Goodbytz in Giesing: Kochroboter bereitet bis zu 120 Portionen pro Stunde
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 22:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
An einer Allguth-Tankstelle in der Chiemgaustraße 185 im Münchner Stadtteil Giesing bereitet seit Mitte September 2026 ein autonomer Kochroboter namens „emma“ warme Gerichte zu. Das System des Hamburger Herstellers Goodbytz ist rund um die Uhr in Betrieb. Es handelt sich um den ersten Kochroboter an einer deutschen Tankstelle sowie den ersten öffentlich zugänglichen Küchenroboter dieser Art in München.
Der 46-jährige Pächter Alexander Schelling hat die Anlage für die Station gemietet, um Kundinnen und Kunden durchgehend warme Mahlzeiten bereitzustellen. Auch Markus Erbrich, Leiter Convenience und Partnerentwicklung beim Betreiber Allguth, bestätigte den Einsatz des öffentlich zugänglichen Roboters am Münchner Standort.
Die Tankstelle verfügt neben 15 herkömmlichen Zapfsäulen auch über sechs Ladepunkte für Elektrofahrzeuge. Die stärkste Nachfrage nach den automatisiert zubereiteten Gerichten verzeichnet die Station in den Nachtstunden, unter anderem durch Schichtarbeiter, U-Bahn-Fahrer und Einsatzkräfte der Polizei.
Vollautomatische Zubereitung in wenigen Minuten
Die rund 2 mal 6 Meter große Kochanlage wurde von dem 2021 in Hamburg gegründeten Unternehmen Goodbytz um Mitgründer Hendrik Susemihl entwickelt. Der Ingenieur und Robotik-Pionier konzipierte das System so, dass es bis zu 25 verschiedene Speisen zubereiten kann. Das Gerät verfügt über eine integrierte Kühlung, Herdplatten, Spülvorrichtungen, zwei Greifarme sowie eine rotierende Kochfläche und ein automatisches Reinigungssystem.
Der Kochprozess läuft über acht Induktionsherdplatten und zwei Roboterarme ab. Im Sichtfenster drehen sich bis zu acht schwarze Kochtöpfe gleichzeitig, wodurch ein Anbrennen verhindert und das automatische Umrühren gewährleistet wird. Jede Portion wird frisch gekocht. Die Zubereitungszeit liegt bei unter fünf Minuten beziehungsweise vier bis fünf Minuten pro Gericht.
Nach Angaben von Goodbytz erreicht die Anlage eine Spitzenleistung von bis zu 120 Portionen pro Stunde. Zum Abschluss garniert ein Roboterarm die Speisen mit Zutaten wie Frühlingszwiebeln, Lauchzwiebeln, Röstzwiebeln oder Puderzucker aus Edelstahlbehältern. Die Abholung erfolgt nach der Bestellung über einen QR-Code, was auch mitten in der Nacht funktioniert.
Ganz ohne menschliche Arbeitskraft kommt der Betrieb jedoch nicht aus. Die Zutaten werden vorgeschnitten bezogen und die Saucen vorgewürzt. Das Personal vor Ort muss weiterhin die Vorräte vorbereiten, die Maschine befüllen und Reinigungsaufgaben übernehmen.
Ein autonomer Kochroboter bereitet an einer Münchner Tankstelle rund um die Uhr bis zu 120 Portionen pro Stunde zu – ein Beispiel dafür, wie Automatisierung den Personalengpass in der Gastronomie abfedern kann. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in 5 Schritten, wie Sie prüfen, ob ein solches System zu Ihrem Betrieb passt. Kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern
Angebot und Preise an der Station
An der Münchner Station stehen mehrere frisch zubereitete Mahlzeiten zur Auswahl, darunter vegetarische, vegane und klassische Varianten mit Fleisch für je 9,90 Euro. Auf der Speisekarte finden sich unter anderem Käsespätzle, Tortellini-Variationen wie Tortellini vier Käse, Udon-Nudeln in der Variante „Hot & Sweet“, eine vegane Döner-Bowl sowie die Suppe Tom Kha Gai mit Reis.
In den ersten Betriebswochen erwiesen sich die Käsespätzle als das meistverkaufte Gericht. Am Wochenende vor Mitte Oktober 2026 wurde das Sortiment zusätzlich um Kaiserschmarrn zum Preis von 6,90 Euro erweitert.
Verbreitung und Einordnung durch Fachleute
Goodbytz liefert seine Küchenroboter bereits an Kantinen sowie an eine US-Militärbasis. Nach Angaben des Unternehmens befinden sich weitere Einheiten in einem Restaurant am Leipziger Hauptbahnhof, an der Universität Kaiserslautern und am Universitätsklinikum Tübingen im Einsatz.
Auch Wettbewerber platzieren ähnliche Konzepte auf dem Markt: Das Modell CA-1 der Circus Group verrichtet nach Angaben auf der Unternehmenswebseite seit September 2025 in der Münchner Kantine der Facebook-Muttergesellschaft Meta seinen Dienst.
Personalkosten rund um die Uhr, Nachtschichten, die kaum jemand besetzen will: Genau hier setzen Küchenroboter an – doch der Dehoga Bayern stuft sie derzeit als Nischenlösung ein, nicht als flächendeckenden Standard. Unser Leitfaden liefert Ihnen die Kosten-Nutzen-Rechnung, mit der Sie Chancen und Grenzen für Ihren Betrieb realistisch bewerten. Kosten-Nutzen-Rechnung jetzt sichern
Der Branchenverband Dehoga Bayern stuft solche Systeme als interessante Zukunftstechnologie ein. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Verbands, erklärte, dass Kochroboter das Personal entlasten und Abläufe effizienter gestalten könnten. Derzeit handle es sich allerdings um einzelne Pilotanwendungen und eine Nischenlösung, nicht um einen flächendeckenden Standard. Ein Einsatz in sämtlichen Betrieben sei unrealistisch.
Auch aus wissenschaftlicher Sicht bestehen noch technologische Grenzen. Berthold Bäuml, Wissenschaftler an der Technischen Universität München, verwies darauf, dass ein automatisiertes Abschmecken wie durch den Menschen derzeit unrealistisch bleibe. Allerdings könnten Roboter spätestens in fünf Jahren die menschliche Geschicklichkeit erreichen.
