GlycA-Bluttest: 43 Prozent höheres Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 09:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie systemische Entzündungen durch einfache Blutbilder frühzeitig identifiziert werden können. Die Forschungsergebnisse der letzten Tage verdeutlichen zudem, welche zentrale Rolle Entzündungsprozesse bei der Entstehung und Therapie neurologischer sowie kardiovaskulärer Erkrankungen spielen.
Herz-Kreislauf-Risiken im Fokus von Entzündungsmarkern
Wissenschaftler des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London analysierten Daten von rund 480.000 Menschen aus Großbritannien. Dabei zeigte sich laut einem Bericht von Anfang Oktober, dass Personen, deren Werte des Entzündungsmarkers GlycA im obersten Fünftel lagen, ein um 43 % höheres Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle aufwiesen als die Vergleichsgruppe im untersten Fünftel.
Erhöhte Entzündungswerte standen zudem in Verbindung mit strukturellen Veränderungen am Herzen, wie verdickten Herzwänden und einer geringeren Herzfüllung. Diese Entwicklungen verlaufen oft über Jahre hinweg unbemerkt. Als Einflussfaktoren für die erhöhten Werte nannten die Forscher soziale und psychische Belastungen sowie Rauchen und Übergewicht.
Parallel dazu wertete eine internationale Studie unter Leitung des CHRU de Nancy und der Université de Lorraine Daten von 64.743 Personen im Alter zwischen 40 und 80 Jahren aus.
Bei Probanden mit einem erhöhten CRP-Wert zwischen 3,1 und 10 mg/l lag das auf zehn Jahre hochgerechnete Risiko für eine Herzinsuffizienz bei 10,8 %, während es in der Gruppe mit niedrigen Werten (0,1 bis 3 mg/l) lediglich 8,3 % betrug. Besonders deutlich war dieser Zusammenhang bei Personen ohne Adipositas erkennbar.
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Fortschritte in der neurologischen Diagnostik
In der Neurologie liefern Entzündungsmarker zunehmend präzisere Hinweise auf Krankheitsverläufe. Eine Studie mit 792 Patienten, die an Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind, untersuchte das durch den Marker NfL abgeleitete biologische Alter.
MS-Patienten wiesen demnach eine um 45 % höhere Wahrscheinlichkeit auf, dass ihr biologisches Alter über dem chronologischen Alter lag. In der Forschung zu MS gibt es zudem Hinweise auf neue Therapieansätze: Ein vom NIH finanziertes Projekt untersuchte das experimentelle Mittel K-9, das in Mausmodellen Lähmungserscheinungen und Sehverluste umkehren konnte.
Versicherungsdaten deuteten zudem darauf hin, dass Patienten unter einer Behandlung mit antiviralen Nukleosid-Reverse-Transkriptase-Hemmern (NRTI) niedrigere MS-Raten und weniger Krankheitsschübe aufwiesen.
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Auch bei der Parkinson-Krankheit ermöglichen neue Klassifikatoren auf Basis von T-Zell-Rezeptor-Daten eine Zuordnung zu molekularen Subtypen mit einer Genauigkeit (AUC) von über 0,8. Weitere Analysen im Rahmen der Parkinson Progression Markers Initiative (PPMI) identifizierten spezifische Marker wie miR-7-5p und Alpha-Synuclein, die mit einem erhöhten Risiko für den Übergang in eine klinische Parkinson-Erkrankung korrelieren.
Einflüsse von Umweltfaktoren und Stoffwechsel
Neben klinischen Markern rücken auch Umweltbelastungen und die Stoffwechselregulation in den Fokus. Forschende der Universität Bonn wiesen in einer Mausstudie nach, dass die Aufnahme von Mikroplastik die Funktion der Kupfferzellen in der Leber beeinträchtigt und zu vermehrter Fetteinlagerung führen kann. Schätzungen zufolge nehmen Erwachsene wöchentlich bis zu 5 g Plastik auf.
Weitere Untersuchungen des Institute for Systems Biology bei über 1.400 gesunden Erwachsenen zeigten zudem den Einfluss der Verdauungsfrequenz auf das Immunsystem.
Eine Gruppe mit einem bis drei Stuhlgängen täglich wies die günstigsten Befunde auf, während Verstopfung mit höheren Blutwerten für Toxine wie Indoxylsulfat einherging, was wiederum die Nierenfunktion belasten kann. Bei Durchfall hingegen beobachteten die Forscher erhöhte Entzündungswerte und Anzeichen einer stärkeren Leberbelastung.
Abschließend deuten genetische Studien darauf hin, dass bestimmte Immunmarker wie Interleukin-6 (IL-6) eine Brücke zwischen körperlichen und psychiatrischen Erkrankungen schlagen könnten. So vermittelte IL-6 in Untersuchungen einen signifikanten Anteil des genetischen Zusammenhangs zwischen psychischen Belastungsfaktoren und Morbus Crohn.
