Handgriffkraft, Höhere

Handgriffkraft: Höhere Kraft senkt Sterblichkeit um 12 Prozent

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung zeigt wirksame Trainingsbereiche für Kraft, Muskeln und Ausdauer sowie den Beitrag von Bewegung zu Gesundheit und Mobilität im Alter.

Evidenzbasiertes Training: Was Muskelaufbau und Ausdauer stärkt
Ein minimalistisch gestalteter Fitnessraum mit hochwertigen Trainingsgeräten und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftlich fundierte Trainingsansätze gewinnen in der Sport- und Bewegungswissenschaft zunehmend an Bedeutung. Unter dem Begriff der evidenzbasierten Trainingsmethoden (EBT) fassen Fachleute Vorgehensweisen zusammen, die auf peer-reviewter Forschung aufbauen, darunter Arbeiten von Forschern wie Schoenfeld, Helms und Krieger.

Ziel ist es, Muskelaufbau, Maximalkraft sowie Ausdauer gezielt zu optimieren und die körperliche Leistungsfähigkeit über die Lebensspanne hinweg zu sichern.

Parameter für Hypertrophie und Kraftaufbau

Für das Muskelwachstum erweist sich die Trainingsgestaltung als flexibler als früher angenommen. Hypertrophie lässt sich über ein breites Spektrum von 6 bis 30 Wiederholungen pro Satz stimulieren, sofern die Sätze nahe an das Muskelversagen herangeführt werden. Empfohlen wird dabei häufig eine Reserve von ein bis drei Wiederholungen (RIR 1–3).

Während 1 bis 5 Wiederholungen vorrangig der Maximalkraft dienen, decken 6 bis 12 Wiederholungen Kraft und Aufbau ab, 13 bis 20 Wiederholungen isolierte Übungen und 20 bis 30 Wiederholungen Bereiche mit hoher Anstrengung. Als wöchentliches Mindestvolumen gelten 10 Sätze pro Muskelgruppe, optimal sind 10 bis 20 Sätze bei einer Trainingsfrequenz von zwei- bis dreimal pro Woche.

Beim Maximalkrafttraining liegt der Fokus auf 1 bis 5 Wiederholungen bei 80 bis 95 Prozent des Einwiederholungsmaximums (1RM). Zwischen den Sätzen sind Pausen von 3 bis 5 Minuten erforderlich, um die Phosphokreatin-Resynthese zu gewährleisten.

Für Hypertrophie liegt der Richtwert laut einer Untersuchung von Schoenfeld aus dem Jahr 2016 bei rund 2 Minuten, was zu mehr Muskelmasse führte als Pausen von einer Minute; bei Assistenzübungen reichen 60 bis 90 Sekunden.

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Eine strukturierte Progression lässt sich über das Prinzip der doppelten Progression erreichen, bei dem zunächst die Wiederholungszahl gesteigert wird, bevor das Arbeitsgewicht angehoben wird.

Polarisiertes Modell im Ausdauersport

Im Ausdauerbereich orientiert sich die Steuerung häufig an der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max), definiert als Produkt aus Herzminutenvolumen und arteriovenöser Sauerstoffdifferenz. Diese wird bei Untrainierten zentral und bei Trainierten peripher limitiert. Da Standardformeln für die Herzfrequenz von den tatsächlichen Intensitäten abweichen können, liefert eine Atem-Stoffwechselanalyse exaktere individuelle Zonen.

Als wissenschaftlich fundiert gilt neben dem hochintensiven Intervalltraining (HIIT) das polarisierte 80/20-Modell nach Seiler. Profiathleten absolvieren demnach 80 bis 85 Prozent ihres Volumens in Zone 1 und 15 bis 20 Prozent in Zone 3, während Zone 2 gemieden wird.

Freizeitathleten verbringen hingegen oft 60 bis 70 Prozent im Übergangsbereich von Zone 2 und 3. Dabei zeigt sich, dass eine intensive Einheit pro Woche etwa 80 Prozent des Fortschritts bringt, während eine zweite Einheit nur noch rund 5 Prozent beisteuert und zugleich das Übermüdungsrisiko erhöht.

Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 mit 17 Studien und 262 Ausdauerradfahrern zeigte zudem, dass schweres Krafttraining als Ergänzung die Radeffizienz, die anaerobe Leistung und die Radperformance verbesserte, während der Effekt auf die VO2max bei niedriger Evidenzsicherheit nicht signifikant ausfiel.

Erhalt von Funktion und Gesundheit im Alter

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen pro Woche. Krafttraining ist nicht nur für die Leistungsfähigkeit relevant, sondern bildet einen zentralen Baustein der Herz-Kreislauf-Vorsorge neben Ausdaueraktivitäten, Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettkontrollen sowie ausgewogener Ernährung.

Eine im Fachjournal JAMA Network Open publizierte Untersuchung an 5.472 Frauen im Alter von 63 bis 99 Jahren zeigte nach einer durchschnittlichen Beobachtungsdauer von 8,3 Jahren, dass eine um eine Standardabweichung höhere Handgriffkraft mit einer um rund 12 Prozent niedrigeren Sterblichkeit einherging – unabhängig von Gehgeschwindigkeit, Sitzzeiten oder Entzündungsmarkern.

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Zudem belegte eine Studie der Universität Gießen, dass regelmäßiges Ausdauertraining die Aktivität der natürlichen Killerzellen bei älteren Erwachsenen stärkt und so der Immunoseneszenz entgegenwirken kann.

Ergänzend zur Trainingssteuerung spielen Regeneration und Ernährung eine tragende Rolle: Empfohlen werden 7 bis 9 Stunden Schlaf sowie eine Proteinzufuhr von 1,6 bis 2,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Hinsichtlich regenerativer Hilfsmittel zeigte eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2026 über zwölf randomisierte kontrollierte Studien, dass Massagepistolen keinen klaren Nutzen gegen Muskelkater oder für die Maximalkraft-Erholung boten, während Faszienrollen diesbezüglich solider belegt sind.

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