Google verklagt Phishing-Netzwerk: 9.000 betrügerische Websites
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 22:47 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die niederländische Datenschutzbehörde (DPA) schlägt Alarm: Künstliche Intelligenz treibt die Zahl erfolgreicher Hackerangriffe in die Höhe. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Land 2.428 erfolgreiche Datenschutzverletzungen durch Cyberattacken – ein Anstieg von 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Hauptverantwortlich dafür sind KI-gestützte Phishing-Kits, die selbst Laien erlauben, täuschend echte Betrugsnachrichten zu erstellen. Die Behörde warnt, dass die neue Technologie es Kriminellen ermöglicht, personalisierte und grammatikalisch fehlerfreie Köder in einem nie dagewesenen Ausmaß zu produzieren.
Account-Übernahmen verdreifacht
Insgesamt gingen bei der DPA im Jahr 2025 rund 39.407 Meldungen über Datenschutzverletzungen ein – ein Anstieg von 4,1 Prozent. Besonders dramatisch fiel die Zunahme bei Account-Übernahmen aus: Sie verdreifachten sich auf 1.742 Fälle.
Die Behörde hebt zudem die Kettenreaktion moderner Angriffe hervor. Ein einziger Ransomware-Vorfall beim Dienstleister AddComm löste 5.407 Folgemeldungen aus, da die Attacke durch das gesamte Kundennetzwerk des Unternehmens wirkte. KI-Tools erlauben Angreifern inzwischen, überzeugende Nachrichten vollautomatisch zu erstellen. Für Mitarbeiter wird es so immer schwieriger, echte von betrügerischen Kommunikationen zu unterscheiden.
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Google verklagt Phishing-Netzwerk
Die Welle KI-gesteuerter Betrugsversuche hat nun auch juristische Konsequenzen. Am 12. Juni 2026 reichte Google Zivilklage gegen eine Organisation namens Outsider Enterprise ein. Die Gruppe soll die hauseigene KI-Plattform Gemini genutzt haben, um über 9.000 betrügerische Websites und mehr als eine Million schädliche URLs zu erstellen.
Ermittlungsdaten zufolge versandte das Netzwerk allein in zwei Wochen im Mai 2026 rund 2,5 Millionen betrügerische SMS-Nachrichten. Das FBI bringt die Phishing-Kits mit dem Diebstahl von 3,87 Millionen Zahlungskarten und finanziellen Verlusten von umgerechnet rund 1,7 Milliarden Euro seit Juli 2023 in Verbindung. Die Kits wurden über Telegram vertrieben – zu Preisen zwischen 80 Euro pro Woche und 185 Euro im Monat. Ermittler identifizierten 131 verschiedene Varianten der Software.
WM-Phishing und neue Angriffswege
Saisonale Kampagnen nehmen ebenfalls zu. Die Sicherheitsfirma Hoxhunt verzeichnete zwischen April und Juni 2026 einen Anstieg von Phishing-Angriffen rund um die Fußball-WM um 500 Prozent. Die Attacken zielen vor allem auf Marketingabteilungen mit gefälschten Stellenangeboten oder angeblichen Coca-Cola-Gewinnspielen. Analysten fanden heraus, dass sogenanntes „zeitliches Phishing" – Angriffe, die aktuelle Ereignisse ausnutzen – mit 42 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass Nutzer auf einen schädlichen Link klicken.
Sicherheitsforscher beobachten zudem eine strategische Verlagerung der Angriffe. Während E-Mail weiterhin eine Bedrohung darstellt, verlagern sich Phishing-Versuche zunehmend auf Kollaborationsplattformen. Zwischen Oktober 2025 und März 2026 stieg die Zahl der Phishing-Angriffe über Microsoft Teams um 41 Prozent. Die europäische Cybersicherheitsbehörde ENISA schätzt, dass Phishing in 60 Prozent aller registrierten Einbrüche den ersten Zugangspunkt darstellt.
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Neue Malware und QR-Code-Gefahr
Die technische Komplexität der Bedrohungen wächst. Im ersten Halbjahr 2026 identifizierte der Sicherheitsanbieter ESET rund 25.000 verdächtige und mehr als 3.000 bösartige KI-bezogene „Skills". In diesem Zeitraum entdeckten Forscher auch PromptSpy – die erste Android-Schadsoftware, die generative KI über Google Gemini nutzt.
Zusätzlich erschwert QR-Code-Phishing die Abwehr: Es machte Anfang 2026 bereits 11 Prozent der erkannten Phishing-E-Mails aus. Eine Umfrage unter 1.200 IT-Experten ergab, dass über 70 Prozent eine deutliche Zunahme der Raffinesse KI-gestützter Social-Engineering-Angriffe beobachten. In Singapur stieg die Zahl infizierter Systeme trotz leicht rückläufiger Phishing-Versuche um 142 Prozent auf über 284.000.
Finnische und andere europäische Cybersicherheitsbehörden bewerten die aktuelle Bedrohungslage als hoch. KI mache ausgefeilte Angriffe billiger und einfacher durchführbar. Experten empfehlen Unternehmen den Umstieg auf Zero-Trust-Architekturen, um die Reichweite von Angreifern zu begrenzen, sobald die erste Verteidigungslinie durch automatisierte Social-Engineering-Angriffe gefallen ist.
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