Großer Bauch trotz Normalgewicht: Herz-Kreislauf-Risiko steigt um bis zu 50 Prozent
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deNicht nur das reine Körpergewicht oder die bloße Muskelmasse bestimmen das Risiko für kardiometabolische Erkrankungen, sondern maßgeblich die Verteilung von Fettgewebe im Organismus. Eine umfassende Untersuchung liefert neue Einblicke in die Zusammenhänge zwischen fettfreier Masse, ektopischem Fett und Stoffwechselstörungen wie dem metabolischen Syndrom.
Fettfreie Masse und Stoffwechselmarker im Detail
Ein Forschungsteam des Pennington Biomedical Research Center unter der Leitung von Dr. Candida J. Rebello analysierte Daten von 59.269 Erwachsenen aus der britischen UK Biobank. Die Untersuchung, die im Fachjournal The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism publiziert wurde, stützte sich auf bildgebende Verfahren mittels DXA und Magnetresonanztomographie (MRT).
Dabei zeigte sich ein differenziertes Bild: Eine höhere absolute fettfreie Masse sowie ein entsprechend größenbezogener Wert korrelierten mit einer höheren Prävalenz des metabolischen Syndroms und einem erhöhten Wert für glykiertes Hämoglobin (HbA1c).
Hingegen ging ein höherer prozentualer Anteil fettfreier Masse am gesamten Körpergewicht mit einer geringeren Häufigkeit beider Auffälligkeiten einher. Bei der Arbeit handelte es sich um eine Querschnittsanalyse, die Assoziationen beschreibt und keine kausalen Schlüsse zulässt.
Die Rolle von ektopischem und intramuskulärem Fett
Die beobachteten Zusammenhänge hingen nach Angaben des Pennington Biomedical Research Center entscheidend von der ektopischen Fettverteilung ab. Sowohl viszerales Bauchfett als auch Fetteinlagerungen direkt im Muskelgewebe zeigten eine starke Assoziation mit ungünstigen Stoffwechselmarkern.
In den statistischen Modellen veränderte viszerales Fett die Zusammenhänge am deutlichsten, gefolgt von intramuskulärem Fett. Wurden die Berechnungen für das Bauchfett adjustiert, fielen die Effekte schwächer aus. Untersuchte Hormonwerte wie Testosteron, Östradiol sowie das Sexualhormon-Transportprotein wiesen demgegenüber geringere Effekte auf die statistischen Zusammenhänge auf.
Dass Fettansammlungen in der Muskulatur ein relevanter Indikator sein können, stützt auch eine MRT-Studie der Technischen Universität München, die im Fachblatt Radiology erschien.
Anhand von 11.348 Erwachsenen aus der Deutschen Nationalkohorte mit einem Medianalter von 43 Jahren und einem Männeranteil von rund 57 % stellten die Forschenden fest, dass mehr verstecktes Muskelfett entlang der Wirbelsäule mit einem ungünstigeren Gesundheitsprofil assoziiert war.
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In der Beobachtungsstudie traten unerkannte Risikofaktoren zutage: Über 16 % wiesen Bluthochdruck auf, etwa 8,5 % einen abnormen Blutzucker und fast 46 % ungesunde Lipidwerte.
Risiken durch viszerales Bauchfett
Medizinische Fachleute weisen regelmäßig auf die physiologischen Gefahren von viszeralem Fett hin. Dr. Jens Aberle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erläuterte, dass viszerales Fett das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle drastisch erhöhe. Entzündungsfördernde Botenstoffe wie Interleukin-6 trügen dazu bei, Insulinresistenz und Arteriosklerose auszulösen.
Als Orientierungswerte für den Bauchumfang gelten bei Frauen Werte ab 80 Zentimetern als erhöhtes und ab 88 Zentimetern als kritisches Risiko. Bei Männern liegen diese Schwellen bei 94 beziehungsweise 102 Zentimetern. Eine sogenannte Waist-to-Height-Ratio von über 0,5 gelte bei Personen unter 40 Jahren als medizinisch bedenklich.
Nach Angaben der Britischen Menopause-Gesellschaft verändert sich die Fettverteilung auch hormonell bedingt: Bei Frauen nach den Wechseljahren steige der Anteil des viszeralen Fetts am gesamten Körpergewicht von 5 bis 8 % auf bis zu 15 %.
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Dass Übergewicht nicht das alleinige Kriterium darstellt, belegt zudem eine Übersichtsarbeit auf Basis von Daten von mehr als 260.000 Menschen: Normalgewichtige mit einem großen Bauchumfang wiesen ein um bis zu 50 % höheres Herz-Kreislauf-Risiko auf.
Auch Petra Wolfinger vom Ordensklinikum Linz verwies darauf, dass Bauchfett Entzündungsprozesse befeuere und zu schweren Gefäßereignissen führen könne. In Österreich seien rund 60 % der erwachsenen Männer von Übergewicht betroffen, etwa 18 % litten an Adipositas.
Die aktuellen Forschungsarbeiten verdeutlichen somit übereinstimmend, dass für die Einschätzung des metabolischen Risikos die genaue Verteilung des Körperfetts eine zentrale Rolle spielt.
