Grippe in Hessen: Kreis Bergstraße meldet 498 Fälle bis Mitte Oktober
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit dem Einsetzen der kühleren Jahreszeit verzeichnen Behörden und Fachleute einen beginnenden Anstieg bei Atemwegserkrankungen. Neben saisonalen Erkältungserregern rücken insbesondere Influenza, das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) sowie SARS-CoV-2 wieder verstärkt in den Fokus.
Gesundheitsexperten betonen vor diesem Hintergrund die Relevanz präventiver Schutzmaßnahmen, um schwere Krankheitsverläufe in der Herbst- und Wintersaison insbesondere bei älteren Menschen und Risikogruppen zu verhindern.
Frühe Falldaten und aktuelle Erregerlage
Regionale Meldedaten verdeutlichen die jahreszeitliche Dynamik. In Hessen wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) in einer Vorwoche 21 Influenza-Fälle übermittelt, während sich die Gesamtzahl in den vorangegangenen vier Wochen auf über 100 Infektionen belief.
Im entsprechenden Vorjahreszeitraum lag dieser Wert noch bei unter 30 Fällen. Im hessischen Kreis Bergstraße wurden bis zum 12. Oktober 2026 insgesamt 498 Grippefälle registriert, was nahezu dem Gesamtwert des Jahres 2024 entspricht.
Auch in Bayern wurden laut dem dortigen Gesundheitsministerium seit Beginn der herbstlichen Grippesaison bis zum Stichtag am 12. Oktober 338 Grippefälle erfasst, woraufhin die bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach zu einer rechtzeitigen Immunisierung aufrief.
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Nach Angaben des RKI ist die allgemeine Virusaktivität zwar noch moderat, nimmt jedoch stetig zu. Bei Menschen mit Atemwegssymptomen dominierten zuletzt Rhinoviren und Parainfluenzaviren. Influenza-A-Viren wurden in vier Prozent der eingesandten Proben nachgewiesen; der offizielle Beginn einer Grippewelle wird ab einer Positivrate von zehn Prozent definiert.
Allerdings verzeichnet das Institut bei Patienten ab 80 Jahren bereits wieder erhöhte Hospitalisierungsraten. Gleichzeitig verweist das Universitätsklinikum Bonn auf einen beginnenden saisonalen Anstieg der SARS-CoV-2-Aktivität, wobei gegenwärtig die Omikron-Linie XFG sowie die Variante NB.1.8.1 (Nimbus) das Infektionsgeschehen bestimmen.
Differenzierte Impfempfehlungen der STIKO
Zur Reduzierung von Komplikationen verweist die Ständige Impfkommission (STIKO) auf die bestehenden Schutzimpfungen. Für die Grippeimpfung gilt das Zeitfenster von Anfang Oktober bis Mitte Dezember als optimal, da der Schutz zehn bis 14 Tage nach der Verabreichung eintritt und etwa neun bis zwölf Monate anhält.
Die Empfehlung richtet sich vor allem an Personen ab 60 Jahren, Schwangere ab dem zweiten Trimenon, medizinisches Personal sowie chronisch Kranke. Bei älteren Menschen senkt die Impfung das Erkrankungsrisiko im Durchschnitt um 50 Prozent. Für Personen ab 60 Jahren werden Hochdosis- und MF59-adjuvantierte Impfstoffe als gleichwertig empfohlen.
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Bei den Corona-Impfungen hat die STIKO Anpassungen vorgenommen: Für gesunde Erwachsene wurde die Altersgrenze für eine jährliche Auffrischung von 60 auf 75 Jahre angehoben. Für Personen mit Vorerkrankungen sowie Bewohner von Pflegeeinrichtungen bleibt die jährliche Auffrischung weiterhin angeraten.
Eine gleichzeitige Verabreichung der Grippe- und Corona-Impfung an verschiedenen Armen ist möglich. Bei RSV empfiehlt die Kommission eine einmalige Impfung für Personen ab 75 Jahren sowie für Personen ab 60 Jahren mit spezifischen Grundleiden; eine jährliche Auffrischung ist hierbei nicht vorgesehen.
Niedrige Impfquoten bereiten Fachkreisen Sorge
Trotz der Empfehlungen bleiben die Impfquoten vielerorts hinter den angestrebten Zielwerten zurück. Nach RKI-Angaben ließen sich bundesweit in der Saison 2024/2025 lediglich 34,5 Prozent der Personen ab 60 Jahren gegen Grippe impfen.
Daten der Techniker Krankenkasse für Bayern zeigen ein ähnliches Bild: Im vergangenen Winter nahmen im Freistaat nur 34 Prozent der älteren Generation die Grippeimpfung wahr, während der bundesweite Durchschnitt bei 40 Prozent lag. Gegen Corona ließen sich dort lediglich 13 Prozent, gegen Pneumokokken 21 Prozent und gegen Gürtelrose 24 Prozent dieser Altersgruppe impfen.
Der STIKO-Vorsitzende Reinhard Berner erinnerte daran, dass Weltgesundheitsorganisation und Europäische Union für ältere Menschen eine Quote von 75 Prozent vorgeben. STIKO-Mitglied Berit Lange vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hob hervor, dass ein weiterer Rückgang der Quoten das Gesundheitssystem und gefährdete Gruppen belaste.
Neben Impfungen raten Mediziner bei beginnenden Infektionswellen zum Tragen von Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie zu ausreichender Schonung bei Atemwegserkrankungen, um Spätfolgen wie Bronchitis oder Herzmuskelentzündungen zu vermeiden. Ein Husten, der über drei bis vier Wochen anhält, sollte laut Fachkreisen ärztlich abgeklärt werden.
