Handwerk, Ausbildungsverträge

Handwerk boomt: Ausbildungsverträge steigen um 4,9 Prozent

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Handwerk verzeichnet 4,9 Prozent mehr Ausbildungsverträge, während die Gesamtwirtschaft schrumpft. Über 20.000 Plätze bleiben unbesetzt, Betriebe setzen auf internationale Fachkräfte und neue Führungsansätze.

Handwerk trotzt Trend: Ausbildungszahlen steigen, doch viele Stellen bleiben offen
Ein junger Auszubildender bei der handwerklichen Arbeit in einer modernen Werkstatt, fokussiert auf Präzision. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Handwerk steigt – und das gegen den Bundestrend. Während die Gesamtwirtschaft 2025 einen Rückgang von 2,8 Prozent verkraften musste und nur noch rund 461.900 Verträge zählte, legte das Handwerk zuletzt kräftig zu. Bis Juni 2026 stieg die Zahl der Neuverträge um 4,9 Prozent auf 67.800, wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) meldet.

Doch die Bilanz hat einen Haken: Über 20.000 Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Betriebe und Verbände setzen deshalb auf neue Strategien bei der Nachwuchssuche und im Talent-Management.

Kfz-Mechatroniker bleibt Spitzenreiter

Der Beruf des Kfz-Mechatronikers ist weiterhin der beliebteste im Handwerk – 2025 wurden rund 24.500 neue Verträge unterschrieben. Gleichzeitig entdecken immer mehr Jugendliche nachhaltige Berufsfelder für sich. Beim „Green Day“ der Handwerkskammer (HWK) Schwaben Anfang August schnupperten Schüler in Elektrotechnik, Schreinerei sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) hinein – praxisnah und ohne Hemmschwelle.

Auch Wettbewerbe sollen das Handwerk attraktiver machen. Im Oktober 2026 treten Nachwuchszimmerer in Ansbach zu einem nationalen Wettbewerb an. Bereits Anfang August lockten Ferienwerkstätten in Bildungszentren in München und Oberbayern Jugendliche in die rund 130 Ausbildungsberufe des Handwerks.

Internationale Fachkräfte als Lösung?

Ein zentraler Baustein gegen den Fachkräftemangel: die Anwerbung aus dem Ausland. Die Zahlen belegen den Trend – 2025 stieg die Zahl ausländischer Auszubildender um 18 Prozent auf 82.400. In der Ortenau etwa konnten seit Frühjahr 2025 rund 20 Fachkräfte aus Brasilien gewonnen werden, unter anderem für Elektronik und Stadtplanung.

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Online-Formate unterstützen die internationale Vernetzung zusätzlich. Ende Juli 2026 vermittelte das Projekt „FIT for German Climate Businesses“ – gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – direkte Kontakte zwischen Handwerksbetrieben und Fachkräften aus Usbekistan und Kolumbien.

Doch nicht nur neue Mitarbeiter aus dem Ausland sind gefragt. In der Region Ludwigsburg setzen Betriebe zunehmend auf Validierungsverfahren: Arbeitnehmer können ihre beruflichen Fertigkeiten auch ohne formalen Abschluss anerkennen lassen und so als qualifizierte Fachkräfte eingesetzt werden.

Mittelstand fordert schnelle Entlastung

Die Fachkräftesuche wird begleitet von hitzigen Diskussionen über die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Mittelstandsverbände kritisierten Anfang August die Entlastungspläne der Bundesregierung scharf und forderten eine sofortige Senkung der Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß. Die Botschaft: Der Mittelstand kann nicht bis ins nächste Jahrzehnt warten.

Auch das Baugewerbe drängt auf Entlastung. Bauverbände fordern rückwirkende Preisgleitklauseln für Diesel und Bitumen sowie eine Überarbeitung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Die geplante Entlastungsprämie von 1.000 Euro stößt bei der Bauwirtschaft in Nordrhein-Westfalen dagegen auf Skepsis – sie könnte den Erwartungsdruck der Beschäftigten auf die Betriebe erhöhen.

Führung neu denken

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Damit Mitarbeiter langfristig bleiben, rückt die Führungskultur in den Fokus. Die HWK Mannheim plant für Oktober 2026 Seminare zu generationsübergreifenden Führungsstrategien – schließlich treffen im Handwerk unterschiedliche Altersgruppen mit verschiedenen Erwartungen aufeinander.

Das Ifo-Institut schlägt zusätzlich vor, die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld zu verkürzen. Das Ziel: Unternehmen zu aktiverer Personalsuche und mehr Investitionen in Weiterbildung zu bewegen – ein Hebel gegen den strukturellen Fachkräftemangel. Ob die Politik mitzieht, bleibt abzuwarten.

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