Grüne Werbung: EU-Richtlinie EmpCo verbietet irreführende Nachhaltigkeitsaussagen
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 20:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die EU-Richtlinie EmpCo („Empowering Consumers for the Green Transition“) soll irreführende Nachhaltigkeitsaussagen unterbinden. Besonders betroffen: Konsumgüter und Kosmetika. Hersteller müssen künftig belegen, was sie behaupten.
Der Kampf gegen den Label-Dschungel
Branchenverbände wie der Handelsverband Deutschland (HDE) warnen vor wirtschaftlichen Risiken. Das Problem: Klare Übergangs- und Abverkaufsfristen für bereits produzierte Ware fehlen. Die Folge? Drohende Vernichtung von Beständen.
Hilfe kommt von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR). Sie aktualisierte im Februar 2026 die Datenbank „Umweltzeichen Kompakt“. Erfasst wurden 235 Umwelt- und Gütezeichen für biobasierte Produkte. Ziel: mehr Transparenz im Label-Dschungel.
Recht auf Reparatur: Länger leben, weniger wegwerfen
Parallel zu den Werberegeln ändert sich die Produktphysik. Die EU-Richtlinie (EU) 2024/1799 verpflichtet Hersteller zur Reparatur bestimmter Produkte. Dazu gehören Smartphones, Waschmaschinen, Kühlschränke und Displays. Die Mitgliedstaaten müssen bis zum 31. Juli 2026 nationale Gesetze verabschieden.
Österreich ist vorangegangen. Der Nationalrat verabschiedete das „Verbraucherrechts-Änderungsgesetz 2026“. Die Regelung: Hersteller müssen Reparaturen auch nach der Gewährleistung anbieten. Ein Anreizsystem belohnt Reparaturen – wer repariert statt austauscht, erhält ein weiteres Jahr Gewährleistung.
Ab Oktober 2026 müssen Unternehmen detaillierte Angaben zur Haltbarkeit und Reparierbarkeit machen. Für den Online-Handel kommt zudem ein verpflichtender Widerrufsbutton.
Wer bis September 2026 seine Werbeaussagen nicht an die neue EU-Richtlinie EmpCo anpasst, riskiert die Vernichtung von Lagerbeständen. Dieser Report liefert die wichtigsten Prüfschritte und Abverkaufsstrategien für Altbestände. Jetzt kostenlosen Compliance-Report anfordern
Skepsis gegenüber Gentechnik bleibt groß
Nachhaltigkeit ist nicht nur Regulierungssache. Eine Untersuchung von Prof. Dr. Holger Buxel der FH Münster zeigt: Die Verbraucher sind skeptisch. Befragt wurden 1.057 Personen. Die Mehrheit lehnt Neue Gentechnik (NGT) bei Lebensmitteln ab und fordert klare Kennzeichnung. Bevorzugt werden Produkte, die als gentechnikfrei oder ökologisch zertifiziert sind.
Milliarden für grüne Produktion
Die Industrie rüstet um. Im Juli 2026 startete ein dreijähriges Projekt am Campus Buschhütten in Nordrhein-Westfalen. Die SDFS Smarte Demonstrationsfabrik Siegen GmbH erhält dafür 22,46 Millionen Euro Förderung.
NRW-Umweltminister Oliver Krischer betonte bei der Übergabe die Bedeutung der „GreenFactory“. Dort sollen innovative Ansätze für grüne Produktion und nachhaltiges Bauen erprobt werden – mit Beteiligung von Wissenschaft und Start-ups.
Schweiz: Zivilgesellschaft drängt auf mehr Tempo
Der Label-Dschungel wird ab 2026 noch undurchsichtiger – doch mit der aktualisierten Datenbank „Umweltzeichen Kompakt“ behalten Sie den Überblick. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie Ihre Nachhaltigkeitskommunikation transparent und rechtskonform gestalten. Leitfaden zur transparenten Kommunikation sichern
Auch politisch wächst der Druck. In der Schweiz reichten Organisationen der Plattform Agenda 2030 am 9. Juli 2026 eine Petition mit über 13.000 Unterschriften ein. Anlass: die bevorstehende Präsentation des vierten Länderberichts zu den Sustainable Development Goals (SDGs) vor den Vereinten Nationen.
Die Forderungen: stärkerer Fokus auf Kreislaufwirtschaft, Abbau umweltschädlicher Subventionen und Erhöhung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Der Bundesrat räumt selbst ein, dass zentrale Nachhaltigkeitsziele derzeit verfehlt werden. Die Initiatoren fordern entschlossenere Maßnahmen für die ökologische und soziale Transformation.
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