Grippeimpfung: Nur 10% der Risikokinder sind geschützt
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 15:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deMit sinkenden Temperaturen rückt die alljährliche Erkältungs- und Grippewelle wieder in den Fokus. Mediziner klären derzeit über den Zusammenhang zwischen Kälte und steigenden Infektionszahlen auf und geben Hinweise, wie sich Betroffene und Risikogruppen auf die kommenden Wochen einstellen können.
Aktuelle Infektionslage laut RKI
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkrankten in Kalenderwoche 37 rund 5 Millionen Menschen pro Woche neu an einer akuten Atemwegserkrankung, was etwa 6.000 Erkrankungen je 100.000 Einwohner entspricht. Das Niveau gilt laut RKI für diese Jahreszeit als niedrig und üblich.
In Kalenderwoche 36 lag die Zahl noch bei schätzungsweise 3,8 Millionen Neuerkrankungen beziehungsweise rund 4.500 Fällen pro 100.000 Einwohner. Seit dem Tiefpunkt in Kalenderwoche 33 ist die Aktivität damit deutlich gestiegen, bleibt aber laut RKI insgesamt niedrig und für die Jahreszeit üblich.
Influenza, COVID-19 und weitere grippeähnliche Erkrankungen zeigen erste Anstiege, die eigentliche Grippewelle hat laut RKI jedoch noch nicht eingesetzt. Die vergangene Influenzasaison endete nach RKI-Definition in Kalenderwoche 10/2026 und war geprägt von Influenza-A(H3N2)-Viren.
Was eine Erkältung wirklich braucht
Laut gesund.bund.de verkürzt kein Medikament eine Erkältung zuverlässig auf ein bis zwei Tage. In der Regel klingen die Symptome innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, wobei Husten bei Erwachsenen durchschnittlich rund 18 Tage anhält und teilweise bis zu drei Wochen dauern kann.
Typisch für eine Erkältung ist vor allem Schnupfen, während Halsschmerzen und Husten häufig, hohes Fieber dagegen weniger typisch sind. Da es sich meist um virale Infekte handelt, sind Antibiotika nicht wirksam.
Hausmittel wie warme Getränke, Honig bei Husten für Kinder über einem Jahr oder Kochsalzlösung können Symptome laut Medizinern lindern, auch wenn die Belege für eine deutliche Verkürzung der Erkrankungsdauer begrenzt sind. Abschwellende Nasensprays sollten nur zeitlich begrenzt angewendet werden.
Impfempfehlungen der STIKO
Für 2026 gibt es keine allgemeine COVID-19-Impfempfehlung mehr für gesunde Erwachsene. Die STIKO empfiehlt die jährliche COVID-19-Impfung als Standardimpfung ab 75 Jahren sowie für Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen, erhöhtem Schwerverlaufsrisiko und beruflich exponierte Gruppen.
Nur etwa jedes zehnte Kind mit einer impfrelevanten Grunderkrankung erhält tatsächlich die Grippeimpfung – dabei empfiehlt die STIKO sie für Risikokinder schon seit Jahrzehnten. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Kind in dieser Saison schützen. Jetzt kostenlosen Impf-Leitfaden für Risikokinder anfordern
Die jährliche Influenza-Impfung wird unter anderem ab 60 Jahren, für Schwangere, chronisch Kranke sowie Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen empfohlen. Hinzu kommt eine einmalige RSV-Impfung ab 75 Jahren, für 60- bis 74-Jährige bei deutlich erhöhtem Risiko durch schwere Grunderkrankungen oder Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung. Säuglinge können in ihrer ersten RSV-Saison passiv mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab immunisiert werden.
Impflücke bei Risikokindern
Eine Auswertung von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen aus elf Grippesaisons zwischen 2014/15 und 2024/25, veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin 38|2026 des RKI vom 17. September 2026, zeigt, dass je Saison nur etwa 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit impfrelevanter Grunderkrankung eine Grippeimpfung erhielten.
Ohne Änderung dieses Musters wären in der Saison 2026/27 rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche mit Grunderkrankung nicht gegen Grippe geimpft. Zwischen 2015 und 2024 entfielen insgesamt 31,4 Prozent der erfassten Influenza-Krankenhausbehandlungen auf unter 18-Jährige.
Die STIKO empfiehlt die jährliche Grippeimpfung für Risikokinder mit Erkrankungen wie Asthma, Herz-Kreislauf-Problemen, Diabetes, Immunschwäche oder Adipositas bereits seit 30 Jahren.
Impfaktion in Bayern
In Bayern startet die Grippesaison offiziell ab Kalenderwoche 40, also dem 28. September. Die Stadt München bietet zusammen mit dem LMU Klinikum und dem TUM Klinikum erstmals Grippe- und Corona-Impfungen direkt auf dem Oktoberfest an, in der sogenannten Wiesn-Wache unter dem Motto „München impft“.
Zwischen 2015 und 2024 entfielen fast ein Drittel aller erfassten Influenza-Krankenhausbehandlungen auf Kinder und Jugendliche. Wenn Ihr Kind Asthma, Diabetes oder eine Immunschwäche hat, zählt jede Woche Vorlauf – unser Leitfaden begleitet Sie vom Arztgespräch bis zum Impftermin. Impf-Checkliste für Ihr Kind jetzt ansehen
Das Angebot gilt während des gesamten Oktoberfests, ohne Terminvereinbarung – lediglich Krankenkassenkarte und Impfpass sind mitzubringen. Die Impfzeiten liegen werktags zwischen 10 und 14 Uhr, am Wochenende zwischen 9 und 14 Uhr. Laut Stadt baut sich der Impfschutz innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen vollständig auf.
Christoph Spinner vom TUM-Klinikum Rechts der Isar wies darauf hin, dass nicht einmal jeder Dritte mit bestehender Impfempfehlung tatsächlich gegen Influenza geimpft ist. Die STIKO empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung unter anderem ab 60 Jahren, für Schwangere, Personen mit chronischen Atemwegs-, Herz-Kreislauf- oder Diabeteserkrankungen sowie für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen.
