Hamburger Müllanlage: Kosten explodieren von 234 auf 780 Millionen
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 22:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Hohe Kosten, logistische Probleme und fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung setzen die Kommunen unter Druck. Besonders die Biotonne sorgt für Zündstoff.
Bürger stimmen gegen Biotonne
In Waren (Müritz) haben sich die Stadtvertreter im Juli 2026 gegen die Teilnahme an einem Modellprojekt zur getrennten Bioabfallsammlung ausgesprochen. Der Grund: befürchtete Mehrkosten für die Anwohner und der logistische Aufwand.
Eine Bürgerbefragung hatte zuvor ein klares Ergebnis geliefert: Von den 10.619 Teilnehmern lehnten 66,63 Prozent die Einführung der Biotonne ab. Der Kreistag hatte das Projekt zwar beschlossen, den Kommunen aber die Freiwilligkeit überlassen.
Kostenexplosion bei Hamburger Müllanlage
In Hamburg sorgt ein ganz anderes Problem für Schlagzeilen. Die Müllverwertungsanlage Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) am Volkspark wird zum Millionengrab. Ein Deloitte-Bericht offenbarte eine Kostenexplosion: Statt der geplanten 234 Millionen Euro fallen nun zwischen 720 und 780 Millionen Euro an.
Die für 2025 geplante Fertigstellung verzögert sich auf 2026 bis 2027. Der Aufsichtsrat prüft rechtliche Schritte gegen die ehemalige Geschäftsführung. Auch bei der Klärschlammverbrennungsanlage Vera II stiegen die Kosten von 196 auf über 297 Millionen Euro.
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Bremischer Biomüll auf Reisen
Weite Transportwege belasten die Umweltbilanz der Abfallentsorgung. Bremen transportiert seit 2018 jährlich zwischen 23.000 und 27.000 Tonnen Biomüll zur Verwertung nach Bohmte in Niedersachsen. Politische Akteure fordern deshalb den Bau einer eigenen Biogasanlage mit einer Kapazität von rund 45.000 Tonnen bis 2030 – dann läuft der aktuelle Entsorgungsvertrag aus.
In Vorpommern-Greifswald sorgt die Vergabe der Gelben Tonne für die Jahre 2027 bis 2029 für Diskussionen. Der Zuschlag ging an einen Dienstleister aus Sachsen-Anhalt. Landrat Michael Sack äußerte Bedenken hinsichtlich der Kapazitäten und Erfahrung des Unternehmens.
Wenn Bürger die Mülltrennung nicht hinkriegen
Selbst gut gemeinte Projekte scheitern an der Praxis. In der Schweizer Gemeinde Gelterkinden musste ein Projekt zur Sammlung von Grüngut-Kleinmengen eingestellt werden. Plastik und Speisereste im Grüngut führten dazu, dass Verwertungsanlagen die Annahme verweigerten.
Der Abfall landete schließlich als herkömmlicher Kehricht in der Verbrennung.
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Bäcker warnen vor Verpackungssteuer
Auch das Gewerbe bekommt die neuen Regulierungen zu spüren. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks warnte im Juli 2026 vor den Folgen kommunaler Verpackungssteuern. Eine Umfrage unter 107 Betrieben ergab: Zwei Drittel verzeichnen Umsatzrückgänge im To-go-Bereich, 80 Prozent klagen über gestiegenen Verwaltungsaufwand.
Trotz aller Nachhaltigkeitsbemühungen bevorzugen 78 Prozent der Kunden weiterhin Einwegverpackungen.
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