken bei der ErsteinschĂ€tzung und Betreuung von Patienten vor. Die Diagnose, so die Ă€rztliche Standesvertretung, mĂŒsse eine Kernaufgabe der Mediziner bleiben.

de | wissenschaft | 69517394 |