Grippeimpfung in Österreich: 868.000 Influvac-Dosen kommen verspätet
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 00:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Beginn der Grippeimpfkampagnen ist in diesem Herbst von logistischen Verzögerungen und Engpässen geprägt. Wie Berichte vom 2. Oktober 2026 verdeutlichen, gerät in Österreich der Zeitplan für die bundesweite Gratis-Aktion der Saison 2026/27 unter Druck.
Insgesamt 868.000 Dosen des Impfstoffs Influvac treffen nicht wie vereinbart ein. Statt im Oktober werden Teile des Kontingents voraussichtlich erst Ende November in den Arztpraxen zur Verfügung stehen, da der Hersteller weder Liefertermine noch Mengen verbindlich garantieren kann.
Ursachen der Verzögerung und behördliche Konsequenzen
Für den Lieferverzug gibt es mehrere Ursachen. Einerseits hat die Weltgesundheitsorganisation WHO für die laufende Saison ungewöhnlich viele Impfstoffbestandteile neu festgelegt, was die Produktion verkompliziert. Andererseits beeinträchtigen fragile globale Lieferketten, unter anderem im Bereich der Straße von Hormus, die pünktliche Auslieferung.
Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig erklärte vor diesem Hintergrund, die Situation sei ernst, man habe jedoch entsprechende Vorsorge getroffen. Das zuständige Ministerium prüft unterdessen Vertragsstrafen sowie Schadenersatzforderungen gegenüber den Lieferanten. Da Impftermine in Praxen bereits teilweise verschoben werden müssen, wurden alle Impfstellen angewiesen, keine unbestätigten Dosen im Voraus zu verplanen.
Verteilung der Bestände und frühe Infektionsrisiken
Trotz der Ausfälle bei Influvac sind andere Teilkontingente verfügbar oder befinden sich im Zulauf. Für Kinder im Alter von zwei bis 18 Jahren stehen rund 259.000 Dosen bereit, für Menschen ab 50 Jahren rund 538.000 Dosen. Weitere rund 100.000 Dosen für Säuglinge, Schwangere und Risikopatienten sind unterwegs. Diese Bestände für Kinder und Senioren sollen rasch verteilt werden.
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Die Verzögerung trifft die Versorgung zu einem heiklen Zeitpunkt. Nach Einschätzung des Nationalen Referenzlabors der Medizinischen Universität Wien ist mit einem ungewöhnlich frühen Beginn der Grippewelle zu rechnen; erste Fälle wurden bereits registriert.
Laut Gesundheitsbehörden fordert die echte Grippe in Österreich jährlich rund 1.000 Todesopfer. Fachleute empfehlen die Impfung prinzipiell allen Personen ab sechs Monaten und betonen, dass nun der richtige Moment sei, den eigenen Impfstatus zu überprüfen.
Zugleich verweisen Berichte auf bestehende Dokumentationsprobleme aus früheren Jahren: In der Saison 2024/25 wurden rund 1,22 Millionen Dosen an Arztpraxen ausgegeben, jedoch nur knapp 938.000 Impfungen im offiziellen e-Impfpass erfasst – eine Differenz von über 280.000 Dosen. Berechnungen der Kleinen Zeitung zufolge galten über eine Spanne von drei Jahren hinweg insgesamt rund 830.000 Dosen als verschollen.
Parallele Versorgungsengpässe in der Türkei
Lieferprobleme bei Influenza-Vakzinen zeigen sich derweil nicht nur in Österreich. In der Türkei schlug die Standesvertretung TE?S laut einem Bericht vom 3. Oktober 2026 Alarm. Die Verbandsvorsitzende Nurten Saydan wies darauf hin, dass die Vor-Ort-Apotheken unzureichend versorgt würden und Bürger vergeblich von Geschäft zu Geschäft zögen.
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Für dieses Jahr ist dort eine Gesamtzahl von 2 Millionen 900 Tausend Dosen über beide Impfstoffe hinweg vorgesehen. Dem steht eine weitaus größere Zielgruppe gegenüber: Allein die Gruppe der über 65-Jährigen zählt 9,5 Millionen Personen, hinzu kommen etwa 20 Millionen chronisch kranke Menschen.
Saydan kritisierte, dass die Apotheken vor dem Problem stünden, nach welcher Dringlichkeit die wenigen gelieferten Dosen abgegeben werden sollen. Der Mangel treffe neben Senioren vor allem Patienten mit Asthma, Diabetes, COPD und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Vereinigung fordert deshalb eine ausreichende Belieferung und eine transparente Verteilung.
