Harnwegsinfektionen: Phagentherapie + Mikrobiom-Transfer zeigen Erfolg
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Forschung intensiviert die Suche nach Alternativen zur Antibiotikabehandlung. Im Fokus: kombinierte Therapien mit Bakteriophagen und Mikrobiom-Transplantationen. Erste Ergebnisse sind vielversprechend.
Phagen plus Stuhltransfer: Hoffnung bei Harnwegsinfektionen
Eine im Juli in Nature Microbiology veröffentlichte Studie kombiniert Phagentherapie mit der Transplantation von Mikrobiota (FMT). Das Ziel: chronisch rezidivierende Harnwegsinfektionen bekÀmpfen. Drei Patientinnen mit Escherichia coli-Infektionen wurden zwischen Mai und Juli 2023 behandelt.
Bei zwei der drei Frauen reduzierte die Kombination die Infektionsrate ĂŒber zwei Jahre lang. Fachleute werten das als Hinweis: Phagen eliminieren gezielt Krankheitserreger, wĂ€hrend die Darmflora-Stabilisierung nachhaltigen Schutz bietet. Ăbersichtsarbeiten bescheinigen personalisierten PhagenansĂ€tzen bereits in ĂŒber 70 Prozent der klinischen Anwendungen Verbesserungen â besonders gegen bakterielle Biofilme.
EU-Projekt plant groĂe Studie ab 2027
Die Einzelfallbeobachtungen sollen nun breiter abgesichert werden. Das EU-Projekt âREPhRAMEâ (Horizon Europe) plant eine umfangreiche klinische Studie, die im Juni 2027 starten soll. Wissenschaftler der HUN-REN-Gruppe entwickeln dafĂŒr computergestĂŒtzte Methoden zur prĂ€zisen Phagenauswahl.
Das Helmholtz-Zentrum fĂŒr Infektionsforschung (HZI) und das Helmholtz-Institut fĂŒr RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) suchen parallel nach neuen Phagenquellen. Dazu zĂ€hlen Jumbophagen gegen Pseudomonas aeruginosa und Phagen aus Primatenkot. Experten betonen jedoch: Phagen sind derzeit ErgĂ€nzung, kein vollstĂ€ndiger Antibiotika-Ersatz.
Reserveantibiotika verlieren zunehmend an Wirkung
Der Handlungsdruck wĂ€chst. Eine Studie des Helmholtz-Instituts fĂŒr One Health (HIOH) vom heutigen Donnerstag belegt: Klebsiella pneumoniae-StĂ€mme sind bereits resistent gegen das neu zugelassene Antibiotikum Cefiderocol. Die hochresistenten, hypervirulenten Erreger wurden bei einem Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern identifiziert.
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GewĂ€sserproben rund um Greifswald zeigen zudem: Multiresistente Erreger und AntibiotikarĂŒckstĂ€nde konzentrieren sich im Umfeld von KlĂ€ranlagen. FĂŒr gesunde BadegĂ€ste bestehe kein erhöhtes Risiko, so die Forscher. Doch die Funde verdeutlichen die stetige Ausbreitung von Resistenzen in der Umwelt.
Diagnostik und KombinationsprÀparate machen Fortschritte
Das Unternehmen Seegene veröffentlichte gestern eine Analyse von rund 60.000 Testergebnissen aus 42 Monaten. Das Ergebnis: Bei 82 Prozent der HPV-positiven FĂ€lle fanden sich zusĂ€tzlich weitere sexuell ĂŒbertragbare Erreger. Insgesamt 71 Prozent aller positiven Proben enthielten Mehrfachinfektionen.
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Auch bei HIV-Therapien gibt es Neuigkeiten. Eine am 4. August in JAMA veröffentlichte randomisierte Studie belegt die Gleichwertigkeit einer Doravirin-basierten Kombination â mit weniger Gewichtszunahme als Vorteil. Das Unternehmen Basilea erhielt Anfang August zudem weitere BARDA-Fördermittel fĂŒr Ceftibuten-Ledaborbactam, einen Wirkstoffkandidaten gegen komplizierte Harnwegsinfektionen.
Trotz aller Fortschritte warnen Mediziner vor kommerziellen Mikrobiomtests ohne klinische Validierung. Standardisierte Normwerte fehlen oft, der Zusammenhang zwischen Darmflora und Krankheitsbildern beruht hĂ€ufig nur auf Korrelationen. Eine Studie der UniversitĂ€t Wien zur Metaproteomik, veröffentlicht in Nature Communications, soll kĂŒnftig helfen, die Wechselwirkungen zwischen Wirt und Mikroben besser zu verstehen.
