Google Play: 30%-Gebühr fällt ab Juli – externe Zahlungen erlaubt
25.06.2026 - 14:58:08 | boerse-global.de
Google lockert ab Juli 2026 seine Zahlungsregeln – Entwickler dürfen dann eigene Bezahlsysteme nutzen.
Der Suchmaschinenriese reagiert damit auf den juristischen Druck durch Epic Games und leitet eine der größten Reformen in der Geschichte des App-Ökosystems ein. Ab dem 30. Juni 2026 können Entwickler in den USA, Großbritannien und im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) auf externe Zahlungsanbieter umsteigen. Die bisherige 30-Prozent-Pauschale gehört damit der Vergangenheit an.
Neue Gebühren: Was Entwickler zahlen müssen
Das neue Modell entkoppelt die Servicegebühren von den reinen Transaktionskosten. Konkret bedeutet das: Auf die ersten eine Million Euro Jahresumsatz erhebt Google nur noch zehn Prozent Servicegebühr. Erst oberhalb dieser Schwelle steigt der Satz – auf 20 Prozent für neue In-App-Käufe, während Abonnements weiterhin mit zehn Prozent berechnet werden. Unter bestimmten Bedingungen können die Gebühren für Bestandskunden jedoch auf bis zu 25 Prozent klettern.
Wer Googles eigenes Bezahlsystem nutzt, zahlt zusätzlich fünf Prozent Abwicklungsgebühr. Entwickler, die auf externe Anbieter setzen, sparen sich diesen Aufschlag. Das Google-System selbst unterstützt derzeit mehr als 300 lokale Zahlungsmethoden in 195 Märkten.
Weltweite Einführung in Etappen
Die Reform kommt nicht auf einmal, sondern in Wellen. Nach dem Start Ende Juni 2026 in den USA, Großbritannien und dem EWR folgt Australien am 30. September 2026. Japan und Südkorea ziehen zum Jahreswechsel nach. Die vollständige weltweite Umsetzung ist für den 30. September 2027 geplant.
Ab Juli 2026 entfällt die 30%-Gebühr auf Google Play – Entwickler können dann eigene Zahlungssysteme nutzen. Unser Leitfaden zeigt Ihnen in 5 Schritten, wie Sie externe Anbieter integrieren, Gebühren sparen und Sicherheitsrisiken vermeiden. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Parallel dazu führt Google zwei neue Anreizprogramme ein: "Games Level Up" und "Apps Experience", beide starten im September 2026. Sie belohnen Entwickler mit reduzierten Gebühren – vorausgesetzt, sie erfüllen strenge Kriterien bei Qualität, Multi-Device-Unterstützung und Sicherheitsstandards. Das "Apps Experience"-Programm richtet sich speziell an Entwickler, die in den USA, Großbritannien, dem EWR und Australien die Millionen-Umsatzgrenze überschritten haben.
Sicherheit: Google räumt auf
Neben den Zahlungsänderungen hat Google auch die Sicherheit verschärft. Seit dem 24. Juni 2026 rollt das Unternehmen sein "June 2026 Spam Update" aus. Es bekämpft gezielt bestimmte Spam-Techniken in allen Sprachen – allerdings nicht Link-Spam oder sogenannten "Site Reputation Abuse". Betroffene Websites müssen mit mehreren Monaten rechnen, bis sie sich nach einer Bereinigung wieder erholen.
Ein alarmierender Fall zeigt, warum solche Maßnahmen nötig sind: Google entfernte kürzlich eine betrügerische Dokumentenleser-App aus dem Play Store, die über 100.000 Mal heruntergeladen worden war. Die App umging die anfänglichen Sicherheitschecks, indem sie sich zunächst harmlos präsentierte – erst nach der Installation lieferte sie per Update den gefährlichen Anatsa-Banking-Trojaner aus.
Der Milliarden-Trend: Weg vom App-Store
Betrügerische Apps wie der Anatsa-Trojaner umgehen Sicherheitschecks – mit über 100.000 Downloads. Wer auf externe Zahlungen umsteigt, muss zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Unser Leitfaden liefert eine konkrete Sicherheits-Checkliste für Ihren Wechsel. Sicherheitsleitfaden jetzt sichern
Die Reform fällt in eine Zeit, in der die Spielebranche zunehmend auf Direktvertrieb setzt. Eine Studie von Appcharge aus dem Juni 2026 beziffert den Markt für Direct-to-Consumer (DTC)-Transaktionen im Mobile-Gaming auf umgerechnet rund 17 Milliarden Euro – das sind etwa 15 Prozent des gesamten In-App-Kaufmarktes von rund 113 Milliarden Euro.
Die überwältigende Mehrheit der Publisher erwartet, dass dieser Trend 2026 weiter an Fahrt gewinnt. Frühe Nutzer externer Bezahlsysteme berichten von Umsatzsteigerungen im Median von 15 Prozent, Spitzenreiter erzielten sogar Zuwächse von 35 Prozent. Die meisten befragten Publisher geben an, dass DTC-Kanäle mindestens genauso gut performen wie die traditionellen App-Store-Wege.
