Hallenbad Neuenburg: 7.200 Schüler warten auf Schwimmunterricht und Kurse
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 08:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehrere aktuelle Berichte verdeutlichen die Dringlichkeit und die finanzielle Unterstützung von Schwimm-AGs und Kursen für Kinder. Die frühzeitige Vermittlung der Schwimmfähigkeit gilt als lebenswichtige Kompetenz zur Prävention von Badeunfällen.
Gleichzeitig stehen Städte, Schulen und Vereine vor der Herausforderung, den praktischen Unterricht trotz angespannter öffentlicher Haushalte, maroder Infrastruktur und logistischer Hürden aufrechtzuerhalten.
Kommunale Haushalte und logistische Hürden
In vielen Kommunen belasten Sparmaßnahmen den Schulschwimmunterricht direkt. In Köln genehmigte die Stadtverwaltung nach Elternprotesten und Widerspruch betroffener Schulen die Fahrten zu Schwimmhallen für das Schuljahr 2026/27, nachdem die Bustransfers an 40 Schulen zunächst gestrichen worden waren.
Für die Grundschule Zugweg bedeutete der Verzicht auf Busse beispielsweise einen Fußweg von 26 Minuten je Strecke, wodurch von einer Doppelstunde lediglich gut 30 Minuten Wasserzeit im Becken verblieben.
Die Stadt sicherte die Fahrten schließlich ab, indem zum Budget von 33 Millionen Euro weitere 2,5 Millionen Euro für die Schülerbeförderung bereitgestellt wurden. Die Kommune rechnet für ihren Haushalt 2027 mit einem Minus von mehr als 811 Millionen Euro und für 2028 mit einem Fehlbetrag von 913 Millionen Euro.
Das Budget des Amtes für Schulentwicklung soll laut Haushaltsplanentwurf von 626,84 Millionen Euro im laufenden Jahr auf 675,35 Millionen Euro im nächsten Jahr ansteigen. Gemeinsam mit den Schulen sollen im laufenden Schuljahr Einsparpotenziale bei Fahrten geprüft werden.
Auch in anderen Städten bedrohen Budgetkürzungen die Bäderinfrastruktur. In Paderborn ergaben Berechnungen einer Beratungsagentur ein jährliches Haushaltsdefizit von knapp 100 Millionen Euro bis 2037. Zu den vorgestellten Sparvorschlägen gehören neben Gebührenerhöhungen für Kitas und den Offenen Ganztag sowie dem Abbau von circa 390 Verwaltungsstellen auch die Kürzung von Sportzuschüssen und die mögliche Schließung eines Hallenbades.
Baulicher Zustand und Übergangslösungen
Der Zustand bestehender Bäder erschwert vielerorts die Schwimmausbildung. Das Hallenbad in Neuenburg am Rhein ist seit der Sommerpause 2026 wegen baulicher Mängel geschlossen. Davon sind jährlich mehr als 7.200 Schülerinnen und Schüler aus über elf Schulen betroffen, während die Warteliste für Anfängerkurse weit über 100 Kinder umfasst.
Nach Bürgerprotesten mit rund 500 Teilnehmenden und einer Petition mit über 6.000 Unterschriften beschloss der Gemeinderat einstimmig Sofortmaßnahmen: Pfeilersicherungen und Duschreparaturen für rund 120.000 Euro sollen eine Wiederöffnung bis zum Jahresende ermöglichen. Ein Neubau oder eine Vollsanierung wird auf rund 20 Millionen Euro geschätzt.
