Gutartige Prostatavergrößerung: Etwa jeder zweite Mann über 50 ist betroffen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie gutartige Prostatavergrößerung, in der Fachsprache als benigne Prostatahyperplasie (BPH) bezeichnet, steht zunehmend im Fokus medizinischer Fachbeiträge und urologischer Expertenhinweise.
Da mit fortschreitendem Alter ein wachsender Anteil der männlichen Bevölkerung betroffen ist, rücken neben den typischen Beschwerden und möglichen Risikofaktoren vor allem differenzierte Therapiekonzepte in den Vordergrund, die von medikamentösen Ansätzen bis hin zu operativen Verfahren reichen.
Prävalenz und zentrale Risikofaktoren
Internationale Daten und Angaben der Sociedade Brasileira de Urologia verdeutlichen, dass etwa die Hälfte der Männer über 50 Jahre von einer Vergrößerung des Organs betroffen ist. Eine türkeiweite Studie bezifferte den Anteil auf 14 von 100 Männern in dieser Altersgruppe.
Nach Einschätzung von Urologen wie Doç. Dr. Bahad?r Topuz vom Ac?badem Fulya Hastanesi begünstigen Faktoren wie Adipositas, Bewegungsmangel, das metabolische Syndrom sowie Diabetes die Entstehung einer BPH. Verstärkend wirken sich zudem eine hohe Flüssigkeitsaufnahme am späten Abend sowie ein übermäßiger Konsum von Koffein und Alkohol aus.
Zu den typischen Warnzeichen zählen ein schwacher oder dünner Harnstrahl, Startschwierigkeiten oder Unterbrechungen beim Wasserlassen, ein plötzlicher Harndrang mit gesteigerter Frequenz, das Gefühl unvollständiger Blasenentleerung sowie mehrfaches nächtliches Aufwachen. Letzteres kann allerdings auch durch Begleiterkrankungen wie Schlafapnoe oder Herzleiden ausgelöst werden.
Der brasilianische Urologe Alberto Tomé wies darauf hin, dass die Stärke der Beschwerden nicht zwingend Rückschlüsse auf das tatsächliche Ausmaß der Veränderung zulässt, weshalb in bestimmten Fällen eine flexible Zystoskopie über die Harnröhre zur genaueren Beurteilung herangezogen wird.
Mögliche Komplikationen bei fehlender Behandlung
Prof. You Shuche betonte, dass die Hyperplasie nicht als gewöhnliche Alterserscheinung abgetan werden sollte. Bleibt die Obstruktion unbehandelt, drohen chronische Restharnbildung, Blasenentzündungen, Harnröhrenentzündungen und Blasensteine.
Durch den Rückstau des Urins können Hydronephrose und Nierenschäden entstehen. Zudem können ein anhaltend erhöhter Bauchdruck das Risiko für Hernien und Hämorrhoiden steigern sowie Hämaturie und Beeinträchtigungen der Sexualfunktion auftreten.
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Differenzierte Therapieansätze von Pharmazeutika bis zu OP-Methoden
Die Wahl der Therapie richtet sich nach den individuellen Voraussetzungen. Urologen der Hill Klinik in Sofia hoben hervor, dass die Prostatagröße allein nicht ausschlaggebend ist: So kann ein Organ mit einem Volumen von 60 Kubikzentimetern starke Beschwerden verursachen, während Patienten mit 90 bis 100 Kubikzentimetern mitunter kaum Beeinträchtigungen verspüren.
Zu den Kriterien für einen chirurgischen Eingriff zählen unter anderem wiederkehrende Harnverhalte, erhebliche Restharnmengen, Infektionen, Steinbildungen oder Nierenschäden.
Im medikamentösen Bereich kommt unter anderem Tadalafil in einer täglichen Dosis von 5 Milligramm zum Einsatz, das als PDE5-Hemmer die glatte Muskulatur von Prostata und Blasenhals entspannt. Auch der Alpha-1-Blocker Alfuzosin Hydrochlorid dient der Entlastung des Harnflusses. Weiterführende Forschungen, unter anderem durch Unternehmen wie Ningbo Inno Pharmchem, untersuchen zudem Wirkstoffe wie den Vitamin-D-Rezeptor-Agonisten Elocalcitol.
Sollten operative Schritte notwendig sein, stehen schonendere Verfahren zur Verfügung. Neben der roboterassistierten Chirurgie mit dem Da-Vinci-System werden minimalinvasive Methoden wie die Wasserdampftherapie Rez?m oder Laser-Verfahren wie HoLEP eingesetzt, die ohne Schnitt durch die Harnröhre erfolgen.
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Spezialisierte Einrichtungen wie die Hill Klinik bieten endoskopische Techniken und Laser-Enukleationen auch für Prostatagrößen von über 150 bis 250 Gramm an.
Früherkennung und Versorgungsfragen
Parallel zu den Behandlungsformen bleibt die diagnostische Einordnung ein zentrales Thema. Die britische Organisation CHAPS, die für den 26. November 2026 einen Fachworkshop in London anberaumt hat, thematisierte bestehende Unsicherheiten bei der Weiterbehandlung nach auffälligen PSA-Werten.
Im Rahmen ihres Programms von 2022 bis 2025 wurden bei mehr als 12.000 Teilnehmern 974 auffällige Werte festgestellt, woraus 178 Krebsdiagnosen resultierten. Initiativen wie das europäische Pilotprojekt PRAISE-U erproben vor diesem Hintergrund strukturiertere, risikobasierte Ansätze, um Versorgungsbrüche zwischen Primärversorgung und Urologie zu minimieren.
