GrĂŒnflĂ€chen, HaustĂŒr

GrĂŒnflĂ€chen vor der HaustĂŒr: Studie findet 20 Prozent weniger Demenzrisiko

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 03:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wohnungsnahe Vegetation war mit geringerem Demenzrisiko verbunden; Epilepsie ging mit hĂ€ufiger frĂŒher Demenz einher.
Ein ĂŒppiger, baumbestandener Stadtpark mit geschwungenen Wegen bei goldenem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern neue Einblicke in Faktoren, die den Erhalt der geistigen LeistungsfĂ€higkeit im Alter mitbestimmen. Aktuelle Studien analysieren dabei sowohl das prĂ€ventive Potenzial von GrĂŒnflĂ€chen in unmittelbarer Wohnumgebung als auch neurologische Vorerkrankungen wie Epilepsie, die mit einem erhöhten Risiko fĂŒr einen vorzeitigen kognitiven Abbau einhergehen.

GrĂŒnflĂ€chen im direkten Umfeld senken Demenzrisiko

Forscher der UniversitÀt Stockholm und des Karolinska-Instituts untersuchten in einer im Fachjournal Alzheimer's & Dementia veröffentlichten Untersuchung den Einfluss der Wohnumgebung.

FĂŒr die Analyse wurden 2.993 Bewohner des Stockholmer Stadtteils Kungsholmen herangezogen, die zu Beginn der Erhebung ĂŒber 60 Jahre alt und frei von Demenzerkrankungen waren. Über einen Beobachtungszeitraum von bis zu 16 Jahren – im Durchschnitt rund 10 Jahre – erhielten 477 Personen eine Demenzdiagnose.

Mittels Satellitenbildern erfassten die Wissenschaftler das Vegetationsaufkommen in Radien von 100, 250 und 500 Metern um die jeweiligen Wohnadressen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Menschen mit einem höheren GrĂŒnanteil in einer Distanz von weniger als 100 Metern zur Wohnung ein um 20% geringeres Demenzrisiko aufwiesen. Mit zunehmender Entfernung schwĂ€chte sich dieser Zusammenhang ab; in einzelnen Berechnungen zeigte sich der Effekt bei Frauen besonders ausgeprĂ€gt.

Cecilia Stenfors von der UniversitĂ€t Stockholm unterstrich, dass GrĂŒnflĂ€chen im direkten Umfeld die Resilienz des Gehirns im Alter stĂ€rken und daher in der Stadt- und Wohnplanung priorisiert werden sollten.

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Die Autoren verweisen darauf, dass GrĂŒnzonen körperliche Bewegung, soziale Kontakte, Erholung und SchlafqualitĂ€t begĂŒnstigen sowie Belastungen durch Hitze, LĂ€rm und Luftverschmutzung verringern können.

Die Daten belegen allerdings eine Assoziation und keinen kausalen Nachweis, da auch Faktoren wie Einkommen, Lebensstil und der Zugang zur Gesundheitsversorgung eine Rolle spielen könnten. Dennoch empfehlen die Studienautoren wohnungsnahe GrĂŒninfrastruktur als kosteneffektive PrĂ€ventionsstrategie und plĂ€dieren fĂŒr eine nachhaltige Stadtplanung.

Zusammenhang zwischen Epilepsie und frĂŒh einsetzender Demenz

Parallel dazu widmet sich eine in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Untersuchung aus Frankreich und Schweden den neurologischen Risikofaktoren. Demnach steht eine Epilepsie mit einem 6-fach erhöhten Risiko fĂŒr eine Demenzerkrankung vor dem 65. Lebensjahr in Verbindung.

In einer französischen Fall-Kontroll-Analyse von 11.360 FĂ€llen frĂŒher Demenz und 113.600 Kontrollpersonen lag bei 12,5% der Demenzgruppe eine Epilepsiediagnose vor, verglichen mit 1,2% in der Kontrollgruppe.

Auch Epilepsiemedikamente wurden in der Demenzgruppe mit 27,3% deutlich hÀufiger verordnet als in der Vergleichsgruppe mit 10,3%. Eine schwedische Kohorte mit 16.433 DemenzfÀllen und 164.330 Kontrollen zeigte vergleichbare Ergebnisse.

In einer weiteren Kohortenanalyse begleiteten die Forscher 12.901 Personen mit neu diagnostizierter Epilepsie, 64.083 Patienten mit bereits bestehender Epilepsie sowie 129.010 epilepsiefreie Personen ĂŒber einen Zeitraum von zehn Jahren. Eine frĂŒh einsetzende Demenz trat bei 2,2% der neu diagnostizierten, bei 1,7% der prĂ€valenten FĂ€lle und bei 0,2% der Personen ohne Epilepsie auf.

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Nach statistischer Bereinigung um Einflussfaktoren wie SchlaganfĂ€lle, SchĂ€del-Hirn-Traumata und Stimmungsstörungen verblieb fĂŒr neu diagnostizierte Epilepsiepatienten ein 6-fach höheres relatives Risiko, wĂ€hrend es bei bestehender Epilepsie um 74% erhöht war.

Die Autoren betonen, dass das absolute Risiko gering bleibe und die Mehrheit der Betroffenen keine frĂŒhe Demenz entwickele. Auch hier liege kein KausalitĂ€tsbeweis vor; epileptische AnfĂ€lle könnten vielmehr ein frĂŒhes Anzeichen eines neurodegenerativen Prozesses sein.

Dr. Vincent Navarro von der Sorbonne UniversitĂ© sprach sich dafĂŒr aus, Aspekte der DemenzprĂ€vention stĂ€rker in die Epilepsieversorgung einzubinden. Notwendig seien eine frĂŒhzeitige EinschĂ€tzung kognitiver Risiken sowie eine konsequente Kontrolle modifizierbarer Faktoren wie Bluthochdruck.

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