Das Hallenbad in Neuenburg ist seit der Sommerpause geschlossen, über 7.200 Schüler sind betroffen und die Warteliste für Anfängerkurse umfasst weit über 100 Kinder. Wer nicht tatenlos zusehen will, findet in diesem kostenlosen Ratgeber eine Checkliste zur Schwimmfähigkeit und fünf konkrete Wege zum Kursplatz. Jetzt kostenlosen Schwimm-Ratgeber anfordern
Andere Städte suchen nach Ersatzlösungen. In Füssen, wo das Hallenbad seit Jahren geschlossen ist und ein neues Lehrschwimmbecken laut Bürgermeister erst ab 2030 bereitstehen soll, kommt ab Ende November 2026 für mehrere Wochen ein mobiles Schwimmbecken zum Einsatz. Es soll Grundschul- und Kitakindern grundlegende Fähigkeiten zur Wassergewöhnung und Wasserbewältigung vermitteln.
In Pfungstadt investiert die Kommune hingegen in Neubauten: Dort wurde das Richtfest für einen 45 Millionen Euro teuren Bade- und Saunapark gefeiert, der im Frühjahr 2028 eröffnen soll. Der städtische Anteil liegt nach Förderungen bei rund 33 Millionen Euro, vorgesehen ist unter anderem ein 25-Meter-Becken mit acht Bahnen.
Private Unterstützung und Vereinsinitiativen
Angesichts begrenzter öffentlicher Mittel tragen private Spenden und Vereine zur Finanzierung von Schwimmangeboten bei. Am 1. Oktober 2026 spendete Vonovia 3.000 Euro an die Astrid-Lindgren-Grundschule in Essen-Hörsterfeld. Das seit rund sechs Jahren bestehende Projekt, das jährlich von rund 35 Kindern des zweiten Schuljahres genutzt wird, schließt damit eine Finanzierungslücke für Rettungsschwimmer und Fahrten, organisiert in Kooperation mit der Caritas-SKf Essen und dem Round Table 26 Essen.
Im Freibad Westercelle wiederum ermöglichten eine Privatspende und der Lions Club Wienhausen-Flotwedel in den Sommerferien einen zehntägigen Kurs für Kinder mit Assistenzbedarf in Fünfergruppen.
Vereine bieten zudem eigene Intensivkurse an: Der Kneippverein Elten veranstaltet im Bürgerbad Elten im Oktober 2026 zwei Kursblöcke für Kinder ab fünf Jahren mit dem Ziel des Seepferdchen-Abzeichens gegen eine Gebühr von 50 Euro pro Kind.
Für den 14. Oktober 2026 planen Schülerinnen und Schüler von sechs Durlacher Schulen ein Spendenschwimmen im Weiherhofbad, um ihren Schwimmunterricht zu sichern; am dortigen Markgrafen-Gymnasium machten die Unterrichtskosten zeitweise rund ein Drittel des gesamten Schulhaushalts aus.
Politische Debatten um die Schwimmförderung
Die Notwendigkeit des Schwimmunterrichts spiegelt sich auch in der Unfallstatistik wider: Laut DLRG ertranken in der Badesaison 2026 in Rheinland-Pfalz 14 Menschen, davon 12 in ungesicherten Flüssen und Badeseen. Das Land stellt für das Programm „Kinder lernen schwimmen“ im Jahr 2026 insgesamt 167.500 Euro bereit.
Marode Bäder und knappe Kommunalhaushalte bedrohen den Schwimmunterricht vielerorts — in Köln mussten Busfahrten erst nach Elternprotesten gesichert werden, in Paderborn steht ein Hallenbad zur Schließung. Dieser Leitfaden zeigt Kommunalpolitikern, wie Bäder-Infrastruktur trotz angespannter Kassen erhalten bleibt. Leitfaden Bäder-Infrastruktur jetzt sichern
Die AfD-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag fordert angesichts dessen eine Reform des Sportförderungsgesetzes von 1974 sowie Schwimm-Gutscheine für Grundschulkinder und eine kostenfreie Badnutzung für Schulen und Vereine.
Dass der Schwimmsport an Schulen dennoch gefördert wird, zeigte sich am 28. September 2026 im Landkreis Germersheim beim ersten Kreisschwimmfest, an dem acht Grundschulen und sieben weiterführende Schulen in Teamdisziplinen antraten.
