Halbleiter-Krise, RAM-Preise

Halbleiter-Krise: RAM-Preise vervierfachen sich auf 400 Euro

Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 09:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RAM-Knappheit treibt Preise auf Rekordniveau, während Hersteller auf DDR4-Technik setzen. Neue US-Handelsregeln erhöhen den Druck auf die Branche.

Halbleiterkrise: RAM-Preise explodieren, Hersteller reaktivieren alte Plattformen
Nahaufnahme eines modernen Computer-Motherboards mit sichtbaren elektronischen Bauteilen und Siliziumchips. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die globale Halbleiterbranche kämpft mit massiven Preissteigerungen und Lieferengpässen. Hersteller reagieren mit ungewöhnlichen Maßnahmen – von der Wiederbelebung alter Plattformen bis zu neuen Handelspolitiken, die auch deutsche Unternehmen betreffen.

Speicherkrise treibt Preise in die Höhe

Der Markt für Arbeitsspeicher erlebt eine beispiellose Angebotsverknappung, die Branchenexperten zufolge noch Jahre anhalten könnte. Hochleistungs-RAM ist kaum noch bezahlbar: Ein 32-GB-DDR5-Kit, das vor einem Jahr rund 100 Euro kostete, wird heute häufig für über 400 Euro gehandelt. Samsung warnt, dass sich die RAM-Knappheit bis 2027 weiter verschärfen könnte. Auch SK Hynix rechnet nicht mit einer baldigen Entspannung.

Die Krise erfasst längst auch Festplatten und Mobiltechnik. SSD-Preise haben sich seit Ende 2025 nahezu verdoppelt – verursacht durch Lieferkettenengpässe und die enorme Nachfrage nach KI-Hardware. Die Folgen treffen selbst die größten Tech-Konzerne: Apples A20-Chips im Wert von rund einer Milliarde Euro liegen offenbar bei TSMC fest, weil Speicherhersteller ihre Kapazitäten auf KI-Rechenzentren verlagert haben.

Hersteller beleben alte Plattformen wieder

Angesichts explodierender DDR5-Preise setzen Mainboard- und Prozessorhersteller auf eine überraschende Strategie: Sie reaktivieren ältere Technologien. Gigabyte bringt mit dem Aorus B550X ein Mainboard für den betagten AM4-Sockel auf den Markt. Die Ausstattung mit modernen Features wie WiFi 7 und einem 10-Phasen-60A-DrMOS-Spannungssystem macht es möglich, leistungsfähige Rechner mit deutlich günstigerem DDR4-Arbeitsspeicher zu bauen.

AMD zieht nach und hat den Ryzen 7 5800X3D zum Preis von rund 350 Euro neu aufgelegt. Der Schritt soll den Markt beruhigen – auf dem Zweitmarkt hatte der beliebte Gaming-Prozessor zuvor die 400-Euro-Marke überschritten. Benchmarks zeigen zudem: Der Ryzen 7 7700X3D liegt mit durchschnittlich 174,3 FPS weiterhin vor Intels neuem Core Ultra 7 270K Plus – bei deutlich besserer Energieeffizienz.

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Grafikkarten: Preissprünge in Asien, Engpässe bei Bauteilen

In Asien sind die Grafikkartenpreise zuletzt drastisch gestiegen. In Südkorea verteuerten sich die Karten innerhalb einer einzigen Woche (31. Juli bis 6. August 2026) um 10 bis 20 Prozent. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich in Japan, wo Gigabyte Aufschläge von 20 bis 40 Prozent meldet, und in China, wo MSI die Preise um 20 Prozent erhöht hat. Nvidia hat bereits die Preise der RTX-50-Serie in Südkorea angepasst, AMD dürfte bei der kommenden RX-9000-Serie nachziehen.

Zusätzlich erschweren fehlende passive Bauteile die Produktion. Die Lieferzeiten für Mehrschicht-Keramikkondensatoren (MLCCs) von Herstellern wie Yageo und Murata haben sich auf 12 bis 16 Monate verlängert. Manche Kunden zahlen inzwischen das Doppelte oder Dreifache des üblichen Preises, um an die begehrten Komponenten zu kommen – die KI-Nachfrage übertrifft alle Prognosen.

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Neue Handelsregeln belasten die Produktion

Neue US-Handelsvorschriften und steigende Rohstoffkosten setzen die Halbleiterfertigung zusätzlich unter Druck. Am 6. August 2026 erließ das Weiße Haus eine Verordnung, die Mindestimportpreise für kritische Materialien festlegt: Polysilizium kostet demnach mindestens 21 Dollar pro Kilogramm, Halbleiterwafer 100 Dollar pro Kilogramm. Hinzu kommt ein Einfuhrzoll von 15 Prozent auf Materialien wie Siliziumkarbid und Galliumnitrid, der Importe im Wert von rund 18 Milliarden Dollar jährlich betrifft.

Die Waferhersteller geben die Mehrkosten bereits weiter: Führende Anbieter erhöhten die Preise zuletzt um 10 bis 15 Prozent, bei Spezialwafern für KI und Hochleistungsrechnen sind es bis zu 22 Prozent. Auch der chinesische Hersteller Lion Micro zog zum 1. Juli 2026 mit Aufschlägen von 10 bis 15 Prozent nach. Während Unternehmen wie Texas Instruments mit neuen Fabriken langfristig Kosten senken wollen, bleiben die Lagerbestände branchenweit hoch – bei analogen Halbleitern liegen sie im Schnitt bei 222 Tagen.

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