Gutartige Prostatavergrößerung: Bei über 50 Millilitern Restharn kann eine OP nötig sein
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deAnlässlich des Aktionsmonats zur Männergesundheit ruft die Organisation Prostate Scotland betroffene Männer mit einer benignen Prostatavergrößerung zur Teilnahme an einer nationalen Erhebung auf.
Die Untersuchung soll systematisch erfassen, wie sich körperliche Symptome auf den Schlaf, die Erwerbstätigkeit, Reisen, persönliche Beziehungen, soziale Unternehmungen und das seelische Wohlbefinden auswirken. Die Belastung für Patienten kann über Jahre hinweg erheblich sein.
So schilderte ein 63-jähriger Betroffener aus dem schottischen Oban im Kontext des Aufrufs seinen langwierigen Krankheitsverlauf: Nach der Erstdiagnose im Alter von 45 Jahren folgte 2012 eine Blasenhalsinzision.
Später musste er sich täglich zwei- bis dreimal selbst katheterisieren, bis schließlich ein operativer Eingriff mittels transurethraler Resektion der Prostata (TURP) vor 18 Monaten dazu führte, dass weder Katheter noch Medikamente weiter erforderlich waren.
Warnsignale ernst nehmen und Wissenslücken schließen
Dass viele Betroffene spät Hilfe suchen, liegt auch an mangelnder Aufklärung. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Siemens-Betriebskrankenkasse fühlt sich lediglich etwa jeder dritte Mann beim Thema Männergesundheit gut informiert.
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Eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (benigne Prostatahyperplasie, BPH) beruht auf einer Zellvermehrung, die typischerweise ab dem 50. Lebensjahr Beschwerden verursacht, wenngleich die physiologische Zunahme bei vielen bereits ab 40 Jahren einsetzt. Während eine gesunde Prostata rund 20 Gramm wiegt, kann sie bei einer BPH mitunter über 200 Gramm erreichen.
Urologin Dr. Claudia Loos vom Sana-Klinikum weist darauf hin, dass die Erkrankung häufig unterschätzt wird. Zu den typischen Warnsignalen zählen ein abgeschwächter Harnstrahl, eine verzögerte oder verlängerte Blasenentleerung, das Gefühl von Restharn sowie plötzlicher Harndrang und nächtliches Wasserlassen von drei bis fünf Mal oder häufiger.
Bleiben diese Beschwerden unbehandelt, drohen akuter Harnverhalt, die Notwendigkeit von Kathetern und dauerhafte Schäden an der Blase. Auch Blut im Urin und wiederkehrende Harnwegsinfekte bedürfen einer zügigen Abklärung.
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Differenzierte Diagnostik und medizinische Leitlinien
Gleichzeitig bedeutet nicht jede Veränderung beim Wasserlassen zwingend eine Erkrankung der Vorsteherdrüse, wie der Urologe Mark Neumaier betont. Für eine verlässliche Diagnose müssen Symptome, Prostatavolumen und Harnwegsfunktion gemeinsam beurteilt werden. Während die BPH gutartig ist, verläuft Prostatakrebs in frühen Stadien oft gänzlich ohne Symptome. Zudem genügt der PSA-Wert allein nicht, um ein Karzinom festzustellen.
Die im Jahr 2025 erneuerte PSA-Leitlinie sieht ab dem 45. Lebensjahr die Erhebung eines Ausgangswerts vor. Liegt der Wert bei höchstens 1,5 ng/ml, genügt eine erneute Bestimmung nach fünf Jahren.
Bei Werten zwischen 1,5 und 2,99 ng/ml wird eine Kontrolle etwa alle zwei Jahre empfohlen, während Werte über 3 ng/ml eine Magnetresonanztomographie und gegebenenfalls eine Gewebeprobe nach sich ziehen sollten. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen ab 45 Jahren die jährliche urologische Vorsorge inklusive Tastuntersuchung, finanzieren PSA-Tests oder MRT-Untersuchungen jedoch nicht automatisch.
Spektrum von Lebensstil bis zu operativen Eingriffen
Verläuft eine Prostatavergrößerung ohne Symptome, genügt zunächst eine regelmäßige ärztliche Beobachtung. Treten leichtere Beschwerden auf, stehen Lebensstilanpassungen sowie medikamentöse Therapien im Vordergrund. Alpha-Blocker wie Terazosin führen zu einer raschen Linderung der Miktionsbeschwerden, während 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid die Drüse langfristig verkleinern.
Eine operation, zumeist in Form der TURP, wird nach fachlichen Kriterien insbesondere dann notwendig, wenn der Restharn 50 Milliliter übersteigt, wiederholte Harnverhalte auftreten, Blutungen sichtbar sind oder die Nierenfunktion beeinträchtigt wird.
Neumaier unterstreicht, dass therapeutische Schritte stets individuell abgestimmt werden müssen. Zur Verlaufskontrolle werden regelmäßige Ultraschall- und PSA-Überprüfungen in Abständen von sechs bis zwölf Monaten empfohlen.
